Rechte Rhetorik

Norbert Hofer ist nicht nur Präsidentschaftskandidat der FPÖ, sondern auch geschulter Rhetoriker und Kommunikationstrainer. Das Austria-Magazin “Falter” zeigt in einer brillanten Videoreihe, mit welchen Tricks, Lügen und Ablenkungen Hofer arbeitet. Absolut sehenswerte Einblicke in die Schauspielschule der Rechten.

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Jetzt wäre noch eine Videoreihe hilfreich, die zeigt, wie man dagegen hält.

Hofers Spiel: Eine Videoserie über rhetorische Tricks

Brexit

Das Deprimierendste heute morgen war die Startseite von Twitter.

twitter-brexit

Zwischen Elyas M’Barek, @julienco, den besten Rooftop-Bars Berlins und dem gespiegelten Missgeschick einer Schlange findet man den #brexit nur an einer Stelle. Und auch bloß, weil es Klaaas Heufer-Umlauf ist, der dazu twittert: “es ist zum heulen. #brexit #europa”

Entweder Twitter versinkt langsam im Beauty-Mode-Star-Entertainment-Orkus, oder es ist so aktuell, dass der Brexit am Morgen danach nur noch alter Chice von gestern ist.

Verhältnisse (24)

  • 2 Prozent der Terroranschläge in der EU zwischen 2009 und 2013 wurden von muslimischen Tätern verübt. 98 Prozent von nichtmuslimischen.
  • 6 Prozent der Terroranschläge in den USA zwischen 1980 und 2005 wurden von muslimischen Tätern verübt. 94 Prozent von nichtmuslimischen.
  • Seit dem 11.9.2001 starben 37 Menschen in den USA durch muslimische Terroranschläge. Im selben Zeitraum wurden 190.000 Amerikaner ermordet.
  • 2007 standen 75% der Beiträge in BILD und SPIEGEL über Islam und Muslime in einem negativem Kontext.
  • 2005 und 2006 standen 81% der Beiträge in ARD und ZDF über Islam und Muslime in einem negativem Kontext.
  • In Sachsen ist weniger als ein Prozent der Bevölkerung muslimisch. Dort empfinden 78% der befragten Deutschen den Islam als bedrohlich.
  • In NRW lebt ein Drittel der deutschen Muslime. Dort fühlen sich “nur” 46% der befragten Deutschen vom Islam bedroht.

Welches Islambild wir haben, wie es entstand und warum es so gefährlich ist, erklärt Irene Amina Rayan im lesenswerten Krautreporter-Beitrag “Total normal”, dem diese Zahlen entstammen. Sie empfiehlt daher:
“Wir brauchen mehr Geschichten über Muslime, in denen sie nicht Terroristen und Kriminelle sind. Denn von einer gerechteren Darstellung des Islam in Deutschland profitieren wir alle.”

Fluchtgedanken

Bei all dem Talkshowgesabbel, den aufgeregten Zwischenrufen von links wie rechts, den erwartbaren Kommentaren in Presse, Funk und Fernsehen und dem eigenen Gedankenwirrwarr tut es mitunter gut, jemanden zu haben, der all das, was einem im Zusammenhang mit der so genannten “Flüchtlingskrise” um die Ohren fliegt, sortieren und einordnen kann.
Jonas Schaible kann das auf eine so unaufgeregt sachliche wie glasklar Stellung nehmende Art, dass ich mir immer wieder wünsche, man möge seine Texte doch bitte in FAZ, ZEIT oder Süddeutsche lesen. Also bitte: Lest seine Analyse “Flucht: Gedanken”.

Hausaufgabe

Liebe nervende Politiker, liebe uninformierte Medien,

seid so gut und macht endlich eure Hausaufgaben. Ihr glaubt, ihr wisst, wo diese griechische Malaise eigentlich herkommt?

Der Grieche ist raffgierig.
Hm. Das mittlere Einkommen in Griechenland sank während der Krise von 997 Euro auf 640 Euro.

Griechenland hat eine zu hohe Staatsquote.
Hm. Die liegt in Griechenland 2014 bei 46,36%, in Deutschland bei 44,1%.

Der Grieche ist faul.
Hm. Nach OECD-Berechnungen arbeitet der durchschnittliche Grieche 2.042 Stunden im Jahr, der durchschnittliche Deutsche 1.371.

Eine Krise fordert eben harte Einschnitte. Da hilft nur sparen.
Hm. In der Krise 2008 verlängerte die deutsche Regierung das Kurzarbeitergeld und unterstützte die Automobilindustrie mit einer milliardenschweren Abwrackprämie.

Die Griechen sollen endlich mal was umsetzen, nicht nur versprechen.
Hm. Zwischen 2010 und 2014 haben die verschiedenen griechischen Regierungen 179 Reformgesetze erlassen.

Liebe nervende Politiker, liebe uninformierte Medien,

lest Michalis Pantelouris auf Zeit online und denkt nochmal darüber nach, ob er vielleicht Recht haben könnte mit seinen Worten:

“Ich sage es noch einmal: Die griechische Verwaltung ist ineffizient. Das Steuersystem ist unproduktiv. Das Rentensystem ist chaotisch. Das Gesundheitssystem ist erbärmlich. Das alles war schon vor der Krise so. Ich verstehe nur nicht, wie man auf die Idee kommen kann, eine Regierung, die kein Geld mehr ausgeben darf, werde es schaffen, dies alles zu ändern.”