Neu im Regal (10)

Moby DickHerman Melville: Moby Dick; oder: Der Wal. Gelesen von Christian Brückner. Zweitausendeins. 2006.

Ich bin süchtig. Am liebsten würde ich sofort anheuern. Zur See fahren. Wale fangen. Selbige auskochen. Auf der Takelage rumklettern. 
Denn ich höre gerade noch die Hörbuchversion von Melvilles Romanungetüm. Gekürzte Versionen habe ich bislang gemieden, wie der Teufel das Weihwasser. Aber vor dem großen Öttel war man dann doch zu sehr abgeschreckt. Jetzt aber macht eine über jeden Zweifel erhabene Übersetzung Schluss mit der Zugangssperre. Und weil diese Übersetzung noch auf anbetungswürdige Weise von Christian Brückner (jaaa, der, der ungefähr allen Hollywood-Ikonen in Personalunion für die dt. Synchronisation die Stimme leiht) weniger bloß vorgelesen als in 30 ins mp3-Format reingelesene Stunden schon interpretiert wird, deshalb stellt sich die Frage: Weshalb überschüttet man diese beiden (Übersetzer Friedhelm Rathjen und Vorleser Christian Brückner) Kulturhelden nicht mit allen verfügbaren Preisen?
Und jetzt bin ich so was von drin, in der Cetologie (Walkunde). Ich kann den Glatt- vom Buckelwal unterscheiden. Weiß, wer welches Fett liefert, weiß das Walbein zu schätzen, kenne Menschen(fresser), die sich mit Harpunen rasieren, weiß was eine Walleine ist, habe Ahab kennen gelernt, habe ein Walsteak gegessen und mit Tran meine Lampen zum Leuchten gebracht… Es ist der Wahnsinn.

2 Gedanken zu „Neu im Regal (10)

  1. Holla! Du hast diesen Klassiker noch nicht gelesen? Ich bin erschüttert. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich im zarten Alter von 12 Jahren auch lediglich eine speziell gekürzte und zusammengeschusterte Jugendausgabe rezipiert hatte, die dem Vergleich mit dem Original in nichts Stand hält. Trotzdem.
    Ohne dem Herrmannschen Diktum der Unvereinbarkeit von hoher Literatur und Hörbüchern Folge leisten zu wollen: Ist das nicht komisch, wenn einem Robert De Niro ein Buch vorliest?
    Und jetzt: Zurück ins Meer! Ahoi!

  2. Eben das: diese gekürzten Jugendversionen. Zurechtgeschustert wie „Gullivers Reisen“ oder die „Schatzinsel“. Dies aber ist the real thing. Und da kann sich der Hermann verpfeifen mit seinem Dickdarm. Große Literatur wird durch große Hörbücher gerade erst lesbar gemacht. Und wenn das ein sprachlich tänzelndern DeNiro macht: noch besser. Du siehst: Ich bin begeistert. Hingerissen. Her auch.

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