Neu im Regal (14)

Zu Besuch bei DiktatorenZu Besuch bei Diktatoren. Peter York. HeyneHardcore, München 2006.

Unbegrenzt Geld haben und dazu noch Macht ohne Ende, das führt meist zu nichts Gutem. Dass damit irgendwas nicht in Ordnung ist, das hat man schon an langen Weihnachtsferientagen gemerkt, als das Monopoly-Brett oft wochenlang nicht mehr weggeräumt wurde und das Schwein von Bruder als Besitzer der Parkstraße einen mit lüsterner Miene bluten ließ, bis es halt gar nicht mehr ging.

Abgesehen von der Entwicklung sadistischer Gefühle, ist Reichtum und Macht auch gar nicht gut für die Ausbildung eines ästhetischen Geschmackssinns. Peter York zeigt das in auf fabulöseste Weise in seinem schönen Buch „Zu Besuch bei Diktatoren“. Ausgehend von Bildern, welche die Wohnungseinrichtungen der beliebtesten Diktatoren zeigen – alles war Rang und Namen hat ist versammelt -, zerlegt er diese Bastarde noch einmal ganz tüchtig.

Sein Verleger hat York (so erzählt er im Vorwort) gebeten, im Gebrauch der Wörter „scheußlich“ und „abstoßen“ etwas sparsamer umzugehen. Aber wie hätte der gute Mann auch sonst beschreiben sollen, was einem da an optischen Peitschenhieben entgegenschlägt? Und wer unzufrieden ist mit der eigenen Wohnungseinrichtung und etwas Diktatorenstil in die Bude bringen möchte, der bekommt auch noch unsterbliche Tipps mit auf den Weg. Ganz wichtig dabei: Bilder von sich selbst aufhängen.

PS: Bei näherer Betrachtung von Adolfs Hütte muss man aber schon sagen: Mehr Stil als Saddam hatte er schon.

Ein Gedanke zu „Neu im Regal (14)

  1. Mal ehrlich: So ein Buch würde ich mir genausowenig kaufen als eines über die Gartenanlagen irgendwelcher C-Promis. Ist das nicht purer Voyeurismus? Wogegen ich jetzt nicht prinzipiell bin, sondern nur, weil damit der Voyeurierte ja aufgewertet wird. Im Falle der Diktatoren käme vielleicht allenfalls eine minimale kathartische Wirkung hinzu, indem der Hass auf diese verkommenen Subjekte der Weltgeschichte stiege. Wobei ich den Verdacht habe, dass der Käuferkreis dieses Buches weitgehend identisch sein könnte mit dem, der den Strang für Saddam Hussein fordert.

    Vielleicht aber könnte man ein Stückweit verstehen, was in den Köpfen solcher Menschen herumspukt. Denn das war mir schon immer ein Rätsel. Kaufen werde ich das Buch trotzdem nicht.

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