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Das Gift wirkt

Mittwoch, 24. Januar 2018

Lieber Deutschlandfunk!

Ich schätze deine Nachrichten, deine Moderatoren, deine Sachlichkeit und überhaupt deine Existenz. Wegen dir zahle ich die Rundfunkgebühren gerne. Aber in den Sechsuhrnachrichten heute morgen fielen mir zwei Punkte auf, die mich spüren ließen: Das AfD-Gift wirkt jetzt auch schon bei dir.

Nummer eins: Die Meldung über die Tötung eines 14-Jährigen durch einen 15-Jährigen in Lünen endete mit dem Satz: „Der Tatverdächtige, der morgen dem Haftrichter vorgeführt werden soll, und das Opfer sind Deutsche.“ So gut die Nennung der Nationalitäten vielleicht gemeint sein soll – sie ist reines AfD-Sprech und steht im Gegensatz zum Pressekodex, wonach die Nationalität von Tätern oder Verdächtigen nur genannt werden soll, wenn ein begründetes öffentliches Interesse besteht. Im vorliegenden Fall wird aber geradezu suggeriert, dass es berichtenswert sei, dass es sich bei Täter und Opfer um Deutsche handelt. Tenor: Das hier ist die Ausnahme von der Regel. Und die Rechten reiben sich die Hände.

dlf24aufmacher

Nummer zwei (und gleichzeitig Aufmacher auf deiner Internetpräsenz dlf24.de): Ich kann mich nicht erinnern, jemals in den Nachrichten gehört zu haben, welche Partei welchen Vorsitz in den Fachausschüssen des Bundestags erhalten habe. Heute morgen aber zählst du alle Ausschüsse auf, in denen die AfD den Vorsitz übernehmen soll – und nur die. Mag sein, dass es von Interesse ist, welche Ausschüsse die unter Beobachtung stehende Partei dominieren wird. Vielleicht auch eine Meldung wert wäre, dass ein AfD-Abgeordneter, der nach Medienberichten Verschwörungstheorien verbreitet und fremdenfeindliche Ressentiments schürt, den Haushaltsausschuss übernimmt. Aber hat man jemals gemeldet, welcher Hinterbänkler den Tourismusausschuss besetzt? So erhalten die Rechtspopulisten das, was sie am liebsten mögen: Aufmerksamkeit für nichts.

Lieber Deutschlandfunk: Lass das bitte sein!

Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Ministerium

Freitag, 19. Februar 2010

Manchmal darf man direkt in die Köpfe derer reinschauen, die uns regieren. Heute morgen um 7 Uhr 15 in den von Dirk Niebel, dem neuen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In dieser Funktion steht er aus zweierlei Gründen in der Kritik. Zum einen, weil er in seiner Zeit als Generalsekretär der damals oppositionellen FDP stets die Abschaffung dieses Ministeriums gefordert hatte, zum anderen, weil ihm eine zu enge Verquickung seines Ministeriums mit der Bundeswehr vorgeworfen wird. Er selbst ist Hauptmann der Reserve.

Heute morgen interviewte ihn der Deutschlandfunk zu den Vorwürfen, er besetze Posten in seinem Ministerium nach FDP-Parteibuch sowie im Freundeskreis. Niebel hegt keinerlei Zweifel an seinem Vorgehen, sondern hält es für völlig legitim. Nebenbei erklärt er unverhohlen, das Beförderungswellen anscheinend normal sind bei Ministerwechseln: „Es sind sehr, sehr viele Mitarbeiter des Ministeriums bisher schon in neue, höhere Stellen gekommen und es wird noch weitere geben.“

Tiefe Einblicke gewähren Niebels Einlassungen, als er darauf angesprochen wird, wer ihn in seiner eigenen Bundeswehr-Dienstzeit zum Hauptmann befördert habe. Die eine Dienstschlaufe, so erzählt er voller Stolz, habe ihm der damalige Verteidigungsminister Jung umgebunden, die andere der Oberst Eggelmeyer. Eben jener Oberst, den er soeben zum Abteilungsleiter in seinem Ministerium gemacht hat.

Dank an den Deutschlandfunk und hier Friedbert Meurer, der es mit seinen genauen Fragen schafft, uns ins Hirn der Mächtigen schauen zu lassen. Für den Ekel, der sich dabei einstellt, kann das Radio nichts.

PS: Ob es hilft, sich direkt mit „denen da oben“ ins Benehmen zu setzen, um etwas zu ändern, testet gerade Jörg Kahle. Passt irgendwie hierher.

[Das Interview mit Dirk Niebel kann auch im O-Ton nachgehört werden.]