Neu im Regal (19)

David Sowka: Schätzchen, verfälschen wir die GeschichteDavid Sowka: Schätzchen, verfälschen wir die Geschichte. Horitschon (edition nove) 2005.

Anstatt einer Buchbesprechung, mit der ich mich abermals zum Deppen machen würde, hier ein paar Ausschnitte aus dem Buch, das sich selbst als Sammlung von „Letter-Konglomeraten“ bezeichnet:

Franzander Bernhardt übersetzte gerade Karl Marx‘ Kapital in eine selbst erfundene Fantasiesprache, als das Telefon klingelte: „klingel, klingel!“
„Herein!“ rief Franzander Bernhardt. „Du kannst nur abheben, aber nicht herein bitten“ erklärte das Telefon ihm unmissverständlich.

Das klingt logisch. Aber im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass das Telefon eine Mikrowelle und Edgar der König von Europa ist. Das macht nachdenklich. Dazu passt auch ein anderes Beispiel:

Systematische Einsamkeit
Mein neustes Projekt nennt sich Einsamkeit. Ich will mich systematisch von der Welt abschotten.
Deshalb habe ich mein Handy weggeworfen und meinen Internetanschluss bei E-Bay verkauft. Jetzt muss ich nur noch den Postboten töten…

Das ist konsequent. Aber nachvollziehbar. Anderes weniger:

Peter Pfennter strebte stes das Pfaffendasein an. Er wollte Diener Gottes werden. (…) Er wollte sein ganzes Leben Gott opfern und dessen Sohn, Jesus Christoph, bis an sein Lebensende huldigen. Doch Peter Pfennter hatte noch eine andere psychische Krankheit. Er hatte ewige Versprecher.

Wer all das mag, für Rechtschreibung sowieso nichts übrig hat, Österreicher prinzipiell für skurril und morbid hält und selbst ein Ei an der Waffel hat, der muss hier zugreifen. Jan-Uwe, auf den diese Beschreibung vermutlich perfekt passen würde, scheidet leider aus, weil ich ihm das Büchlein bereits zum Geburtstag geschenkt habe. So ist das Leben.

3 Gedanken zu „Neu im Regal (19)

  1. muss man sich eigentlich bedanken, wenn einen jemand zum geburtstag erbrochenes aus bodenhaltung schenkt?

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