Archiv für die Kategorie „Diarrhoe“

Agenda-Setting

Dienstag, 10. Oktober 2017

Franziska Schreiber trat 2013 in die AfD ein, war Pressesprecherin der „Jungen Alternative“ und in Sachsen auch zeitweise deren Vorsitzende. Sechs Tage vor der Bundestagswahl verkündete die 27-Jährige ihren Austritt aus der Partei. Das lesenswerte Vice-Interview mit Schreiber zeigt die Innenseiten der AfD, aber auch, was zu tun ist.

Wie kann man der AfD am besten schaden?
Wenn man die AfD sinnvoll angreifen will, muss man verhindern, dass sie Themenmonopole hat. Und man muss immer wieder zeigen, dass die Partei in fast allen Punkten nicht über die Analyse des Problems hinausgekommen ist.

Schon vor dem Start der Koalitionsverhandlungen hat die CDU-Kanzlerin eine verfassungsfeindliche CSU-Obergrenze für das Asylrecht akzeptiert. Und wer hat das Thema auf die Agenda gesetzt?

Von Österreich lernen

Mittwoch, 27. September 2017

Das systematische Hyperventilieren der Medien, wenn es um die Rechtspopulisten geht, wird weitergehen. Die einen greifen die anscheinend so virulenten Themen dieser Partei verstärkt auf, die anderen beobachten jeden Pups einer Gruppierung, die von 87 Prozent der Wähler abgelehnt wurde. Und alle spielen damit nach den Regeln einer Partei, die sehr genau weiß, wie sie weiter nach oben kommt. Sie hat mit der FPÖ ein Vorbild, das vor 30 Jahren in Österreich demselben Sumpf entstieg.

Christoph Schattleitner erklärt in einem lesenswerten Hintergrundbeitrag bei Krautreporter aus österreichischer Sicht die Spielregeln, aber auch, wie man sich diesem rechtspopulistischen Mensch-ärgere-dich entziehen kann: Indem man die Rechtspopulisten ernst nimmt.

„Dieser Zugang holt das Spiel wieder auf den richtigen Boden, den demokratischen. Wenn man der Versuchung widersteht und die Pöbeleien ignoriert, bleibt nämlich nicht mehr viel von den Rechtspopulisten übrig. Sie haben meist einfach nur eine große Klappe. Deshalb entzaubert man sie nicht mit Empörung, Warnung oder Anschreien. Man entzaubert sie – wie der Abgeordnete der österreichischen Grünen und jetzige Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Video unten –, wenn man ihre Vorschläge ernst nimmt und sie sachlich durchrechnet. Ihre Politik ist nicht logisch und führt in den seltensten Fällen zu besseren Lösungen.

Sie ernst zu nehmen, heißt nicht, sie zu relativieren. Es ist nur der erfolgversprechendere Weg, sie zu kritisieren. In der österreichischen Geschichte haben die Rechtspopulisten übrigens nur zwei Mal – dafür fundamental (minus 28 Prozent, minus 16 Prozent) – vom Wähler eins auf den Deckel bekommen. Das war, als sie in der Regierung saßen und nicht mehr schreien konnten (aber sehr, sehr viel kaputt gemacht haben).“

Hier das erwähnte Video, in dem der heutige Bundespräsident Van der Bellen die FPÖ ernst nimmt, eine Lehrveranstaltung für den Umgang mit den Neuankömmlingen im 19. Deutschen Bundestag:

Liebe Firma StarMoney,

Montag, 10. April 2017

Sie hatten beabsichtigt, eine Software zu schreiben, die bei den Anwendern Vertrauen erweckt. Macht ja auch Sinn, wenn es um Online-Banking geht. Da würde ich Ihnen gerne einen Tipp zu den „Status-Meldungen“ Ihres Programms geben:

starmoney-anfuehrung

Anführungszeichen signalisieren „Distanzierung“, manchmal auch Ironie. Axel Springer schrieb die sogenannte „DDR“ in Anführungszeichen. Eine Terminüberweisung in Anführungszeichen könnte heißen, dass es sich um so etwas wie eine Terminüberweisung handeln könnte – aber nicht muss. Vielleicht ist es sogar gerade keine Terminüberweisung, wer weiß? Damit kann sich der Anwender sicher darauf verlassen, dass eine Terminüberweisung durchgeführt wird – oder nicht. Überwiesen wird dann so eine Art „Betrag“, was auch immer das sein soll. Vielleicht die Note für das bisherige Betragen des „Kunden“ gegenüber der „Bank“? Ja, wäre möglich. Vielleicht auch nicht. Machen Sie einfach weiter so, dann „kaufe“ ich auch das nächste Update Ihrer „Software“.

Ein „Anwender“.

Verhältnisse (26)

Dienstag, 7. März 2017
  • 16 – Anzahl der Morde, für die muslimische Extremisten in den Vereinigten Staaten seit dem 11. September 2001 verantwortlich sind
  • 240.000 – Anzahl der Morde, für die nicht muslimische Extremisten in den Vereinigten Staaten seit dem 11. September 2001 verantwortlich sind

Quelle: New York Times (via MSN)

eleven nine

Freitag, 11. November 2016

Ich werde mich stets an den Moment erinnern, an dem mir klar wurde, dass Donald Trump der 45. Präsident der USA werden würde. Ähnlich wie andere Momente: Der Fall der Mauer, der Einsturz der Türme in New York, die Geburten meiner Töchter. Aber es gibt einen Unterschied: diese Ereignisse waren unumkehrbar. Trump hingegen kann ein Tintenklecks in den Geschichtsbüchern werden – wenn wir das wollen.

Denn er wurde nicht von der Mehrheit der Amerikaner gewählt. 80-90% hierzulande wählen nicht AfD. Die jungen Briten wollten in der EU bleiben. Es gibt keinen Grund, den Hasspredigern das Feld zu überlassen. Dann bleibt die Trump-Wahl das letzte Aufbäumen der alten, weißen Männer, bevor sie in der Marginalisierung verschwinden.

Also Schluss mit der Schockstarre, schaut auf das Positive:

So haben die 18-25-Jährigen gewählt. (Quelle: @regendelfin)

So haben die 18-25-Jährigen gewählt. (Quelle: @regendelfin)

Leslie Knope schreibt einen Brief an Amerika, den alle lesen sollten, die noch immer nicht glauben wollen, dass bald ein furzender T.Rex im Weißen Haus sitzen wird. Und was sie dann tun sollen.

„He is the present, sadly, but he is not the future. You are the future. Your strength is a million times his. Your power is a billion times his. We will acknowledge this result, but we will not accept it. We will overcome it, and we will defeat it.“

Zum Beispiel so:

Quelle: @InaRuck

Quelle: @InaRuck

Und so.

Kid-Cuts (64) – Muss ja auch mal gesagt sein

Montag, 5. Oktober 2015

Drehe ich doch gestern auf der Suche nach Schmierpapier einen herumliegenden Zettel um und entdecke das:

Jetzt weiß ich endlich, was der Sohnemann (6) von mir hält. Wenigstens ist er ehrlich. Und ich werde mich künftig tunlichst hüten, einfach so rumliegende Zettel umzudrehen.

Alte Bekannte

Montag, 17. August 2015

Und ich dachte, Faxspam sei bereits Geschichte.

Nette Idee.

wtf?

Freitag, 8. Mai 2015

Hat man Probleme mit seiner Banking-Software und möchte daher das Forum der Community dazu befragen, muss man erst selbst Auskunft geben – nämlich ob man jünger oder älter als 13 Jahre ist. Das soll vermutlich das Vertrauen in die Software erhöhen.

Allerdings ist es egal, was man anklickt, der nachfolgende Bildschirm ist identisch.

Der ganz normale Dietl-Wahnsinn

Montag, 30. März 2015

Alles haben wir gekuckt von ihm. Und uns mit zunehmendem Gewinn in seinem Werk nach hinten durchgearbeitet. Klar, zuerst und immer wieder „Kir Royal“. Dann den „Monaco Franze“ und danach die „Münchner Geschichten“. Und dann erst vergangene Woche und unglaublicherweise zum ersten Mal „Der ganz normale Wahnsinn“, eine Serie, die nichts weniger ist, als es der Titel verspricht. Zwölf Folgen aus dem Jahr 1979 über den (natürlich) scheiternden Journalisten und Autor Maximilian Glanz auf der Suche nach dem Glück, einer bezahlbaren Wohnung in München und einer funktionierenden Beziehung.

„Woran es liegt, dass der Einzelne sich nicht wohl fühlt, obwohl es uns allen doch so gut geht“ heißt das Buch, das dieser Maximilian Glanz schreiben will (und es tut, aber kurz nach Druck und Verlagskonkurs umgehend wieder eingestampft wird). Und alle, aber auch alle Probleme (nur ohne Handys) die diesen neurotischen Glanz 1979 umtreiben, die gibt es heute noch genau so. Derart frech und kompromisslos ist das inszeniert (mitsamt einer völlig wahnsinnigen Abschluss-Folge), dass man da heute nur noch staunen kann. 36 Jahre später! Wie nennt man das noch mal? Ach ja. Visionär. Das war Helmut Dietl. Heute Mittag ist er gestorben. Er hat das deutsche Fernsehen um so vieles sehenswerter gemacht.

Fehler gefunden

Montag, 2. März 2015

Hier liegt der Fehler wohl auf der anderen Seite.

Oder ich habe in der Grundschule nicht richtig aufgepasst. Womöglich hat die Lehrerin uns beigebracht, dass die M. der A4 Seite 210×297 Millimeter seien, dass man Blumen in eine V. stellt, dass Kaffee in eine T. gehört, dass das kleine Hoppeltier H. und die Kusine B. heißt. Und dass man nach links und rechts gucken sollen, wenn man über die Str. läuft. Sollte das so sein, f. ich mir an die eigene N. und l. was in die Abkürzungsk. fallen