Artikel-Schlagworte: „Rechtspopulismus“

Von Österreich lernen

Mittwoch, 27. September 2017

Das systematische Hyperventilieren der Medien, wenn es um die Rechtspopulisten geht, wird weitergehen. Die einen greifen die anscheinend so virulenten Themen dieser Partei verstärkt auf, die anderen beobachten jeden Pups einer Gruppierung, die von 87 Prozent der Wähler abgelehnt wurde. Und alle spielen damit nach den Regeln einer Partei, die sehr genau weiß, wie sie weiter nach oben kommt. Sie hat mit der FPÖ ein Vorbild, das vor 30 Jahren in Österreich demselben Sumpf entstieg.

Christoph Schattleitner erklärt in einem lesenswerten Hintergrundbeitrag bei Krautreporter aus österreichischer Sicht die Spielregeln, aber auch, wie man sich diesem rechtspopulistischen Mensch-ärgere-dich entziehen kann: Indem man die Rechtspopulisten ernst nimmt.

„Dieser Zugang holt das Spiel wieder auf den richtigen Boden, den demokratischen. Wenn man der Versuchung widersteht und die Pöbeleien ignoriert, bleibt nämlich nicht mehr viel von den Rechtspopulisten übrig. Sie haben meist einfach nur eine große Klappe. Deshalb entzaubert man sie nicht mit Empörung, Warnung oder Anschreien. Man entzaubert sie – wie der Abgeordnete der österreichischen Grünen und jetzige Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Video unten –, wenn man ihre Vorschläge ernst nimmt und sie sachlich durchrechnet. Ihre Politik ist nicht logisch und führt in den seltensten Fällen zu besseren Lösungen.

Sie ernst zu nehmen, heißt nicht, sie zu relativieren. Es ist nur der erfolgversprechendere Weg, sie zu kritisieren. In der österreichischen Geschichte haben die Rechtspopulisten übrigens nur zwei Mal – dafür fundamental (minus 28 Prozent, minus 16 Prozent) – vom Wähler eins auf den Deckel bekommen. Das war, als sie in der Regierung saßen und nicht mehr schreien konnten (aber sehr, sehr viel kaputt gemacht haben).“

Hier das erwähnte Video, in dem der heutige Bundespräsident Van der Bellen die FPÖ ernst nimmt, eine Lehrveranstaltung für den Umgang mit den Neuankömmlingen im 19. Deutschen Bundestag: