Archiv für die Kategorie „Diarrhoe“

Ich schäme mich.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Vielleicht ist es ein Fehler, nicht wenigstens gelegentlich die BILD zu lesen, denn so entgeht mir, aus welchem „Leitmedium“ der Hass und die Lügen stammen, mit denen die Griechen seit Jahren überzogen werden. Und die in abgeschwächter Form auch von anderen Medien übernommen werden und in Griechen-Witzchen und Nebensätzen von Bekannten und Freunden bei mir ankommen.

Bei Stefan Niggemeier lese ich nun, wie ein ehemaliger deutscher Regierungssprecher in der BILD gegen die Griechen hetzt, sie als Raffke-Griechen diffamiert und ihre Regierung mit Rockern vergleicht:

„Wie lederbejackte Rüpel-Rocker röhren Griechenlands Neo-Premier und sein Posterboy-Finanzminister seit ihrem mit platten Parolen erzielten Wahlsieg durch Brüssel. Ihr Gesetz ist die Straße. Hier sind sie (politisch) groß geworden. Hier ist ihre Hood. Deren Unterstützung wollen die Kawa-Naked-Biker (zumindest Varoufakis hat eine) nicht verlieren.“

Da wird’s mir nicht nur als Motorradfahrer schlecht. Das ist Volksverhetzung.

Wir haben Freunde in Griechenland. Das sind keine Raffkes. Auch ihre Freunde und Verwandte sind keine Raffkes. Auch deren Freunde und Verwandte sind keine Raffkes. In Griechenland gibt es grad so viele Raffkes und Zeitungsarschlöcher wie überall, wie auch in Deutschland. Die kotzen mich in Griechenland genauso an wie in Deutschland.

Unsere Freunde sind keine Raffkes, sondern Menschen, die versuchen mit dem Schlamassel klarzukommen, den die Vorgängerregierungen von Syriza in jahrzehntelanger Vetternwirtschaft verursacht haben. Ich weiß nicht, ob sie Syriza gewählt haben, aber ich würde es verstehen. Ich an ihrer Stelle hätte es wahrscheinlich getan.

Unsere Freunde sind keine Raffkes. Die versuchen, ihren Kindern mit selbstfinanziertem Privatunterricht eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Die ins Ausland gehen, um Geld zu verdienen. Die Zweitjobs annehmen, um über die Runden zu kommen. Die Tag für Tag um ihre Existenz kämpfen. Und die uns trotzdem immer wieder zu sich einladen, ihr Haus, ihr Essen mit uns teilen.

Was sagen wir denen zu solchen Zeitungsartikeln, zu den Witzchen und Beschimpfungen?

Ich schäme mich.

Kid-Cuts (62) – Drohungen

Freitag, 23. Januar 2015

 

Das schöne an kindlichen Drohungen ist ja, dass sie mit einer kategorischen Entschiedenheit ausgesprochen werden, wie sie im späteren Leben nie wieder erreicht werden kann. Ein hingerotztes „Bösa Papa, Mori schbilt ni mer mit dir“, natürlich in Versalien, weil die Erstklässler Kleinbuchstaben zwar kennen, aber sich weigern, diese anzuwenden, ein solches Schreckensszenario also ist im kindlichen begrenzten Zeithorizont noch genau so gemeint, sprich fünf Minuten lang.

Der Kleine hat nämlich bei der Playmobil-Burgbelagerung verloren. Grundregel ist: Wenn der gegnerische König umfällt, hat man gewonnen. Mit meinem Katapult habe ich seinen König (samt dessen halbwüchsigem Sohn) mit einem so genialen wie vernichtenden Schlag aus seinem eigentlich narrensicheren Turmversteck rausgeblasen. Das hätte der Kleine nicht erwartet – entsprechend groß war erst das Entsetzen und dann das Geschrei. Wenige Minuten später kam glasklar formuliert die Absage an künftige Spieltermine.

Als Botin schleppte die größere Schwester das Drohdokument heran.

Ich versuchte zu beschwichtigen.

Die Antwort kam prompt und eindeutig.

Ich machte mich zum Narren.

Die Antwort war kryptisch. „Ja ne nur zufort“. Vermutlich eine Art Einknicken unter klaren Konditionen.

Danach erniedrigte ich mich noch weiter.

Einknicken komplett. Forderung „Westan nur jetzt“ nur für Insider verständlich. „Westan“ heißt vermutlich Western-Stadt-Spielen.

Trottelwerdung am Ende vollendet. Und um dem die Krone aufzusetzen, fügte die Große noch den Namen des Trottels hinzu. Papa.

Liebe Bundesagentur für Arbeit!

Dienstag, 2. Dezember 2014

Wir haben in unserem Unternehmen einen Job anzubieten und dachten, es wäre vielleicht schlau, dies auch in eurer Online-Jobbörse zu tun. Das habe ich vergangenen Donnerstag dann auch gemacht und fand’s eigentlich recht einfach: Man meldet sich an, legt ein Arbeitgeberprofil an und erstellt ein Stellenangebot, fertig.

Fast.

Denn dann sagtest du mir: „Damit Sie alle Funktionen uneingeschränkt nutzen können, ist es erforderlich, dass Sie Ihr Benutzerkonto noch mit einer PIN (Persönliche Identifikationsnummer), die Ihnen in den nächsten Tagen per Post zugestellt wird, freischalten.“

Na gut, denke ich, das ist ja alles automatisiert, dann müsste die PIN ja morgen, spätestens übermorgen da sein, und dann kann die Bewerbersuche losgehen.

Pustekuchen.

Heute, Dienstag, liegt das Schreiben im Briefkasten. Aber da ist keine PIN drin, sondern ein weiterer Schnitzeljagd-Zettel:

klick!

Diesen Registerauszug soll ich dir „aus Gründen des Datenschutzes bitte im verschlossenen Briefumschlag“ zurücksenden. Einen Registerauszug, den sich jeder hochoffiziell selbst besorgen kann (zum Beispiel auch du!), den darf ich nicht per Mail verschicken oder Fax?

Jetzt frage ich dich: Wie wird das weitergehen? Schickst du mir als nächstes ein Holzkästchen, in dem die PIN drinliegt, und wenn ich dann schriftlich und mit einem Stempel des zuständigen Notars nachgewiesen habe, dass sich das Kästchen in meinem Besitz befindet, dann erhalte ich, falls ich ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis vorlegen kann, den dazu passenden Schlüssel – per Post, versteht sich? Wird sich dann herausstellen, dass diese PIN nur eine verschlüsselte ist und man zur Lösung der Aufgabe noch einen speziellen Hashcode benötigt, den ich selbstverständlich kostenfrei bei meinem zuständigen Arbeitsamt erhalten, wobei die Öffnungszeiten etwas skurill sein können und ich mich gegebenenfalls in die Schlange derer stellen muss, denen ich gerade einen Job anbieten möchte?

Oder anders gefragt, liebe Bundesagentur: Geht’s noch?

Nachtrag:
Heute, 9.12. ist die PIN in der Post.

Kid-Cuts (60) – Star-Wars-Probleme

Dienstag, 11. November 2014

Lange habe ich mich gefragt: Wann ist es soweit, dass der Jüngste dem Star-Wars-Wahn verfällt? Die Antwort: Jetzt. Und das bringt massive Probleme mit sich. Zu Halloween ein Darth-Vader-Kostüm samt Papp-Lichtschwert zu basteln, war ja noch einfach. Auch erste Hilfestellungen zur besseren Bewältigung des Ti-Eitsch am Ende von „Darth“ wurden gerne angenommen. Für den verfluchten Todesstern-Geburtsttagskuchen haben wir am Geburtstagsvorabend stundenlang die weißen Nonpareils von den andersfarbigen getrennt, Glasur geschmolzen und Puderzucker zu einer Eismasse verrührt. Wobei ein auf einer Eiswüste landender Todesstern ja völlig idiotisch ist. Aber sei’s drum.

In Erklärungsnöte kommt aber, wer versucht, einem Sechsjährigen die Star-Wars-Geschichte in Kurzform zu vermitteln. Gut und Böse, klar. Darth Vader der Vater von Luke, geht auch noch. Weshalb die Teile 4 bis 6 vor den Teilen 1 bis 3 gedreht wurden, muss man nicht erwähnen, das wäre zu verwirrend. Dass aber in einem Geschenk ein Jedi Interceptor mit Anakin Skywalker drin war, führt zur Katastrophe: Sohnemann nennt den hartnäckig Luke. Aber wie soll man ihm erklären, dass Anakin eigentlich der junge Darth Vader ist/war. Wir es also mit einer Person nicht nur in zwei verschiedenen Alterszuständen, sondern als völlig andersartige Wesen zu tun haben. Soll ich jetzt kackdreist weiterlügen mit meiner so eilends ersonnenen wie hanebüchenen Lösung, dass Anakin der Sohn von Luke ist (während es sich ja im Film genau andersrum verhält). Wie soll ein Kind das verstehen? Wie soll ein Erwachsener das verstehen? George Lucas, hilf!

Our house

Mittwoch, 5. November 2014

Jetzt sind wir ja quasi seit einem halben Jahr Häuslesbesitzer. Wenn man es mit dem Wort „Besitz“ nicht so genau nimmt. Denn das Haus, in dem wir seit Mai wohnen, gehört nicht uns, sondern dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, also Deutschland – somit euch allen! Und wir dürfen da drin wohnen. Für weitere sechs Monate.

Es ist auch nicht irgendein Haus, sondern das erste Effizienzhaus Plus in Bundeseigentum. Als solches soll es über seine Photovoltaik auf dem Dach und in der Fassade mehr Strom produzieren als wir täglich verbrauchen – und mit einen Elektromobil und zwei Pedelecs verfahren können. Ganz schön ambitioniert das Ganze! Und ganz schön futuristisch. Wie ein vom Himmel gefallener Kubus sieht es aus, schön weiß und schwarz, an zwei Wänden ganzflächig verglast, ist es in den Vorgarten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in der Berliner Fasanenstraße geplumpst. Genau zwischen ein paar Blutbuchen, schwedische Mehlbeeren und die Universität der Künste.

Einen besseren Eindruck vermittelt vielleicht dieses kleine Filmchen. Weil es eigentlich zu schade ist, die Sachen, die da so passieren ganz für sich zu behalten, haben wir zur Halbzeit hier ein kleines Blog eingerichtet (auch in der Blogroll rechts unten), wo wir dokumentieren, was im „klügsten Haus Berlins“ (wahlweise auch „Haus der Zukunft“) so alles passiert. Was sich bewährt – und was nicht. Dass Räume ohne Lichtschalter und nur mit Bewegungsmeldern ausgestattet hoffentlich nicht der Standard der Zukunft sind, das können wir aber bereits jetzt sagen. Für einen anständigen Schwaben gehört es sich nicht, dass man ein Zimmer verlässt und munter vor sich hin trällert: „Pfeif drauf. Licht geht eh in einer Minute aus.“ Da kann die LED-Beleuchtung noch so wenig Strom verbrauchen…

Bilderrätsel

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Um Himmels willen! Was ist denn hier passiert?

Bildunterschrift gesucht (Nr. 33)

Montag, 1. September 2014

Slimmer Parker

Beschwerden

Montag, 11. August 2014

Manchmal investiere ich viel Zeit in die Verbesserung anderer Unternehmen. Warum, weiß ich auch nicht so recht. Vermutlich habe ich die Hoffnung, es nützt. Die Erfahrung lehrt indes etwas anderes.
Zum Verständnis kurz die Vorgeschichte: Wir sind als Werbeagentur Kunde bei einem Hosting-Provider. Der schaltete eines Montagmorgens die Domain eines unserer Kunden ab. Nach längerem Hin und Her stellte sich heraus, dass wegen einiger Logdateien dort zu viel Traffic produziert wurde und dadurch die Performance anderer Kunden auf dem Server litt. Da wir auf die Logdateien nicht verzichten konnten, bot sich die Lösung an, auf ein anderes Serverpaket abzugraden, auf dem wir solo laufen würden. Um schnell wieder eine lauffähige Domain herzustellen, klemmten wir die Logdateien ab und beauftragten das Upgrade. Dieses wurde auf einen Server hochgespielt, dessen Hardware defekt war. Wodurch zwei weitere Domains ausfielen. Dieser Fehler wurde erst nach langem Hin und Her und Warterei und Mailwechseln und Telefonaten behoben. Insgesamt zog sich das ganze Verfahren über drei Tage hin, die betreffende Domain war in dieser Zeit mindestens 24 Stunden lang tot, dazu kam, dass in dieser Zeit auch der Mailverkehr des Kunden komplett ausfiel. Ein echtes Desaster. Nachdem wieder alles lief, bat ich den Support des Hosters darum, diesem Vorfall nachzugehen, um die einzelnen Probleme, die sich dort in einer schier nicht enden wollenden Kette gezeigt hatten, abzustellen. Der Mitarbeiter verwies darauf, dass er dies nicht könne, hier müsse ich direkt mit dem Qualitätsmanagement Kontakt aufnehmen. Dies tat ich ausführlich, u.a. in der Hoffnung, dass unserem Kunden wenigstens pekuniär entgegengekommen würde. Die Antwortmail dazu befriedigte mich so wenig, dass ich mir noch einmal eine Stunde zeit nahm, darauf zu antworten. Warum? Siehe oben. Hier meine Rückmail:

Sehr geehrter Herr [Müller]*,

Ihre Antwort stellt mich nicht zufrieden. Um Ihnen zu erläutern warum, möchte ich unseren Mailwechsel nochmals zusammenfassen und erlaube mir, Ihnen bessere Antworten vorzuschlagen:

>> 1. Warum wird die Webseite eines Kunden abgeschaltet, ohne
>> ihn vorher zu warnen und/oder ihm die Möglichkeit zu geben,
>> Fehler zu beseitigen? Warum müssen sich Ihre Kunden schuldig
>> fühlen, ohne es zu sein?

> Hier gibt es bereits Überlegungen, wie dies zukünftig anders
> gehandhabt werden kann.

Eine Aussage, in der nicht mehr steht als: Vielleicht machen wir das irgendwann anders, vielleicht auch nicht. Mal sehen.

Meine Wunschantwort:
„Es tut uns leid, dass wir Ihre Seite einfach abgeschaltet haben. Das geht natürlich nicht. Sie müssen sich schließlich darauf verlassen können, dass wir unserer Verpflichtung nachkommen, Ihre Seite vertragsgemäß zu hosten. Um solche Vorfälle zukünftig zu vermeiden, haben wir unseren Support angewiesen, in solchen Fällen sofort Kontakt mit dem Kunden aufzunehmen und diesem Gelegenheit zu geben, innerhalb von 24 Stunden den vorgefundenen Fehler zu korrigieren oder ein Upgrade vorzunehmen. Erst danach werden wir Seiten nach einer weiteren Warnung abschalten. So ist unser Kunde jederzeit über den Stand der Dinge informiert und kann entsprechend reagieren.“

>> 2. Warum wird ein Serverpaket auf einen kaputten Server
>> portiert? Gibt es keine Funktionstests? Warum müssen Ihre
>> Kunden es hinnehmen, dass versprochene Dienstleistungen
>> nicht ausgeführt werden?

> Hier kam es leider zu einer unglücklichen Verkettung von nicht
> vorhersehbaren Problemen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann
> es leider immer zu Störungen oder Ausfällen kommen, die für
> uns auch nicht immer vorhersehbar sind.

Das ist jetzt nicht direkt eine Antwort auf die Fragen. Und auch hier: keine Entschuldigung.

Meine Wunschantwort:
„Zunächst zu Ihren ersten beiden Fragen: Üblicherweise nehmen wir keine kaputte Server in Betrieb, und natürlich werden vorher Funktionstests gemacht. In Ihrem Fall aber leider nicht. Das tut uns umso mehr leid, als Sie ja dieses Upgrade als Reaktion auf den ersten Fehler von uns ausgelöst hatten. Da hätten die verantwortlichen Mitarbeiter natürlich besonders sorgfältig arbeiten müssen. Man könnte dies nun eine unglückliche Verkettung nicht vorhersehbarer Probleme nennen. Wir möchten dies ausdrücklich nicht tun, weil das aus Ihrer Sicht irrelevant ist. Sie bezahlen für eine Dienstleistung und interessieren sich nicht dafür, wer oder was diese verhindert, sondern lediglich, dass das Problem umgehend behoben wird. Es tut uns leid, dass hier so viel schief lief und entschuldigen uns ausdrücklich dafür. Wir werden die verantwortlichen Mitarbeiter nochmals explizit darauf hinweisen, dass dies nicht Stil unseres Hauses ist und der Vorfall auch wirtschaftliche Folgen hat.“

>> 3. Warum können gute Mitarbeiter nicht selbständig agieren, um
>> Kundenbeschwerden aus der Welt zu schaffen? Warum müssen
>> sich Ihre Kunden wie Bittsteller fühlen?

> Wir werden diese berechtigte Kritik zum Anlass nehmen, uns hier
> einfachere Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme oder zum
> Weiterleiten von Beschwerden zu überlegen.

Das wäre schön.

>> *4.*
>> nachdem der Server zur angekündigten Zeit immer noch nicht
>> lief, erhielten wir gestern abend um 20:48 eine Mail, die
>> uns versicherte, „Mittlerweile ist der Server allerdings
>> wieder voll erreichbar.“
>> Das stimmt nicht, er war weder gestern abend noch heute
>> morgen (es ist jetzt 7:24 Uhr) erreichbar, alle betroffenen
>> Webseiten laufen nicht. [Es]* wird noch das alte Paket
>> angezeigt und wir haben keinen Zugriff darauf.
>> Daher die Frage: Testen Sie einen Server, bevor Sie Mails
>> verschicken, in denen steht, dass er läuft, obwohl er das
>> nicht tut?
>> Wenn ja: ??? Wenn nein: ???
>> Aber auch die dritte denkbare Variante gefällt mir nicht.
>> Der Server wurde getestet, nicht aber, ob die Programme,
>> die darauf laufen sollten. Nach der Vorgeschichte, die
>> Sie unten beschrieben nachlesen können, erwarte ich,
>> dass der zuständige Mitarbeiter wenigstens einmal die
>> fragliche Webadresse aufruft, um zu schauen, ob nicht nur
>> die Hardware grünes Licht zeigt, sondern auch die
>> Portierung korrekt abgeschlossen wurde.

> Bevor wir solche Nachrichten versenden, wird die Erreichbarkeit
> einzelner Dienste (Webserver, Datenbank, E-Mail, FTP, etc.)
> geprüft. Zusätzlich erfolgt ggfls. eine manuelle Prüfung
> einzelner Domains des Kunden. Alle Domains zu prüfen, ist
> aber leider auf Grund des Aufwands nicht immer möglich.

Das stimmt nicht. Es wurde maximal eine Domain geprüft, allerdings nicht die, um die es von Anfang an ging. Nicht geprüft wurde zudem der Datenbankserver, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht E-Mail und FTP, das lässt sich von hier aus schlecht sagen. Nicht geprüft wurde aber vor allem, ob wir auf das [Verwaltungssystem]* zugreifen können, denn dies wäre unbedingt notwendig gewesen, um von unserer Seite die einzelnen Dienste umstellen und/oder prüfen zu können. Ein kurzer Blick ins [Verwaltungssystem]* hätte gezeigt, dass dort immer noch das alte Paket aktiv war.

Meine Wunschantwort:
„Hier wurde von unserer Seite tatsächlich der größte anzunehmende Unfall produziert: Wir gaben Ihnen Bescheid, dass der Fehler behoben sei, ohne wirklich zu prüfen, ob dies so sei. Das geht nun überhaupt nicht, und es dürfte für Sie absolut unverständlich sein, wie so etwas passieren kann. Auch wenn es für Sie irrelevant ist, möchten wir Ihnen mitteilen, dass der zuständige Mitarbeiter in jener Nacht [eine Magen-Darm-Infektion / Liebeskummer / einen schweren Autounfall / andere gute Entschuldingung hatte und sich nicht, wie sonst üblich, ausreichend Zeit für die notwendigen Prüfungen genommen hatte. Es tut ihm sehr leid und er hofft, dass Sie Verständnis für seine Situation haben.
Wir möchten von unserer Seite aus anfügen, dass es auch nicht in Ordnung war, dass Ihre Domains (bzw. die Ihres Kunden) über einen Tag lang ausgefallen sind und Sie dadurch einen wirtschaftlichen Schaden erleiden mussten. Wir möchten Ihnen daher anbieten, .

> Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Angaben weiterhelfen
> konnten. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, stehen wir
> Ihnen natürlich jederzeit gerne zur Verfügung.

Nein, Sie haben uns und sich leider nicht weitergeholfen. Dem technischen Desaster haben Sie nun ein kommunikatives hinterhergeschickt. Und ja, ich habe noch Fragen:

– Ist es so schwer, sich zu entschuldigen?
– Haben Sie keine Möglichkeit, zu Recht erzürnten Kunden finanziell entgegenzukommen?
– Haben Sie so viele Beschwerden, dass Sie für deren Beantwortung nur Floskeln verwenden können?

Ihre Antworten haben viele Fragen offengelassen, haben nichts wirklich erklärt und blieben nebelhaft im Ungefähren. Es gab kein Bedauern, keine Entschuldigung und keinen Wiedergutmachungsvorschlag.

Ich vermute, Sie sagen sich: „Bei [Zahl vieler Kunden]* Kunden passiert schon mal das eine oder andere Missgeschick und wenn wir uns jedesmal entschuldigen oder Wiedergutmachung anbieten, dann kommen wir hier gar nicht mehr zum arbeiten.“ Dann sollten Sie aber Ihre Abteilung Qualitätsmanagement schließen und auf Mails wie meine gar nicht reagieren, damit würden Sie besser fahren.

Sie werben wie folgt: „[auswechselbarer Slogan mit Stichwörtern „Qualität, Service, Preistransparenz, Garantie“ und „Messen Sie uns an unseren Versprechen!“]*

Wir nehmen solche Sprüche ernster als Sie glauben. Als Werbeagentur mit Qualitätsanspruch wählen wir unsere Partner so aus, dass wir deren Leistung ohne Bedenken an unsere Kunden weitergeben können. Wenn wir Sie an Ihren Versprechen messen sollen, müssen wir Ihnen unser Vertrauen leider entziehen.

Verstehen Sie diese Mail bitte nicht als Schreiben eines Menschen, der seinen Frust los werden will, sondern als ernsthafte Kritik, die auch Sie weiterbringen kann. In Ihren Seminaren sollten Sie gelernt haben, dass man Kunden, die sich kritisch äußern, mit viel weniger Aufwand zurückholen kann, als die, die einfach wortlos kündigen. Und dass solche Kunden die treuesten werden können.

Hier war der Aufwand (vergleichen Sie ihn mit meinem) definitiv zu gering.

Mit freundlichen Grüßen

_____
* Anonymisiert. Mein Eindruck ist, dass ab einer gewissen Größe sich die Unternehmenskulturen nivellieren. Der Name tut daher nichts zur Sache.

Hinweis

Freitag, 11. Juli 2014

Ok, das sehe ich ein. Entschuldigung, blödes scheiß Mailprogramm.

Nicht vorgesehen

Donnerstag, 30. Januar 2014

Vor vielen Jahren erwischte mich mal ein Arcor-Mitarbeiter in einer günstigen Stunde und brachte mich tatsächlich dazu, den Vertrag mit der Telekom zu kündigen und einen mit seinem Unternehmen abzuschließen: Internet und Festnetz jeweils als Flatrate. Ein paar Jahre später kaufte Vodafone Arcor, womit sich eigentlich gar nichts änderte.

Nur eine Kleinigkeit störte: Man kriegt jeden Monat eine Mail, dass die Rechnung („Web-Bill“) jetzt da ist, loggt sich dann bei Vodafone ein („wie war nochmal Benutzername und Passwort?“), hangelt sich durch einige Menüs („verflixt, wo war das denn?“), lädt sich schließlich die Rechnung runter, druckt sie aus und heftet sie in der Buchhaltung ab. Weil mich das zunehmend nervte, schaute ich von Zeit zu Zeit nach, ob man an den Einstellungen etwas ändern könnte. Aber mehr als das hier gab es einfach nicht:

Anfang des Jahres hatte ich schließlich die Faxen dicke und ging auf die Suchmaschinenpirsch. Es musste doch auch andere Menschen geben, die das Problem hatten. Tatsächlich wurde ich fündig. Und natürlich war es ganz einfach. Man muss sich lediglich bei „MeinVodafone“ registrieren. Dort gibt es dann eine Möglichkeit, weitere Einstellungen vorzunehmen, unter anderem die, dass einem die Rechnung per Mail zugeschickt wird.

Allerdings gibt es noch einen Zwischenschritt: bei „MeinVodafone“ muss man einen Online-Registrierungs-Code (den ich tatsächlich in einem alten Ordner fand) eingeben und seinen Vertrag hinzufügen, damit man auf ihn zugreifen kann. Genau das aber ging nicht. Nach Eingabe aller Daten blieb die Website stumm und rührte sich nicht mehr. Auch alle anderen durchprobierten Browser verweigerten den Dienst. Da man immer zuerst bei sich selbst den Fehler sucht, probiert man natürlich verschiedene Varianten und Einstellungen, fährt den Computer nochmal hoch und dergleichen. Kein Ergebnis.

Letzter Ausweg: Kundenforum. Irgendwer muss dieses Problem schon gehabt haben. Oder? Also wieder einen neuen Benutzernamen erdacht (xy21), sich angemeldet und die Frage gepostet:

Der Thread war damit eröffnet und die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Ein User riet, die Hotline anzurufen, die Moderatorin des Forums aber tippte gleich auf einen technischen Bug und schlug vor, sich darum zu kümmern. Dann gesellte sich ein weiterer User dazu, der dasselbe Problem hatte.

Einen Tag später kam eine direkte Nachricht von der Moderatorin:

Dann war zwei Wochen lang Funkstille. Bis sich Anke wieder meldete:

Das verschlug mir für ein paar Tage die Sprache. Heute fand ich sie wieder: