Kampfwandern

Hauptstädter vergnügen sich über Pfingsten damit, im Spreewald herumzugurken. Provinzler hingegen haben entweder harte Gartenarbeit zu verrichten oder anderweitig ins Feld zu ziehen. Für mich war diesmal eine grönlandvorbereitende dreitägige Trainingseinheit vorgesehen. Gemeinsam mit hormonstrotzenden Jungspunden im Diplomprüfungsalter. Mit dem kompletten Sturmgepäck auf dem Rücken. Inklusive Zelt, Kochutensilien und Verpflegung für alle Tage.

Allen Befürchtungen zum Trotz war es schön. Allein die Namen auf der Wanderkarte konnten dem passionierten Flurnamenforscher die Freudentränen über die Wangen treiben: Von Thanheim den Blasenberg hoch, dann über den Heiligenkopf runter nach Stich. Von dort weiter zum Zitterhof über den Wünschberg nach Burgfelden, um am Böllat die Aussicht übers Unterland zu genießen. Dann der Abstieg durch das Felsenmeer nach Laufen mit sofortigem Wiederanstieg auf den Gräbelesberg. Nach einer regengetränkten Nacht im Zelt über den Lerchenbühl, vorbei an der Holderhecke rüber zum Roßberg. Von dort hinunter ins Sägental am plätschernden Burtelbach entlang ins Bärental. Am Zusammenfluss von oberer und unterer Bära Rast auf den Galgenwiesen, bevor es am Rabenfels vorbei zum Himmelreich und Hoelle Irndorfer Hardt hochging. Ein weiteres Biwak samt Lagerfeuer auf dem Schnaitkapf. Am nächsten Tag über die Duckenäcker durchs Finstertal (siehe Karte).

Dort die Entdeckung gemacht, dass Himmelreich und Hölle oft nah beieinander liegen. Bei Langenbrunn ins Donautal eingebogen und von Korbfelsen, Glasträgerfels und Korneliusfels beschattet nach Neidingen gelangt. An Heidenschloß und Schaufelsen vorbei über Neumühle und Falkenstein nach Thiergarten (mit h).

Dort ein Vesper eingenommen, die Wunden gepflegt und festgestellt, dass auch hormonstrotzenden Jungspunden im Diplomprüfungsalter 60 Kilometer übel in den Knochen sitzen können. Gefeixt.

5 Gedanken zu „Kampfwandern

  1. Ha. Der Jugend muss man manchmal den Kopf zurecht rücken. Habe vergangene Woche den nachwachsenden Fußballkrüppeln auf Berlins Kampfbahnen klar machen müssen, dass ich nicht 27 sondern eher 35 Jahre alt bin. Da haben sie geschaut, diese fußlahmen Bengel. Deine Kampfstrecke ist beeindruckend. Auch der Roßberg taucht auf. Und ein Buch über die Samenhändler und den Roßberg ist mir erst am Montag beim Einräumen unseres neuen Regals in die Finger gefallen: „Wo des Roßbergs Haupt sich hebet.“ Ich habe es aus lauter Nostalgie nicht weggeworfen.

  2. Roßberge gibt’s hierzulande zuhauf. Liegt vielleicht daran, dass es früher viele Rösser und bis heute viele Berge gibt. Und da hat man halt die einen nach den anderen benannt. So wie heute viele deutsche Nationalspieler Jens oder Oliver heißen, weil damals die Namen übrig waren.

    Der Roßberg, den Du meinst, liegt am Albtrauf und trägt einen Turm, von dem aus man nicht nur die schöne Aussicht bewundern kann, sondern aus ein deftiges Vesper einnehmen oder gar übernachten. Am Fuße dieses Roßbergs liegt das alte Samenhändlerdorf Gönningen, das irgendwie in Dein Buch geraten sein muss.

    Aber da erzähle ich Dir ja nichts Neues.

  3. Eingentlich war das ganze eine Veranstaltung des NABU unter dem Motto ‚was blüht denn da – Einführung in den Umgang mit Pflanzenbestimmungsbüchlein‘. Die Führung hätte selbstverständlich an Gönningen vorbeigeführt, damit die interessierten Hobbybotaniker auch gleich Samen (um endlich einen Zusammenhang herzustellen) einkaufen und vor allem bestimmen zu können. Aber da es keine anderen Teilnehmer gab sind wir eben nur gelaufen und haben uns wild Pflanzennamen zugerufen.
    Ich sollte wohl die Jugend mal fragen, ob sie schon wieder laufen kann!

  4. Der Roßberg im Text, und der Roßberg bei Gönningen sind zweierlei Berge. Der gemeinete Roßberg, liegt westlich von Meßstetten. Auch wenn Heimatgefühle im Beitrag von WOG mitspielen, hätte er an der Wegbeschreibung merken müssen dass das nicht passt.

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