edizio:käpsele

Mir kaufet nix, mir gugget bloß.„Was isch oigendlich a Käpsele?“ Sell ond andre Froga send vorgeschdern Obed zReidlenga endgildig klärt worra. De maischte jedafalls. Dr Helmut Bachschuschdr hot deed – im Osiander – zamma mid saine Fraind Ewald, Michael ond Matze sai nuis Brojeckt vorgschdellt, dui „edizio:käpsele“. Was dees isch, siesch du glei rächts ama perfäkda Beischbiel. Des isch a Stoffguck, die wo beim Eikaufa dem Verkaifer em Gschäft glei glarmacht, dassr erschdmol hinderm Dresa hogga bleiba ko: „Mir kaufet nix, mir gugget bloß.“ Pragdisch, mid Henggell ond badisch-wirdembergisch schwaaz ond gälb [was jez aber nicht politisch gmoint ischd]. Dui edizio:käpsele fillt aine schmärzliche Ligge im Non-foodbook-Bereich vo viele schwäbische Buchhandlonga. Do henget nemlich bishär Boschtkarda ond Zeig ohne irgendoin lokala oder wenigschdens regionala Bezug. Ond äwwel blos Schriftdeitsch. Do hen dr Helmut ond seine Fraind gsait: „Dees ändra mir“. Mit dera editio:käpsele.

Die Vorschdellong em Osiander hot klipp ond klar zoigt, dass des Schwäbische dem Schriftdeitscha oftmols deitlich iberlega isch. Erschdes Beischbihl: Der Helmut ond der Matze hend Lieder vom Gordon Lightfoot ibersetzt und feschdgschtellt, dass des mit Schwäbisch viel besser goht als mit Deitsch. Anyway Oinawäg: Dees Schbätzlesscheiker-Lied vo dene zwoi, was drnoch komme isch, hot zwar arg gholpert, war aber a gute Iberleidong zur Laif-Vorführung vo dr Susann Hartung, die wo den Scheiker jo erfunda hot. Dr wäsentliche Tipp ibrigens war für mi, dass mr et älles Mähl uf oimol naikeia sott, sondern erscht nooch ond nooch. Gschmeckt hots anscheinend au, denn der Schbätzlesdäller isch in mainer Roih glei vorne links henga blieba.

Henga blieba send au an Haufa glasse Schimpfwerter, die mr scho fascht vergessa hot. Konserviert send die jetz emma Schimpfwortgenerator wulgo Bruddelmaschee namens „Wiaschde Schbrich“, der – nach Herstellerangaben – iber dreisgdausend Schempfwortkombinadiona fir da Schdammdisch beraithelt. Der Breis vo vier Eiro fuffzig amordisiert sich scho an oim Obed, wenn da dem Hainer, dem bleeda Seggel, dem raigschmeggda Halbdaggel, dem gschläckda, endlich mol so richdig, „mit wohlgesetzten Worten“, wie dr Herr Brofessor saga dät, dai Moinung saga koschd. Här drmit!

An sällem Obed hot mr no viel andres lernen kenna: Dass „Legg mi am Arsch“ koi juschdiziable Belaidigung isch, sondern an Geschbrächsabschluss, dass schwäbische Liebeserkläronga („Dätsch du mi nemma, wenn i di wett?“) enorm scharmant sai kennet oder au, dass Dialektik vo Dialekt kommt, wia mr aindeitig an Aussaga wia „Ja noi“ oder „Komm, gang mr fort“ erkenna ko. Mit ama hoimeliga Gfihl, ama Schmunzla em Gsiacht und etwas mähr Weishait em Hirn bene drnoch ganga. Kauft hanne nix. S’hot ja gnug zum Gugga gäa.

PS: Lieber Herr König, wenn Sie das läsen, ärgern Sie sich nicht, dass ich fonologisch falsch ond süntaktisch fragwürdig schreibe. Ich kann äs äben nicht besser. Lieber Herr Eberle ond lieber Herr Bayer: dito, und drähen Sie sich nicht zu oft um, das schadet der Krume. Danke.

4 Gedanken zu „edizio:käpsele

  1. Sauberle Uli, desch amol a gude Gridigg. I schreib a ganz groß Dankschee! Des Scheene am Schwäbischschreiba isch, dass mrs schreiba ka, wie mr will. Übersetzt: Prima Uli, das ist aber einmal eine gute Kritik. Ein großes Dankeschön! Das Gute am Schwäbischschreiben ist, dass mich kein grammatisches Regelwerk gängelt.)

  2. ’naikeia‘ isch abr scho arg obrschwäbisch, odrit? mondrkenga, egna ond so? oinawäg, dui gugg muass i hau!

  3. @BenDup: Fir an Franzos war dees gar et schlecht.
    @Helmut: Gern gschäa.
    @schneck08: Grundschule Mägerkingen, 1968: „Frailein Hirt, Frailein Hirt, der Siegfried Sägenrobes hat mich in den Bauch gehopst und in den Schnai geheit.“ – Dazu muss man wissen, dass es das Wort „geheit“ natürlich nicht gibt, sondern lediglich den Versuch bildet, das Verb „naikeia“ zu verschriftdeutschen, was hier im Perfekt deutlich misslang. Dennoch der Beweis, dass „neikeia“ auch auf der Alb benutzt wurde. Hingegen würde ich das „odrit“ südlich der Donau verorten, hierzulande aber eher das „odret“ vermuten.

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