Der rote Mössinger

Etikett: Der rote MössingerÜber das „rote Mössingen“ muss ich hier nichts mehr erzählen. Aber darüber, wie gut manchmal Geschichte, Kultur und Natur zusammenpassen.

Die oft hundertjährigen Birnbäume, die auch heute noch rund um Mössingen stehen, sind dem kollektiven Ortsgedächtnis weitgehend entfallen. Während früher Birne um Birne eingesammelt und vermostet oder verschnapst (Mössingen hatte einst die höchste Brennereidichte Deutschlands) wurde, bleiben die Früchte heute meist liegen und vergammeln in den Streuobstwiesen.

Seit einigen Jahren kümmert sich das örtliche „Netzwerk Streuobst“ (bei dem ich ebenfalls mitmischen darf) darum, den Streuobstwiesen rund um Mössingen wieder einen Wert zu geben, und vor allem junge Familien dazu zu bringen, „Stückle“ zu pachten und zu pflegen. Das gelingt zunehmend besser, dennoch gibt es noch viele Probleme zu lösen. Eines davon sind die Verwertungsmöglichkeiten für die Birne. Da heute oft nur noch die alten Leute Most trinken, das Verschnapsen in großen Lagerbeständen in Mössinger Kellern endet und der Preis, der für Birnen zu erzielen ist, eher kläglich genannt werden muss, kamen wir auf die Idee, dieses Obst einer ganz anderen Verwertung zuzuführen.

Gemeinsam mit Stefan Holweger, dem sehr aufgeschlossenen, ideenreichen und probierfreudigen Juniorchef der gleichnamigen Mosterei in Täbingen entwickelten wir den roten Birnensecco, der so gut zu dieser Stadt passt. „Der rote Mössinger“ ist ein sortenreiner Birnensecco aus der Oberösterreicher Weinbirne, gefärbt mit Johannisbeerkonzentrat.

Da am geplanten Erntetermin – Samstag, dem 27. Oktober – der erste Schnee des Winters 2012/13 fiel, mussten wir jede einzelne Birne mit klammen Händen unter dem Schnee hervorgrubeln. So blieb die Menge an Birnensecco, die am Ende produziert werden konnte, eher überschaubar. Nicht zuletzt deshalb wird – dieses Jahr – nicht viel „roter Mössinger“ im freien Verkauf erhältlich sein.

Wir hoffen jedoch, dass das Produkt so gut ankommt, dass wir nächstes Jahr nicht nur selbst die Menge erhöhen können, sondern auch andere Birnbaumbesitzer dafür gewinnen, ihr Obst zu „rotem Mössinger“ verarbeiten zu lassen. Der Geschmack übrigens ist „eindrucksvoll, den angenehmen und unaufdringlichen Birnengeschmack im Mund, leicht, durch den moussierenden Johannisbeergeschmack trocken im Abgang. An dieses Getränk kann man sich gewöhnen“, so ein Kenner, der vorab probieren durfte.

Wer ebenfalls kosten möchte, kann dies während des Mössinger Kultursommers beim Lindenhof-Theaterstück „Ein Dorf im Widerstand“ tun. Auch das Café Chamäleon in der Kulturscheune bietet den „Roten Mössinger“ an – zum ersten Mal im Rahmen des Mostseminars am Freitag 19. April, danach regelmäßig zu den Öffnungszeiten. Am besten zu verbinden mit einem Besuch der Ausstellung „Mössingen, 31. Januar 1933„. Dort gibt es auch einzelne Flaschen zu kaufen.

Bereits gekostet haben:
Der Reutlinger General-Anzeiger
Das Schwäbische Tagblatt (Der Artikel selbst liegt hinter der Tagblatt-Paywall, sorry)
Der Link zum Bericht, der gestern in SWR4 lief, wird nachgeliefert.

3 Gedanken zu „Der rote Mössinger

  1. Hach, wie schade, dass zu den Apfeltagen wohl alles weggesüffelt sein wird (oder sagt man bei Secco auch Schlotzen?) – aber andererseits hieße das ja Äpfel mit Birnen … Na, vom nächsten Jahrgang werde ich uns dann wohl ein bisserl was sichern :-)

  2. Pingback: Edles aus der Region… « Kulturprodakschn Blog

  3. @chw: Wir werden zur Apfelwoche noch was zurückhalten. Schlotzen tun die Schwaben nur Viertele.

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