Offener Brief

In Villingen ruft der geplante Bau eines Mehrfamilienhauses für geistig Behinderte in einem Wohngebiet den Protest einiger Anwohner hervor. [vgl. z.B. hier und hier] Insbesondere der Umstand, dass das Grundstück in der Nähe eines Kindergartens liegt, scheint die Eltern zu besorgen. Zudem hatte eine Diplom-Pädagogin und Jugend- sowie Kinder-Psychotherapeutin auf einer Informationsveranstaltung die Position vertreten, dass geistig Behinderte gefährlich seien. Mongoloide und demente Menschen seien oft distanzlos. Sie spreche aus Erfahrung, habe auch Behinderte als Patienten und sei schon mehrmals angegriffen worden. Außerdem könnten Kinder im Vorschulalter mit der Andersartigkeit von geistig Behinderten noch nicht umgehen.

Sehr geehrte Frau Hildebrand,

heute morgen las ich in der Zeitung, dass Sie sich gegen ein geplantes Wohnprojekt für geistig und körperlich behinderte Menschen in Villingen wenden und dafür anscheinend gute Gründe haben.

Da meine Eltern in einem Heim für geistig Behinderte arbeiteten, wuchs ich von klein an dort auf. Einen Kindergarten gab es nicht, daher hatte ich permanent Kontakt zu solchen Menschen – ohne professionellen Beistand durch Pädagog(inn)en oder Therapeut(inn)en. Auch gab es keine getrennten Spielplätze für behinderte und nicht behinderte Kinder. Es gab sogar erwachsene Behinderte, die mit uns spielten.

Darf ich Sie als offensichtlich ausgewiesene Fachfrau zu diesem Thema nun folgendes fragen:

  • Ist es möglich, dass ich durch diesen Kontakt Schaden genommen habe, ohne es zu merken?
  • Könnte dies auch meinen Eltern, einem Psychologen und einer Pädagogin, entgangen sein?
  • Heißt es jetzt wieder „mongoloide Menschen“ statt „Menschen mit Down-Syndrom„?
  • Wohnen Sie zufällig auch im Wohnviertel „Hammerhalde“?

Da dies ein offener Brief ist, können Sie mir gerne direkt im Internet unter http://www.dia-blog.de/?p=584 antworten.

9 Gedanken zu „Offener Brief

  1. In Villingen ruft der geplante Bau eines Mehrfamilienhauses für intolerante Psychotherapeuten in einem Wohngebiet den Protest einiger Anwohner hervor. Insbesondere der Umstand, dass das Grundstück in der Nähe eines Kindergartens liegt, scheint die Eltern zu besorgen. Intolerante Psychotherapeuten sind gefährlich und oft distanzlos. Patienten seinen von intoleranten Psychotherapeuten schon mehrmals angegriffen worden. Außerdem könnten Kinder im Vorschulalter mit der Andersartigkeit von intoleranter Psychotherapeuten noch nicht umgehen.

  2. Wer sich für das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen interessiert stößt unweigerlich auf den Schweden Bengt Nirje. Von ihm wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (!) das sogenannte Normalisierungsprinzip ausformuliert, demzufolge geistig behinderten Menschen Lebensumstände zu eröffnen sind, „die dem normalen Leben möglichst entsprechen“.

    Von Bengt Nirje, der letzes Jahr verstarb wird folgendes Bonmot erzählt:
    Er habe gelernt dass die geistig Behinderten viel mehr unter der Dummheit anderer gelitten haben als an ihrer eigenen.

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  5. Das nenn ich doch mal gelungen!

    Hoffentlich bekomme ich kein diffusen Ängste durch meinen SOhn, der ebenfalls Down Syndrom hat!
    Wir haben dieses Schreiben in unserem Forum (www.dielila.de) zu Diskussion gestellt.
    Auch haben wir schon Briefe, Mails etc an die gute Frau Hildebrand, den Bürgermeister von Villingen, SternTV,….. geschickt.

    Weiter so!!!

  6. @alle: Frau Hildebrand hat sich bei mir (auf postalischem Wege) gemeldet. Ich denke, dass ich übers Wochenende dazu komme, Ihre Reaktion und meine Gedanken dazu in einem weiteren Beitrag zusammenzufassen. Schaut nach „Offene Antwort“.

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  8. wow!!!! Nachdem mein sohn arthur entgegen meinen befuerchtungen von eienm grossteil der „gesunden“ menschheit absolut herzlich aufgenommen wurde, dacht ich eigentlich, das thema EUTHANASIE koenne nun zu den schmerzlichen akten gelegt werden… Nun, scheint so als haette sich noch nicht allzuviel verstand verbreitet!!! Solche leute wuenschen meinem sohn der zu dem down-syndrom nun auch noch leukaemie bekommen hat sicherlich „das allerbeste“. Fuer sich und ihre heile statuswelt. Arschlecken: arthur schafft das und diesen gefuehllosen mitmenschen moechte ich sagen, dass JEDER mensch der eine behinderung jedweger art hat mehr wert ist als ihr. Pfui!!!!

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