Neu im Regal (9)

Morten Ramsland: Hundsköpfe. Schöffling & Co. 2006.

ramsland.jpgHa! Endlich mal wieder ein Schmöker, bei dem die letzte Seite eine Bedrohung ist und das Ende des Lesespaßes allzu früh kommt. „Hundsköpfe“, diese furiose Familiengeschichte aus dem hohen Norden, von einem Autor, der mit seinem wilden Reigen über die Familie des Protagonisten Asger Eckström Töne anschlägt, welche seit dem frühen John Irving keiner mehr bedient hat.
Hier sind drei Generationen unter einem Dach. Zusammen sind sie eine Familie, die sich über Geschichten immer neu erfindet in ihrem ruhelosen Pilgern zwischen Norwegen und Dänemark. Grimmig verteidigen sich die Jugendlichen, die tüchtig einstecken, aber auch ordentlich austeilen und Pubertätswirren durchleben, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Wer sich „Populärmusik in Vittula“ gekreuzt mit einer Irving-Familienkatastrophe wie „Das Hotel New Hampshire“ vorstellen kann, das Ganze nur noch grobklotziger und herber und mit einem Schuss Jonathan Safran Foer versetzt, der findet in dem Roman des Mittdreißigers Morten Ramsland ein Buch, das so wild und verwegen Tragik, Komik und ganz persönliche Schicksale verschnürt, dass man gleich nach mehr rufen möchte. Aber das halt nicht tut, weil „Hundsköpfe“ eben auch furchtbar weh tut. Drum reckt man den Kopf in die Höhe, schickt einen Stoßseufzer gen Himmel: Danke, dass man die Jugendhölle halbwegs unbeschadet überstanden hat.

Ein Gedanke zu „Neu im Regal (9)

  1. Danke, Du hast meinen Montag gerettet. Nach solcher Rezension möchte man gleich in die Buchhandlung lossausen, wären da nicht die momentan drei parallel zu lesenden Akut-Schmöker, die fünf noch ungelesenen Gesellen neben dem Bett und die wg. Bücherüberladung des Gästezimmers mit Liebesentzug drohende Mitbewohnerin. Darum: Ist vorgemerkt.

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