Schlimmes Ende

Das Wochenende stand unter keinem guten Stern. Des Samstagmorgens um 9 Uhr aus der Hauptstadt gen Provinz zum Zwecke des Musizierens losbrausen wollend, hatte der über Mitfahrzentralenportal aquirierte Mitfahrer schon mal verschlafen. Als eine muffige aber nicht unsympathische Kreatur zu mir in den Peugeot stieg, die Gitarre auf den Rücksitz wuchtete und stöhnte, da schwante mir schon Übles. Egal. Los sollte es gehen. Natürlich war dann Stau. Überall. Alles drängte aus der Stadt Wohin? Weshalb? Man quälte sich Steigungen hoch, Steigungen runter, es war unerträglich heiß. Am Ende von 10 Kilometer Stauung stand dann ein einsames Schild auf der Straße. Man umfuhr es. Vielleicht hätte man es wegräumen sollen und Tausenden damit einen schöneren Tag beschert. Allein: niemand tat es. So kamen wir durch Bayern, überholten ein Polizeifahrzeug. Eine dumme Idee, wie sich herausstellte. Denn so hatten die Gesetzeshüter einen Panoramablick auf meinen Mitfahrer mit seinem Rastalockigenresthaupthaar. Natürlich überholten uns darauf die Gesetzeshüter. Kelle raus. Bitte folgen. Raus am Rastplatz. Blick auf die Uhr: In 1,5 Stunden sollte unser Konzert beginnen. Noch eine gute halbe Stunde zu fahren und jetzt das. Die Herren in grün und in schönem Bayerisch: „So Grüß Gott. Fahrzeugkontrolle“. Dann einschleimerisch und widerlich: „Haben wir denn etwas dabei, das wir nicht dabei haben sollten?“
Die Lebenserfahrung lehrt: Bei gewissen Gelegenheiten sollte man lieber einmal mehr schlucken, als einmal zuwenig. Wir: „Also bitte, natürlich nicht.“ Scharfen Auges wurde der Butzel neben einem beäugt. Es wurden Personalien überprüft, der Kofferraum (der nicht mehr aufgeht) inspiziert, Art und Bauweise der Instrumente unter die Lupe genommen. Und flehentliches Bitten von wegen zu spät und Auftritt und Stau wurde dann sehr gönnerisch mit einem „Na dann wollen wir Sie doch nicht weiter belästigen“ kommentiert. Und so fuhr man weiter. Und zum Konzert. Und nach dem Konzert schmeißt der knapp 30-Jahre-gewesene Freund und Gitarrist nach 16 Jahren gemeinsamer Bandtätigkeit die Brocken hin, verlässt nach einem pathetischen Auftritt die Band und man ist gezwungen den nächstentags fälligen Folgeauftritt zu dritt zu absolvieren.
Sag an: Merkt man einem verrotteten Tag nicht schon von Sekunde eins seine verkommende und viehische Natur an? Manchmal ist das Leben nicht schön.

 

3 Gedanken zu „Schlimmes Ende

  1. Das ist ja furchtbar deprimierend. Und offensichtlich sind „Furcht erregende Darbietungen“ (der Trio-Auftritt), „Schlechte Nachrichten“ (der Band-Ausstieg), „Unliebsame Überraschungen“ (die Polizei-Kontrolle) sowie „Abscheuliche Angewohnheiten“ (der Mitfahr-Schläfer) bereits integriert.
    Dennoch würde ich Deiner Konklusion

    > Sag an: Merkt man einem verrotteten Tag nicht schon
    > von Sekunde eins seine verkommende und viehische
    > Natur an? Manchmal ist das Leben nicht schön.

    nicht zustimmen wollen. Denn dann könnte man ja nach dieser ersten Sekunde den Tag hinschmeißen, im Bett bleiben oder in den Spreewald fahren, um Folge zwei der Spreewaldgeschichten zu schreiben. Tut man aber nicht, weil man
    a. Verpflichtungen hat
    b. hofft, dass es doch noch besser wird
    c.
    Ja … warum eigentlich?

  2. Muss ich noch erwähnen, dass ich tags drauf von einem Metzgerssohn beim Kicken dermaßen übel weggegrätscht wurde, dass ich seither mit einem Kürbisgroßen Knie herumstake, mir Sorgen um die Bänderarchitektur in demselben mache und mich ganz und gar wie Käptn Ahab fühle?

  3. PS: Im Waschsalon findest Du noch ein paar Möglichkeiten, wie Du Dir diesen Tag interessanter hättest gestalten können.

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