Wortschatz (2) – Per Taille gehen

Nie, nie, niemals je habe ich diesen Ausdruck gehört. Was nicht nur daran liegen mag, dass er dem Berlin des späten 19. Jahrhunderts entstammt. Sondern auch, weil ich mit Mode nicht viel anfangen kann.

Und wie flicht man nun diese Worte in eine Unterhaltung ein? Dazu muss man eine Berliner Frau sein und die Jahreszeit eine andere. Kaum wärmen die ersten Frühlingsstrahlen den Alexanderplatz, da sagt die Gnädigste zu Ihrer Perle: „Heute fahr‘ ick mit der Droschke in die Friedrichstraße und jehe per Taille flanieren.“ Kurz: ohne Jacke.

Wortschatz (1)

Kurz vor Weihnachten stolperte ich beim Osiander in die Abteilung „Kalender“. Ja, es gibt dort um den Jahreswechsel einen eigenen Raum für Almanache. Gräusliche, verwegene, seltsame, überflüssige und auch erstaunlich viele langweilige (Rabbithole). Obwohl ich selber schon einen Kalender hatte, fiel mir ein Exemplar aus der Sektion „interessant“ in die Hände, das vom Duden-Verlag herausgegeben wird. Was mich sofort an ein Geschenk von Helmut erinnerte, der mir mal das Duden-Kleinod „Wortfriedhof – Wörter, die uns fehlen werden“ zukommen ließ, das forthin in meinem Schnappsack weste. Heuer aber rodomontiere ich mit meinem Neuzugang „Vergessene Wortschätze 2026“. Zwischen vielen Wörter, die ich noch kenne und manchmal sogar nutze („der Dösbaddel wienert seinen Riechkolben“) tauchen an manchen Tagen Kleinode der deutschen Sprache auf, die ich noch nie zuvor gehört habe. Und auf der Rückseite werden sie erklärt. So ist z.B. dem Wiener das „Kaprizpolster“ ein kleines Kissen, mit dem er auf dem „Lottermann“ (Sofa) „napetzt“ (mittagschläft).

Heute starten wir die kleine Serie mit dem Kalenderblatt vom 10. Februar und einem Bibelspruch, den man vortrefflich als ironische Zurechtweisung beim Gähnen nutzen kann: Tobias 6, Vers 3. Wer zuhause kein Altes Testament rumliegen hat, darf auch das Internet nutzen.

Lieber Duden,

vielen Dank für die Zustellung deines neuen Katalogs direkt an unsere Blogadresse. Wir wissen es zu schötzen, dass du uns deine Novitöten direkt in die Hönde gibst. Dass du uns Spaß wünschst beim Blöttern und Stäbern, das freut uns sehr. Vor allem aber, dass du uns Gelegenheit bietest, dich – die Instanz der deutschen Rechtschreibung – zu korrigieren: Mässingen schreibt sich mit „ö“.

Deine Dia-Blogger.