Kid-Cuts (2)

the horror, the horrorDer Wettbewerb auf dem Kinderprodukte-Markt ist unerbittlich und bisweilen streckt die Verkaufskrake ihre hässlichen Tentakel in Bereiche aus, die man besser nicht betreten möchte. Die Masseuse der Geliebten kam unlängst mit etwas an, das mit geschmacklos nur unzureichend beschrieben wäre. Es handelt sich dabei um ein Produkt aus der „babydream-CD“-Reihe des Drogerie-Moguls Rossmann. Die achte Lieferung heißt „Klassik-Hits für Kids“ und versammelt „16 klassische Kompositionen babygerecht als Spieluhrenmelodien arrangiert“. Hier finden sich so unsterbliche Melodien wie Schumanns „Erinnerung“ oder Mozarts „Rondo“ (aus der kleinen Nachtmusik). Muss ich erwähnen, dass das gänzlich unhörbar ist und sich Hörschnecke schon kräuselt, während der CD Player noch die TOC-Daten einliest?

Noch schlimmer als das „Nel cor pio non mi sento“ von Paisiello ist aber ein Blick ins CD-Booklet, wo weitere, noch grausamere Grausamkeiten angeboten werden. Als da wären:

  • Songs 1 (mit Lieder-Textbuch)
  • Songs 2 (mit Lieder-Textbuch)
  • Träume süß (Spieluhrenmelodien zum sanften Einschlafen)
  • Christmas Dreams (Weihnachtliche Gedichte und Spieluhrenmelodien)
  • Osterträume (Frühlingsmelodien im Spieluhrensound)
  • Natural Sounds (die schönsten Klänge aus der Natur babygerecht mit Spieluhrenmelodien arrangiert)
  • Songs 3 (mit Lieder-Textbuch und vier Karaoke-Liedern)
  • Christmas Dreams (Lieder und Geschichten zur Weihnachtszeit für Kinder – mit Liedertextbuch)
  • Nature Dreams (ein Waldspaziergang für Babys)
  • Baby’s Top 30 (Best of Babydreams) 

und natürlich mein absoluter Liebling: „Baby Beach (Spieluhrenmelodien für den Strand)“.

Sollte die Welt morgen mit Pauken und Trompeten untergehen, die apokalyptischen Reiter allein dieser CD-Serie wegen diese unsere geliebte Erde verheeren – man könnte es ihnen nicht verübeln.

2 Gedanken zu „Kid-Cuts (2)

  1. (Mir Staub von den Klamotten klopfend) Entschuldigung, ich musste mich mal kurz wegschmeißen. Was mir bei solchen Sachen immer durch den Kopf geht, ist die Überlegung, dass irgendwelche Leute das Zeugs ja aufnehmen müssen. Wie überleben die das? Müssen die morgens beim Aufstehen schon speien oder tun sie das in der Mittagspause? Oder die Werbeagentur, die das Cover gestaltet: Ich kann mir vorstellen, dass die mit von Tränen verschmiertem Lachen vor dem Monitor stehen:
    „Da muss noch mehr Pink rein.“
    „So?“
    „Ja, so ist’s eklig genug.“
    „Hatten wir nicht noch irgendwo so ne Schnörkelschrift?“
    „Da war doch dieses Grinsebaby im Bildarchiv …“
    „Bruhahaha!“

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