Spekulationen über Spekulatius (2)

Weil wir neulich nur spekulieren konnten, welches Spekulatiusmotiv wir vor uns hatten, schrieb ich den Hersteller an:

Wir haben Gewürzspekulatius von Ihnen gekauft und fragen uns, was das beiliegende Motiv darstellen soll. Die Kinder haben auf Löwe oder Schaf getippt. Was ist richtig?

Netterweise antwortete das Unternehmen Borggreve sehr schnell:

Gerne lösen wir das Rätsel der Spekulatiuskekse für Sie auf. Es handelt sich bei den Gewürzspekulatius-Abbildungen um nachfolgende Motive:
– Nikolaus
– Elefant
– Schwan
– Löwe (wie auf Ihrem Bild)
– Windmühle
Der Ursprung, überhaupt Figürlichkeiten abzubilden, liegt unseres Wissens darin, Kindern (insbesondere Waisenkindern) zu Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten. Anfänglich kamen hauptsächlich kirchliche Motive (wie z.B. Engel) zum Einsatz. Dieses wandelte sich jedoch im Verlauf der Zeit und es kamen weitere Motive hinzu.“

Borggreve schweigt sich leider darüber aus, warum sie sich ausgerechnet für diese fünf Motive entschieden haben, vor allem aber: Welche Nikolaus-Legende erzählen sie?. Zum Glück leben wir im Jahr 2025 und fragen einfach die KI. Am besten eine europäische. Le Chat weiß dazu folgendes:

In der Nikolaus-Legende, die du meinst, handelt es sich wahrscheinlich um die bekannte Geschichte „Nikolaus und die drei verzauberten Prinzen“. Sie geht so:

Vor langer Zeit lebten drei Prinzen, die auf dem Weg nach Jerusalem waren, um dort zu beten. Unterwegs trafen sie auf einen bösen Zauberer, der sie in Tiere verwandelte: einen Elefanten, einen Löwen und einen Schwan. Der Zauberer hielt sie gefangen und zwang sie, für ihn zu arbeiten.

Eines Tages kam der heilige Nikolaus auf seiner Reise in das Dorf, in dem die Prinzen gefangen gehalten wurden. Die Dorfbewohner erzählten ihm von den seltsamen Tieren, die plötzlich aufgetaucht waren. Nikolaus erkannte sofort, dass hier ein böser Zauber am Werk war. Er betete für die Prinzen und brach den Fluch. Die Tiere verwandelten sich zurück in die drei Prinzen.

Als Dank für ihre Rettung schenkten die Prinzen dem heiligen Nikolaus drei Säcke Gold. Nikolaus aber wollte das Gold nicht für sich behalten. Stattdessen verteilte er es heimlich an die armen Familien im Dorf. Eine dieser Familien hatte drei Töchter, die ohne das Gold nicht hätten heiraten können. Das Gold landete über Nacht in ihren Schuhen, die sie vor dem Kamin getrocknet hatten.

Das ist natürlich eine völlig an den Haaren herbeigezogene KI-Halluzination. Zum einen gibt es keinen Beleg für die Geschichte. Zum anderen fehlt ganz offensichtlich die Windmühle. Ich fürchte, wir müssen selber eine Legende stricken – so wie schon viele Legendenerzähler vor uns. Hier sind schon mal die Spekulatiusse Spekulatien Spekulatianten Spekulassen Zutaten dazu:


Mahlzeit.

Spekulationen über Spekulatius

Eigentlich gibt es bei uns Weihnachtsgebäck erst ab dem 1. Advent. Mit Schaudern fotografieren wir jedes Jahr im Sommerurlaub die Dominosteine in österreichischen Supermärkten. Aber wenn grad keiner hinschaut, knabbern auch wir schon Ende November die eine oder andere Leckerei, die nach Kardamom, Gewürznelke oder Zimt riecht. Zum Beispiel Spekulatius. Dieses Formgebäck aus gewürztem Mürbeteig in Form von figürlichen Darstellungen triggert das mitteleuropäische Hirn sofort zu Assoziationen mit winterlichem Wetter, Ofenfeuer, Kerzen und Punsch.

Neulich öffneten wir die erste Spekulatius-Packung, erbrachen das weihnachtliche Siegel und schaufelten uns das süchtigmachende Gebäck mit beiden Händen in die triefenden Lefzen. Nachdem der erste Wahn versabbert war und erste Anzeigen von Magenverstimmung auftraten, kam eine Diskussion auf, die vermutlich an jedem Weihnachtstisch Jahr für Jahr stattfindet: Was um aller Welt ist denn darauf abgebildet? Das leichteste Motiv dürfte die Windmühle sein, einfach auszurechnen, weil „Speculaas“ schließlich aus Holland kommt. Der Name entstammt im übrigen der lateinischen Bezeichnung für Bischof, der kirchenadministrativ ein Aufseher, also „speculator“ war. Und das wiederum war ein Beiname des Heiligen Nikolaus, an dessen Geburtstag am 6. Dezember das Gebäck traditionell an Kinder verschenkt wurde.

Um den Heiligen Nikolaus ranken sich sehr viele Legenden. Eine davon – die Bekämpfung der Diana – ist besonders abstrus unlogisch. Nikolaus bekämpfte in seinem Heimatort Myra den Glauben an die alten römischen Götter. Er ließ daher einen der Diana geweihten Baum fällen. Daraufhin stellte die Göttin (die es laut Nikolaus ja gar nicht gab) griechisches Feuer her (das erst 400 Jahre später erfunden wurde) und versuchte damit in einer komplizierten Geschichte Seeleute auszutricksen, die nach Myra pilgerten, damit sie die dortige Kirche aus Versehen abfackelten. Nikolaus verhinderte das Unglück noch auf See und das göttliche Gebräu verbrannte auf dem Meer. Die Legende beweist also im Kern die Existenz römischer Götter, die über Zeitmaschinen verfügten.

Aber zurück zu den Motiven. Wikipedia weiß: „Die Abbildungen auf dem Gebäck stellen traditionell die Nikolausgeschichte dar, die durch Sortieren der Stücke anhand der Abbildungen erzählt werden konnte und etwa Motive wie Schiffe oder Pferde enthielten. Jedoch gibt es heute auch zeitgenössische belgische, niederländische oder deutsche Motive wie Bauernhäuser, Windmühlen, Schwäne oder Elefanten.“ In unserer Packung jedenfalls waren recht klar Nikolaus, Elefant, Schwan und Windmühle erkennbar. Aber was zur heiligen Diana ist das da?

Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare. Am besten auch den Bezug zur Nikolausgeschichte erklären. Oder selber eine Legende erfinden.
Einstweilen habe ich die Herstellerfirma angeschrieben und warte auf Aufklärung.