Wo? Wie? Was?

Der Mensch ist ja eitel. Dem darf ich mich nicht entziehen. Also google ich nach der von mir mitveranstalteten Bloglesung „Das Letz niest V“ in der festen Überzeugung, diese fände kommenden Sonntag abend im Tübinger Zimmertheater statt. So jedenfalls war das vereinbart. Nun führt jedoch ein Suchmaschinenlink auf die Webseite des Landestheaters Tübingen (LTT), die mir anzeigt, dass wir anscheinend zeitgleich auch den innerörtlichen Theaterkonkurrenten bespielen (Nachtrag 17:26 Uhr: Jetzt geht dieser Link woanders hin. Hm.):

Nanu. Habe ich mit den falschen Leuten telefoniert? Oder wurden wir weiterverkauft? Gab es eine Ablösesumme? Warum haben wir nichts davon erfahren? Ich will schon zum Hörer greifen, da sehe ich, dass die Veranstaltung zwar im Spielplan des LTT aufgeführt ist, als Veranstaltungsort aber das Zimmertheater angegeben wird.

Das ist ja nett vom LTT, denke ich, dass die auf das Konkurrenzangebot hinweisen. Das Zimmertheater macht sowas meines Wissens nicht.

Die weitere Recherche ergibt: Das Landestheater Tübingen auch nicht. Zumindest nicht freiwillig. Der Witz an der Sache ist, dass die Webseite des LTT auf eine externe Datenbank zugreift, die nicht nur das Programm des LTT gespeichert hat, sondern auch das der Konkurrenz.

Es gibt noch weitere Webseiten, die diese Datenbank benutzen, so zum Beispiel Partykel, das „Kultur- und Nightlifeportal für die Region Tübingen und Reutlingen“, aber auch die ulm-news mit „Nachrichten für Ulm und Umgebung“, das Albmag oder das Stuttgarter Stuggi.info. Während all dies Veranstaltungseiten sind, kommt es einem doch etwas seltsam vor, die eigene Bloglesung auch auf einer Tourismusseite wie „Unser Bad Urach“ oder der rabenschwarzen Dunklen Seite wiederzufinden.

Wie passiert so etwas? Schaut man sich die URLs der jeweiligen Webseiten an, erkennt man in events/view/id/43336/date/1306015200 ein wiederkehrendes Schema. Diese Angaben verweisen offensichtlich auf den Eintrag von „Das Letz niest“ in ein und derselben Datenbank. Das ist schlau, denn so benötigt man tatsächlich nur eine einzige Datenbank für eine Vielzahl von Webseiten. Und da die Webseiten nur auf den Teil der Datenbank zugreifen, der für sie interessant ist, merkt Otto Normalveranstalter auch gar nichts davon, dass die Veranstaltung des direkten Konkurrenten nur einen Klick entfernt lauert.

Anders ist dies mit den Suchmaschinen, die ihre Searchbots – auch „Spider“ genannt – durchs Netz schicken und jeden denkbaren Link verfolgen. Ein solcher Spider hat offensichtlich die Zimmertheater-Veranstaltung mit dem LTT-Veranstalter in Verbindung gebracht und auf mein Geheiß ausgegoogelt. Man kann Spider über so genannte Metatags oder eine robots.txt genannte Datei davon abhalten, so etwas zu tun, was im vorliegenden Fall anscheinend versäumt wurde – wohl, weil es wahrscheinlich recht aufwändig wäre, solche Kombinationen per Programm zu verhindern.

Sinnvoller dürfte dagegen eine Abfrage sein, die bei bestimmten Webseiten – wie z.B. der des LTT – wirklich nur die Veranstaltungen anzeigt, die angezeigt werden sollen, nämlich die des LTT. Sonst kann sich nämlich jeder einen Spaß daraus machen, Webseiten mit Events oder Bildern zu verknüpfen, die definitiv nicht zusammengehören. So kann ich dem Zimmertheater Tübingen mit der entsprechend eingegebenen URL eine Einführung in die Homöopathie (Nachtrag 17:26 Uhr: Auch dieser Link führt jetzt woanders hin. Hm hm.) verpassen …

… oder auf der durchs Wissenschaftsministerium geförderten Seite Orchester und Schule eher unpassende Bilder einfügen:

Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass das Unternehmen, das diese Datenbank betreibt, schlampig gearbeitet hat. Und Menschen, die sich mit Programmierung nicht auskennen, würden wohl nie auf die Idee kommen, so mit URLs umzugehen. Die Gefahr, dass Kombinationen wie die beschriebenen entstehen, ist daher relativ gering. Ich würde das ganze daher in die Kategorie „Schönheitsfehler“ einordnen.

Dennoch war der Ausgangspunkt für die geschilderten Überlegungen tatsächlich eine einfache Google-Recherche, die suggerierte, dass das Programm des einen Theaters im anderen Theater stattfände. Und das ist wohl nicht im Sinne des Erfinders, der deshalb auch um eine Stellungnahme gebeten wurde.

Übrigens gefiel mir persönlich die Webseite des Sirchinger Malermeisters Reichenecker am besten, die „Das Letz niest“ zwischen Trockenbau und Schimmelschutz anpreist (Nachtrag 18.5., 14:50 Uhr: Jetzt ist auch diese Seite „repariert“):

PS: Als ich versehentlich den URL-Teil, der auf „Das Letz niest“ verweist, an diese unsere Webseite anhängte, war ich mehr als verblüfft, als ich feststellte, wohin das nun führte. Seht selbst. Den Trick verrate ich vielleicht ein anderes Mal.

3 Gedanken zu „Wo? Wie? Was?

  1. Hallo Uli,
    danke für den Hinweis auf diesen „Schönheitsfehler“ ;)

    Wie du ja bereits festgestellt hast, haben wir auch sofort darauf reagiert, jedoch nicht so wie von dir vorgeschlagen, da es für die Veranstalter natürlich ein Schuss ins Knie wäre, wenn wir die Searchbots über eine robots.txt aussperren würden. Denn Veranstalter sehen es schon gerne, wenn ihre Veranstaltungen gefunden werden – im Zweifel lieber auch auf unpassenden Seiten, als gar nicht ;)
    Auch der zweite Vorschlag ist wenig praktikabel, wie am Beispiel des LTT deutlich wird: das LTT ist manchmal nur Vernstaltungsort für externe Gruppen (man denke etwa an Theatersport), manchmal müssen auf der LTT-Homepage aber auch Veranstaltungen angezeigt werden, bei denen das LTT an anderen Veranstaltungsorten gastiert.
    Die Lösung war letztlich eine zusätzliche Abfrage, die überprüft, ob die betreffende Veranstaltung auch im Veranstaltungsplan der betreffenden Internetseite angezeigt wird – ist dies nicht der Fall, wird auf einen allgemeinen Kalender weitergeleitet…

    Aber wenn wir gerade bei kleineren Schönheitsfehlern sind: Ich kann zwar durchaus nachvollziehen, dass es aus dramaturgischen Gesichtspunkten verlockend erscheint, folgendes zu schreiben:

    „Während all dies Veranstaltungseiten sind, kommt es einem doch etwas seltsam vor, die eigene Bloglesung auch auf einer Tourismusseite wie “Unser Bad Urach” oder der rabenschwarzen Dunklen Seite wiederzufinden.“

    Jedoch: Bei diesen beiden von dir erwähnten Seiten handelt es sich ebenfalls um Veranstaltungsseiten. Da fragt man sich dann schon, wieso es einem „seltsam“ vorkommen sollte, die Veranstaltung „Das Letz niest“ auf diesen Seiten zu sehen? Weil Menschen, die in Bad Urach Urlaub machen per se nicht qualifiziert sind, um an solchen Veranstaltungen teilzunehmen? (btw. Tübingen ist bei Menschen, die in Bad Urach Urlaub machen, ein beliebtes Ziel für kleine „Abstecher“…). Weil du es ungern sehen würdest, dass Menschen die in der Schwarzen Szene unterwegs sind, bei dieser Veranstaltung auftauchen? (btw. gerade bei Anhängern dieser musikalischen Subkultur besteht eine sehr große Affinität zum Medium Internet).

    Mit einem dicken fetten Augenzwinkern grüßt dich
    Stephan

  2. @Stephan: Du hast recht: Das war der Dramaturgie des Beitrags geschuldet. Denn in Wirklichkeit lieben wir Uracher. Und schwarzgekleidete Menschen sind uns herzlich willkommen. Am besten beides.

    Uracher Gothic-Fans: Kommet zuhauf! Grabenstettener Emos: Seid umarmt! Hülbener Death-Metaller: Schwingt die Hufe nach Tübingen! Immerhin liest auch der Schöpfer der Fledermaus Fürst Frederick Fon Flatter bei uns.

    Im übrigen: Kompliment für die schnelle Reaktion.
    Jetzt hat’s uns die schönen Links versaut.

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