Spekulationen über Spekulatius

Eigentlich gibt es bei uns Weihnachtsgebäck erst ab dem 1. Advent. Mit Schaudern fotografieren wir jedes Jahr im Sommerurlaub die Dominosteine in österreichischen Supermärkten. Aber wenn grad keiner hinschaut, knabbern auch wir schon Ende November die eine oder andere Leckerei, die nach Kardamom, Gewürznelke oder Zimt riecht. Zum Beispiel Spekulatius. Dieses Formgebäck aus gewürztem Mürbeteig in Form von figürlichen Darstellungen triggert das mitteleuropäische Hirn sofort zu Assoziationen mit winterlichem Wetter, Ofenfeuer, Kerzen und Punsch.

Neulich öffneten wir die erste Spekulatius-Packung, erbrachen das weihnachtliche Siegel und schaufelten uns das süchtigmachende Gebäck mit beiden Händen in die triefenden Lefzen. Nachdem der erste Wahn versabbert war und erste Anzeigen von Magenverstimmung auftraten, kam eine Diskussion auf, die vermutlich an jedem Weihnachtstisch Jahr für Jahr stattfindet: Was um aller Welt ist denn darauf abgebildet? Das leichteste Motiv dürfte die Windmühle sein, einfach auszurechnen, weil „Speculaas“ schließlich aus Holland kommt. Der Name entstammt im übrigen der lateinischen Bezeichnung für Bischof, der kirchenadministrativ ein Aufseher, also „speculator“ war. Und das wiederum war ein Beiname des Heiligen Nikolaus, an dessen Geburtstag am 6. Dezember das Gebäck traditionell an Kinder verschenkt wurde.

Um den Heiligen Nikolaus ranken sich sehr viele Legenden. Eine davon – die Bekämpfung der Diana – ist besonders abstrus unlogisch. Nikolaus bekämpfte in seinem Heimatort Myra den Glauben an die alten römischen Götter. Er ließ daher einen der Diana geweihten Baum fällen. Daraufhin stellte die Göttin (die es laut Nikolaus ja gar nicht gab) griechisches Feuer her (das erst 400 Jahre später erfunden wurde) und versuchte damit in einer komplizierten Geschichte Seeleute auszutricksen, die nach Myra pilgerten, damit sie die dortige Kirche aus Versehen abfackelten. Nikolaus verhinderte das Unglück noch auf See und das göttliche Gebräu verbrannte auf dem Meer. Die Legende beweist also im Kern die Existenz römischer Götter, die über Zeitmaschinen verfügten.

Aber zurück zu den Motiven. Wikipedia weiß: „Die Abbildungen auf dem Gebäck stellen traditionell die Nikolausgeschichte dar, die durch Sortieren der Stücke anhand der Abbildungen erzählt werden konnte und etwa Motive wie Schiffe oder Pferde enthielten. Jedoch gibt es heute auch zeitgenössische belgische, niederländische oder deutsche Motive wie Bauernhäuser, Windmühlen, Schwäne oder Elefanten.“ In unserer Packung jedenfalls waren recht klar Nikolaus, Elefant, Schwan und Windmühle erkennbar. Aber was zur heiligen Diana ist das da?

Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare. Am besten auch den Bezug zur Nikolausgeschichte erklären. Oder selber eine Legende erfinden.
Einstweilen habe ich die Herstellerfirma angeschrieben und warte auf Aufklärung.

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