Haarfresser

Friseure sind bei der Namensgebung ihrer Läden oft kreativ und manchmal auch unfreiwillig komisch. Das ist schon vielen Menschen aufgefallen und manche haben Spaß daran, dies zu dokumentieren. Auch Deef Pirmasens tut dies und weil ich sein Blog „Gefühlskonserve“ schätze, habe ich ihm vor einiger Zeit mal ein solches Bild geschickt:

Vorgestern nun erhielt ich eine Mail, in der es um dieses Bild ging, und die etliche andere Mails, ein Telefongespräch und einigen Ärger auslöste. Ich habe lange gezögert, ob es der Sache angemessen sei, dazu einen Blogbeitrag zu schreiben. Da ich nun aber ohnehin schon einige Zeit damit verbraten hatte, ohne es zu wollen, denke ich: Ja.

Deef ging es wohl genauso, denn er hat ebenfalls einen Beitrag dazu geschrieben. Den will ich nicht groß kommentieren, sondern nur den zugehörigen Briefwechsel dokumentieren. Hier die Ausgangsmail von einem Blog namens „BarbierBlog“:

Lieber Ulrich Eder,

seit einigen Monaten sammelt das Team des BarbierBlogs die verrücktesten Friseurnamen Deutschlands:

http://barbierblog.wordpress.com/

Wir sind bereits jetzt das größte Archiv kreativer Friseursalonnamen im ganzen deutschsprachigen Raum. Die Schriftsteller und Bestsellerautoren Wiglaf Drose, Bastian Sick und Thomas Gsella unterstützen den BarbierBlog unter anderem.

Deine Entdeckung der „Haar-Garage“ drüben bei Deef hat uns gut gefallen. Hättest du nicht Lust, auch BarbierBlogger zu werden und uns deine Fotos zur Verfügung zu stellen? Du würdest unsere kleine private unkommerzielle Idee mit deinen Bildern sehr bereichern und die ca. 1.000 Besucher unseres Blogs täglich sehr froh machen.

Vielen Dank schon jetzt und sonnige Grüße:
die BarbierBlogger

Ich schaute mir das Barbierblog samt Twitteraccount an, wunderte mich über das schmale Impressum des Blogs und sah auf der zugehörigen Facebookseite, dass auch andere dies seltsam fanden:

Um das Bild zu vervollständigen, mailte ich Deef an:

Hallo Deef,

gestern erhielt ich untenstehende Mail mit obenstehendem Betreff. Anscheinend gibt es außer dir und Manuel Wolff (http://www.uiuiuiuiuiuiui.de/category/stoff/friseurnamen) noch mehr Frisörnamensammler.

Mir gefiel eigentlich dein Konzept, die Frisörnamen als wiederkehrendes Element in dein Blog einzubauen und ich habe auch noch zwei oder drei Kandidaten hier in der Region auf der Liste.

Andererseits spricht auch nichts gegen Themenblogs (ich hab ja mit nichtsblog.de selber eins). Was mir nicht gefällt, ist die Abwerbestrategie des Barbierblogs. Es sei denn, das wäre mit dir abgesprochen.

Ist das so?
Fragt: Uli

Deefs Antwort war kurz.

Hallo Uli,

das ist natürlich nicht mit mir abgesprochen. Aber was kann man da machen?

Viele Grüße
Deef

Wir telefonierten kurz dazu und Deef erzählte mir die Vorgeschichte aus seiner Warte. Ich beschloss, das BarbierBlog nochmal anzuschreiben, um auch diesem Gelegenheit zu geben, sich zu erklären:

Lieber Barbier Blogger,

schönen Dank für die Anfrage. Ich finde die Idee witzig, wenn auch nicht ganz neu. Aber wem sage ich das?

Verstehe ich dich recht, dass du gerne das Bild von mir, das bei Deef schon online steht, ebenfalls veröffentlichen möchtest? Da müsstest du besser bei Deef direkt nachfragen. Oder geht es darum, potenzielle Frisörnamenfinder zu rekrutieren?

Aus dem Impressum des Barbierblogs geht leider nicht hervor, mit wem man es da zu tun hat. Steckt da ein Verlag dahinter? Soll irgendwann mal ein Buch daraus entstehen?

Vielleicht kannst du mir ein bisschen mehr über das Projekt erzählen, hofft:
Uli Eder

Die Antwort auf diese Fragen kam prompt und war auf seltsame Weise heftig.

Lieber Uli,

hairzlichen Dank für deine sympathische Nachfrage. Wie bereits geschrieben: Es ist ein privates, unkommerzielles und rein albernes Projekt. Es geht allein um die Freude an diesem deutschen Phänomen. Und ja, die Idee ist uralt – aber bisher leider nur suboptimal umgesetzt. Ansonsten hätten wir – ca. 10 PapHAARrazzi aus ganz Deutschland – uns auch nicht die Arbeit mit dem Blog gemacht.

Denn wir sind alles keine Blogger, sondern ehrlich arbeitende Menschen aus Journalismus, Werbung, Kunst, Literatur und Design. Der Blog ist nur ein Mittel zum Zweck. Anders als bei Deef soll darum auch die Selbstexposition nicht im Mittelpunkt stehen. Wir wollen nicht unsere Distinktion steigern, sondern unsere Sammelleidenschaft soll die Idee bestimmen und die Salons sollen das Wichtigste sein. Darum findest du auf unserer Seite auch keine Namen im Impressum. Das so viele Prominente die Idee gut finden, ehrt und freut uns.

Was mal daraus wird? Keine Ahnung. Sollte es irgendwann mal etwas Gedrucktes werden (was nicht geplant ist), dann würden wir natürlich alle Autoren der Fotos noch einmal extra um Erlaubnis fragen. Das versteht sich ja von selbst, wir sind eben keine Blogger, sondern achten das Urheberrecht.

Deine „Haar-Garage“ würde den BarbierBlog schmücken, ganz klar. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn du bei den nächsten entdeckten Friseurnamen (auch) an uns denkst – Ruhm, Ehre und ein Re-Link zu deiner Seite sind natürlich selbstverständlich ;-)
War auch nur eine Anfrage, du musst auch nicht mitmachen. In diesem Falle: Sorry für das Belästigen, kommt nicht wieder vor. Würde uns aber schwer freuen.

Alles Liebe:
die BarbierBlogger

Diese in freundlich plauderndem Ton vorgebrachten Beleidigungen von Bloggern im Allgemeinen und Deef im Speziellen ließen mich so ratlos zurück, dass ich zunächst Deef davon informierte und dann beschloss erstmal eine Nacht darüber zu schlafen. Heute morgen schrieb ich dann folgende Mail:

Lieber BarbierBlogger,

ich bin etwas verwirrt. Du suchst die Unterstützung von Bloggern, schreibst sie als solche an und beleidigst sie dann mit Sätzen wie „wir sind eben keine Blogger, sondern achten das Urheberrecht“, unterstellst Deef „Selbstexposition“ durch Friseurladenbilder und weigerst dich beharrlich, deinen Namen zu nennen.

Das passt für mich nicht zusammen und ich kann nach wie vor die Intention, die hinter dem Projekt steht, nicht verstehen. „Private, unkommerzielle und rein alberne Projekte“ schmücken sich nicht mit großen Namen und fremden Federn.

Ich gehe davon aus, dass dieser Schriftwechsel auch andere von dir angeschriebene Blogger interessieren dürfte und werde ihn daher auf meinem Blog veröffentlichen. Da du ohnehin anonym bleiben wirst, dürfte dich das nicht weiter stören.

Schöne Grüße
Uli

PS: Meine Friseurnamenbilder werde ich weiterhin an Deef schicken, den ich hier auf CC gesetzt habe.

Was hättet ihr gemacht?

Hier übrigens noch eine kleine, unsortierte Auswahl verschiedener Friseurnamensammler: Der FriseurladenQypeVolker PoehlsSPIEGEL onlineZEIT onlineManuel Wolffbeklopptefriseurnamen.deHauptstadtblogflickryadyada

13 Gedanken zu „Haarfresser

  1. Pingback: Die Sache mit http://barbierblog.wordpress.com | Die Gefühlskonserve

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  3. … das vertrauen in blogger hast du damit aber nicht gerade gesteigert :-)

    finde ich doof, private briefe ohne einwilligung öffentlich zu machen. oder hast du die barbierblogger gefragt? sandra

  4. Pfui, was für eine unhaarmonische Geschichte …

    Aus deiner letzten Mail geht zwar hervor, dass du dir darüber Gedanken gemacht hast, dennoch finde ich den Einwand von Sandra stichhaltig und hätte wohl zumindest noch eine Reaktion abgewartet.

    Schon manchmal merkwürdig, was für Seiten mit schwer nachvollziehbarer Intention sich da draußen in diesem Internet rumtreiben :)

    Schade, dass ich nicht vorher wusste, dass es da Sammler gibt … In Hameln neulich bin ich an einem „Vier Haareszeiten“ vorbeigekommen, und eine „Schnittstelle“ gibt es da auch noch. Nur fotografiert habe ich nicht.

  5. @Sandra: Guter Punkt. Habe ich lange drüber nachgedacht. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass anonyme E-Mails an ein öffentliches Blog nicht wirklich „private Briefe“ sind. Wirklich glücklich bin ich über die Lösung nicht, daher auch meine Frage: „Was hättet ihr gemacht?“

    Das BarbierBlog selbst beklagt sich nun auch über die nicht geachtete Privatsphäre, bedankt sich aber gleichzeitig für die Aufmerksamkeit, die es durch Deefs und meinen Beitrag erhielt. Da steckt für mich dieselbe Ambivalenz drin: Privat beleidigend sein, öffentlich beleidigt sein.

  6. Ach Gottchen. Da haben sich die Möchtegern-Blogger also bei echten Bloggern bedient. Wurden auf das Urheberrecht bzw. überlassene Nutzungsrechte hingewiesen und sind jetzt beleidigt.

    Und die, die vorher das Urheberrecht fröhlich ignorieren, behaupten dreist “… wir sind eben keine Blogger, sondern achten das Urheberrecht.”

    Wir halten fest:

    – die machen ein Blog, wollen aber keine Blogger sein
    – sie behaupten, das Urheberrecht zu achten (was sie wohl nachweislich erst auf Anforderung hin tun). Siehe http://www.gefuehlskonserve.de/die-sache-mit-httpbarbierblog-wordpress-com-19082010.html

    – und sie unterstellen Bloggern indirekt Urheberrechtsverletzer zu sein.

    Da lachen ja die Hühner. Wat is dat denn für’ne Truppe?

    @Sandra Pau

    Da fragt man sich eher, warum man den Barbierbloggern vertrauen soll. Das liest sich wie eine Spammail, nicht wie ein privater Brief.

  7. @cwoehrl: Die Reaktion (s.o.) war abzusehen: Der BarbierBlogger moniert die verletzte Privatsphäre, geht aber nicht auf die Kritik an ihm ein, sondern bedankt sich lediglich für die „Propaganda“ (schon wieder was zitiert). Das löst mein Dilemma nicht.
    Wäre es angemessener, sinngemäß statt wörtlich zu zitieren? Oder darf man solche E-Mails und solches Verhalten nur zur Kenntnis nehmen, sich aber nicht wehren?

  8. finde hier reagieren einige ein wenig heftig. hallo, ich dacht in allen involvierten projekten soll es um die freude an deutscher sprache gehen, die ich auch habe, deshalb surfe ich von mexiko aus manchmal auf deefs blog.

    aber dies ist warscheinlich typisch deutsch? ;)
    also von mittelamerika aus betrachtet reagieren hier „richtige blogger“ (die endlich ernst genommen werden wollen) ein wenig heftig weil mal einer einer spassige email verfasst hat. gang runter schalten, sich nicht von anderen kreativen aergern lassen und wieder vertragen, ok?

    und meinetwegen den komischen anonymen barbierbloggern die fotos geben, das ist doch wirklich ein tolles projekt, das ich meinen schuelern hier in der dt. schule gleich empfehlen werde.

    hasta luego de mexiko city
    gerd

  9. Wir ficken will muss freundlich sein.

    Wenn es beleidigend wird, dann ist eine Zusammenarbeit unerwünscht. Und wenn es den Anschein hat, dass dort mit einer Masche eine Masse an Blogs dazu animiert werden sollen, kostenlos an ‚Nicht-Blogger‘ (so scheinen sie sich ja zu sehen, die Frisöre), Content abzugeben, dann darf man da auch öffentlich darüber diskutieren.

  10. na das scheinen ja janz große experten sein, die freunde [„ehrlich arbeitende“! journalisten!!!] vom barbierblog. der bestsellerautor, von dem da geschrieben wird, heißt meines wissens wiglaf droste. mit t. …aber jut.

    finde solche heimlichtuerein sehr unsympathisch [impressum ohne namen. ist das überhaupt erlaubt?] wittere ja eine verschwörung und tippe mal auf ganz gezielte provokation. sicher wieder irgendeine dumme guerilla-aktion irgendwelcher ambitionierter marketing-futzis. unter dem deckmantel der janz privaten spaßmacherei. *spei*

    turnbeutel auf knöchelhöhe.
    :)

  11. Was ich gemacht hätte? Ich hätte denen das Foto gegeben und mich gefreut, dass es, mit Nennung meines Namens, auf einer weiteren Seiten zu sehen ist.
    Vergib mir, aber anscheinend bist du ein total verkniffener Spießer, der es obendrein noch nötig hat, so einer Pfeife wie Deef (kenn den persönlich, daher das fundierte Urteil) in den Arsch zu kriechen. Oder was soll das: Da soll erstmal Deef angefragt werden, ob die dein Foto bringen dürfen? Deef druckt in seinem durchaus einzig der „Selbstexposition“ gewidmeten „Blog“ dein unbedeutendes Friseurfoto, und schon geht das Copyright an ihn?

    Was ist dein Problem?

  12. @Pi.Pe: Jemand findet mein unbedeutendes Bild woanders und fragt, ob er es auch verwenden darf. Normalerweise sage ich einfach „ja“ und fertig. Weil mir manches aber ungereimt vorkommt und ich den Eindruck habe, dass da jemand gezielt andere Seiten abgreift, frage ich freundlich nach, mit wem ich es zu tun habe. Wenn ich darauf keine Antwort, sondern Beleidigungen bekomme, gerate ich ins Grübeln. Weil ich dieses Grübeln öffentlich gemacht habe, bezeichnest du mich als total verkniffenen Spießer, der anderen, die du nicht magst, in den Arsch kriecht.

    Was ist eigentlich dein Problem?

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