Katapult

Benni Fredrich hat ein Problem.
Er erfindet dauernd Projekte, die überhaupt nicht funktionieren können, ist rotzfrech und tritt Leuten, die mehr zu sagen haben als er, gnadenlos auf die Zehen.

Aber das ist nicht das Problem.
Das Problem ist, dass die Projekte super funktionieren, dass seine Rotzfrechheit wunderschön zu lesen ist und dass er einfach mehr zu sagen hat als andere Leute.

Warum ist das dann ein Problem?
Dazu muss ich erstmal ein bisschen ausholen. Und vier Jahre zurückgehen.

Laut Michalis Pantelouris, der seinerzeit in der Übermedien-Kolumne „Bahnhofskiosk“ Zeitschriften aller Art vorstellte, war am 8. März 2017 der Sieger für „die nach unten offene Skala der schlechtesten Zeitschriftentitelzeilen“ gefunden: „Katapult“, ein „Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft“. Chefredakteur: Benjamin Fredrich. Interessanterweise kam der Kritiker in seinem Beitrag abschließend zu dem Urteil, man mache mit einem Abonnement von Katapult „nichts grundlegend verkehrt und hat wahrscheinlich ziemlich viel Spaß damit“. Weil Pantelouris immer Recht hat, wenn es um Zeitschriften geht, abonnierte ich einen Tag später das Blatt. Seitdem ist jeder Tag, an dem „Katapult“ im Briefkasten liegt, ein Festtag. Und als erstes wird stets das Editorial von Benjamin Fredrich verschlungen.

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Mittlerweile sind 20 Ausgaben erschienen, die Abonnent:innenzahl stieg von damals 1.201 auf heute 79.107. Die „Geo der Sozialwissenschaft“ hat einen Ableger namens „Knicker“. Der Verlag verkauft Bücher, Spiele, Poster, Postkarten sowie einen Aufkleber zum Preis von 100.000 Euro (derzeit nicht erhältlich). Das Unternehmen wuchs von sechs Mitarbeiter:innen auf 34. Es hat einen Wald gepflanzt, ein altes Schulhaus gekauft und das Café Karsten eröffnet.

Aber was ist dann bitteschön das Problem?
Das Problem ist, dass Benni Fredrich diesmal scheitern will.

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Gestern lag die 21. Katapult-Ausgabe im Briefkasten. Auflage: 150.000. Und natürlich las ich sofort das Editorial, in dem Fredrich immer etwas Rotzfreches, Hammermäßiges oder komplett Bescheuertes raushaut. Unter der Überschrift „Lasst mich scheitern!“ erklärt Fredrich diesmal, dass sie sich vorgenommen haben, das journalistische Ödland Mecklenburg-Vorpommern mit Qualitätsjournalismus zu versorgen und die Monopolstellung des rechtslastigen Nordkuriers zu brechen. Wie? „Wir gründen heute und genau an dieser Textstelle die neue Lokalzeitung KATAPULT-MV!“ Dazu sammelt Katapult ab sofort Abonnent:innen, denn: „Ich weiß, der Lokaljournalismus ist am Ende. Ich weiß, wir haben keine Chance, aber das hatten wir mit KATAPULT auch nie. Also los. Mir ist alles egal! Lasst uns endlich scheitern!“

Wer auch immer hier aus MV kommt oder die Idee ebenfalls bescheuert findet: Benni Fredrich darf nicht rechtbehalten und scheitern. Wir können verhindern, dass er schon wieder Erfolg hat. Mit 5 Euro pro Monat seid ihr dabei. Und wer 100 Euro investiert, wird zur Superintendantin und darf an den Redaktionssitzungen teilnehmen.

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2 Gedanken zu „Katapult

  1. Dein Beitrag hat mich schön ganz nahe an ein Abo heranKATAPULTiert. Wobei ich gerade eher den Trend zum Abbestellen von … und Austreten aus … verfolge. Mal sehen, wie lange mein Widerstand anhält…..

  2. Nicht nur dich. Nach wenigen Tagen wurde das angestrebte Minimalziel von 3.800 Abonnements erreicht. Trotzdem: Nicht-MVler sollten vielleicht erst mal mit dem Katapult-Magazin anfangen. Die 20 Euro im Jahr sind gut angelegt.

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