Archiv für die Kategorie „Diazotypie“

Richtungsding

Freitag, 30. Juli 2010

Eine Schnäppchenjagd am anderen Ende abendländischer Werte.
Eine Familiengeschichte, in der Predigten geschmuggelt werden.
Eine Fahrt mit der S1, Bernd Stelter und einer Gitarren-Frau.
Eine Lebensgeschichte, die acht Korn lang dauert.
Ein Schönheitschirurg, der sich im Meer spiegelt.
Ein Gedicht auf eine Kiste Warsteiner.
Eine schlimme Frauengeschichte.
Ein blaues Lapislazulimädchen.
Eine böse Frauengeschichte.
Eine krumme Schnittgerade.
Ein Klagelied vom Nöhl.
Und der Jaulwinde.

So bunt, verwirrend, anregend und spannend wie diese Auswahl seiner Inhalte ist das “Richtungsding”, eine neue “Zeitschrift für Gegenwartsliteratur”, die in Mülheim an der Ruhr erscheint. Herausgeber ist der “Dichtungsring Ruhr”, dessen Ziel es von Anfang an ist, “sich gegenseitig zu lesen und anzuregen”. Mithilfe seines durch einen Versprecher wortspielerisch benamsten Zentralorgans können dies nun auch andere Leserinnen und Leser tun. Das Konzept dazu ist einfach. Einfach anspruchsvoll:

“Das Richtungsding hat sich einzig zum Ziel gesetzt, lesenswerte Texte in einem Heft zu versammeln. Nicht mehr und nicht weniger.”

Jan-Paul Laarmann und Harald Gerhäußer stellen das Richtungsding vor (Video nach dem Klick).

Die Herausgeber Jan-Paul Laarmann und Harald Gerhäußer stellen das Richtungsding vor (Video nach dem Klick).

Dass dabei etwas mehr auf den Inhalt und ein bisschen weniger auf die Form geachtet wurde, ist naheliegend. Das macht das Heft zwar einerseits sympathisch, hinterlässt aber andererseits einen semiprofessionellen Nachgeschmack. Denn die Texte, die einen wahlweise in eine vergangene Zeit ziehen lassen (Stephan Hermsen: Das Ende der Welt), ein farbiges Kopfkino veranstalten (Leonie Viola Thöne: Das Lapislazulimädchen), ein nickendes Schmunzeln hervorrufen (Gabriel Knobel: Noch & Nöcher) oder einfach brutal umhauen (Jasamin Ulfat: Nur einmal mutig gewesen), haben das nicht verdient. Verdient haben sie ein Layout, das ihnen Luft zum Atmen lässt, eine Typographie, die nicht gewollt unprätentiös und damit ungewollt prätentiös ist, sowie eine intensivere Korrekturphase. All das machte das Heft nicht weniger lesens-, sondern mehr liebenswert.

Weil ich nur zu gut weiß, wieviel Arbeit in einem solchen Projekt steckt, und wie viel mehr man hätte falsch machen können, möchte ich diese Kritik gerne weniger rüde klingen lassen. Vielleicht am besten mit einem Lob? Ich probier’s mal so:

Jan-Paul Laarmann sagt im Video:
“Das Schöne ist, wir haben eigentlich keine Fallhöhe.”
Das stimmt nun nicht mehr.

Info
Das Richtungsding wird herausgegeben von Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann und kann zum Preis von 5 Euro (zzgl. Porto) bestellt werden. Weitere Informationen
im Web: www.richtungsding.com
im Blog: richtungsding.posterous.com
bei Twitter: @richtungsding
bei Facebook: Dichtungsring Ruhr

Weitere Kritiken:
Der Westen, 19.7.2010

Wer heute abend in Oberhausen oder Umgebung weilt und noch nichts vorhat: Das Richtungsding ist zu Gast bei “gnadenlos“, Fabrik K14, Lothringerstraße 64, Oberhausen. Die Lesung beginnt um 19 Uhr.

Schreibwerkstatt

Freitag, 28. Mai 2010

Shit happens. Heute habe ich es irgendwie geschafft, den Beginn des Anfang des Rudiments des Entwurf eines Beitrags freizuschalten und diesen Faux-Pas 11 Stunden lang nicht zu bemerken. Darüber hinaus hielt es auch sonst niemand für nötig, mich darauf hinzuweisen. Dies lässt folgende optionalen Schlüsse zu:

  • Wir haben überhaupt keine Leser mehr. Unter der Prämisse könnten wir komplett ins Nichtsblog umziehen.
  • Unsere Leser hielten das untenstehende für einen willentlich abgegebenen, vollständigen Beitrag. Dann müssten wir entweder am Geisteszustand unsere Leser oder müssten jene an unserem zweifeln. Hm.
  • Weil heute Freitag ist, waren alle damit beschäftigt, auf Twitter #ffs abzugeben und konnten sich noch nicht mit nachgeordneten Themen wie verkorxten Blogs beschäftigen.
  • Unsere Leser freuten sich diebisch über das Desaster, weil … ja, warum eigentlich?
  • Wer mag, kann den wirklichen Grund hier in den Kommentaren loswerden. Ich bin ratlos.

Jedenfalls ist hier der Beginn des Anfang des Rudiments des Entwurf des Beitrags, an dem man ablesen kann, wie bei mir Postings entstehen – aus einem fürchterlichen Gewürge nämlich:

Manchmal bleiben mir bei der morgendlichen Zeitungslektüre Wörter im Hals stecken. Oder besser: Im Hirn. Das sind Wörter, die auf den ersten Blick logisch klingen, nachgerade positiv.

Beispiele
geordnete Insolvenz
alternativlos

oft neu sind

Dann grüble ich den ganzen Tag darüber nach, warum denn nun ausgerechnet dieses Wort

George Orwells düstere Vision “1984″ ist für die einen …
für die anderen Lehrmaterial.
Denn was dort mit “Neusprech” vorgedacht wurde, wird heute auf perfide Art tagtäglich umgesetzt.
Man müsste die Worte, die einem bei der täglichen Zeitungslektüre auffallen, herausschreiben und sie bloßstellen. Am besten in einem Blog.

Oh, ich sehe gerade: Das gibt’s schon.

http://neusprech.org/

-> http://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech

Sollte ich gelegentlich noch Lust haben, den Beitrag fertigzuschreiben, könnt ihr ja mal vergleichen …

Wahnsinns-Metaphern 2010

Freitag, 7. Mai 2010

fussballUnter den 80 Millionen Bundestrainern, die soeben im Schweiße des Angesichts von René Adler die Nationalelf zusammenstellten, ist mir dieser eine Franzose der liebste. Man muss nichts von Fußball verstehen, sich nicht einmal dafür zu interessieren, um sich an den Balltreter-Analysen von Frédéric Valin zu erfreuen. Und – wer weiß? – vielleicht wird zur WM auch wieder das geniale Fooligan antreten.

Neologismus

Donnerstag, 6. Mai 2010

Und wieder ein neues Wort erschaffen.

Das Letz niest wieder

Montag, 3. Mai 2010

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Little Brother

Mittwoch, 3. März 2010

coverlb180Vor kurzem hatte ich darauf hingewiesen, dass es “Little Brother” von Cory Doctorow jetzt auch als Hörbuch der im Internet kostenlos verfügbaren PDF-Version gibt. Nun erschien das Buch in neuer Übersetzung im Rowohlt-Verlag und die FAZ brachte eine Besprechung.

Die Original-Übersetzung von Christian Wöhrl, die auf seiner Webseite abzurufen war, wurde von der Internetgemeinde in einigen Zigtausend Exemplaren heruntergeladen. Nun werden es – so Christian – durch die FAZ-Besprechung wahrscheinlich noch ein paar mehr. Umgekehrt dürfte die Bekanntheit des Buches dem kommerziellen Erfolg des Buches nicht gerade im Wege stehen. Cory Doctorow jedenfalls, so die FAZ, “ist überzeugt, dass die freie Verbreitung im Internet den Verkaufszahlen seines Buchs nicht schadet”.

Für mich ein faszinierendes Beispiel für das produktive Zusammenwirken von “alten” und “neuen” Medien, dem Sinn von Creative-Commons-Projekten und der alten Einsicht, dass sich Qualität früher oder später durchsetzt.

Wenn jetzt noch Christian für seine kostenlose Vorarbeit vom Verlag entlohnt würde, wäre auch mein Gerechtigkeitsempfinden wieder im Lot.

Schur Fitz (Nachschlag)

Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Bilder von @lana74 sind jetzt online. Toll.

Wer unsere Texte, die für die Lesung gestrafft wurden, im Original (und gelegentlich auch bebildert) nachlesen möchte, kann dies hier tun:

[Dieser Beitrag geht auf eine Initiative des Herrn Fitz zurück.]

Das Letz nas

Montag, 15. Februar 2010

An dieser Stelle erstmal nur ein kurzer Dank an alle, die mitgewirkt haben, an alle, die gekommen sind und an alle, die berichteten. Letztere werden nach und nach auf der zugehörigen Webseite unter “Rückblicke” versammelt.

Da ich vergaß, eine Kamera mitzunehmen, hoffe ich auf Input von anderer Seite. Der Blitzfrequenz im Saal nach zu urteilen, müssten etwa Trölfzillionen Pics im Web rumwabern.

Voll war’s. Schön war’s. Danke.

Update:

Die ersten Bilder tröpfeln ein. Von Jo.

Lars Hilscher aka eldersign

Lars Hilscher aka eldersign

uli und wog vom Dia-Blog

uli und wog vom Dia-Blog

Niels Ott aka DrNI

Niels Ott aka DrNI

Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer

Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer

Und dann passierte anderntags noch etwas:

valentinstag

Dekonstruktion

Dienstag, 9. Februar 2010

hegemann

Helene Hegemann: Axolotl Roadkill. Berlin (Ullstein) 2010, S. 15.

Wir werden alle sterben.

Freitag, 27. November 2009

Johnny Haeusler bringt das neue Buch von Frank Schirrmacher über das böse, böse Internet auf den Punkt:

“Man muss doch aus der eigenen arroganten und eingeschränkten, geradezu phobischen Weltsicht nicht immer gleich ein Buch machen, ein Blog würde doch genügen! “

Das darf man, glaube ich, sagen, ohne das Buch gelesen zu haben.