Kid-Cuts (12)

Während der Umgang mit Kleinstkindern automatisch das aktive Vokabular regredieren lässt (vgl. den Gebrauch von krrrrch, blbllbllllll, frrrr, käkäkää usw.), erweitert sich notgedrungen der Wortschatz an anderer Stelle auf wunderbare Weise. Zur Illustration eine kleine Kollektion:

Didymos: Tragetuch, das du auf vielfältigste Art falten und wickeln kannst, um den Zwerg links- oder rechtsrum, liegend oder sitzend, auf dem Bauch, der Hüfte oder auf dem Rücken dergestalt einzupacken, dass unbeteiligte Passanten auf dich zustürzen, um dich erbost zu fragen, ob das Kind denn noch Luft kriege. „Das Kind schon“, erwiderst du dann freundlich keuchend, „ich hingegen nicht.“ Empfohlene Länge: Ab 4,20 Meter.

PEKiP (Prager Eltern-Kind-Programm): Ein an gruppenpädagogische Leitlinien der Themenzentrierten Interaktion angelehntes sozialpädagogisches Gruppenprogramm für Eltern und Kinder, die sich eine günstige Interaktionsbeziehung im sensiblen Prozess des Zueinanderfindens erarbeiten möchten, wobei die Gruppenleiter die Teilnehmer im Sinne der personenzentrierten Gesprächsführung nach C.R.Rogers begleiten. Neudeutsch: UKkkad BrusiEa (Unangezogene Kleinkinder kullern auf dem Boden rum und strullern ihre Eltern an.)

Pucktuch: Hat nichts, aber auch gar nichts mit dem kleinen, frechen Elf aus Shakespeares Sommernachtstraum zu tun. Ebensowenig handelt es sich hierbei um ein Pflegeutensil für Eishockey- oder DJ-Bedarf. Es ist weder das Erweiterungstool einer Programmiersprache noch die Rotzfahne eines Comicautors. Wir reden auch nicht von einem Stöffchen aus der polnischen Hafenstadt Puck – wiewohl deren deutscher Name „Putzig“ nun schon in die richtige Richtung weist. Nein, ein Pucktuch dient lediglich dazu, ein Baby zu pucken. Was sonst?

5 Gedanken zu „Kid-Cuts (12)

  1. Vergessen hast du:
    Ergo-Carrier: Hippes Nachfolge-Produkt des klassischen Baby-Björn, bei dem das Kind ratzfatz vor den Bauch oder auf den Rücken geschnallt, statt aufwändig geschlungen werden kann. In vielen Fruchtfarben zu haben, ein Muss in deutschen Szenebezirken wie Prenzlauer Berg oder Prenzlauer Berg oder Prenzlauer Berg.

  2. Nicht vergessen, sondern noch nicht gekannt. Und zwar zu Recht. Schon das unsägliche Werbevideo auf der Homepage des Herstellers treibt einen rückwärts aus dem Online-Shop. Da haben schon die Babies peinliche Grinsegesichter. Oder wird man so beim Tragen dieses Teils? Ganz Prenzelberg am Grinsen?

  3. Aber immerhin von führenden Hebammen und nachtrottenden Kinderärzten empfohlen! Wer könnte da nicht widerstehen? Wir haben das Teil und sind glücklich damit. Auch wenn wir euch das Didymos-Tuch aufgeschwatzt haben. Narren ihr!

  4. Prenzlauer Berger Eltern grinsen nicht. Sie haben nichts zu lachen, denn sie nehmen sich und ihren Nachwuchs immer sehr sehr ernst.

    Es gibt auch den Ergo Carrier Mantel (ich trau‘ mich nicht auf die Website um zu gucken, ob sie ihn dort auch feilbieten) – er wurde auf der „Kind&Jugend“-Messe in Köln gezeigt…als wäre er dem Elefantenmenschen auf den Leib geschneidert worden und auch gerne mal als Grillpavillion bei Regenwetter einsetzbar.

    Vergessen habt Ihr auch noch den…MAXI COSI!

  5. Na gut, einer muss ja:
    Maxi-Cosi: Nicht etwa, wie der Name nahelegen könnte, die größte aller anzunehmenden Nichten, oder ein in neuenglisch geschriebener superbequemer Sessel, sondern die Mutter aller Auto-Kindersitze. Wird mittlerweile sprachlich so behandelt wie Tesa für die ganze Welt der Klebebänder. Taugt, ist aber schamlos überteuert. Wer das neu kauft, ist selbst schuld, denn selbst das älteste Teil lässt sich mit schmuckem Bezug (29,90 Euro) wieder aufmöbeln, ehm, -sitzen.

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