Zwanziger

Nein, diesmal geht es nicht um Fußball. Vielmehr um Vergesslichkeit, also äh … Achso: Weil ich wg. Urlaubs tootaal vergessen hatte, das versprochene Kreuzworträtsel fertig zu machen, musste ich das in den letzten zwei Tagen nebenher nachholen. Dabei machte sich wieder einmal mein Reader’s Digest Kreuzworträtsellexikon (Band 2), das ich einst den Klauen eines minderbemittelten Antiquars entreißen konnte, überaus nützlich, denn hier stehen die Rätsel umgekehrt drin. Also zuerst das Wort und dann das Rätsel. Das ist genial.

Brauche ich zum Beispiel ein Wort mit sieben Buchstaben, bei dem der 3. und 4. Buchstabe schon feststehen, nämlich T und J, dann würde ich normalerweise „Heiliger Buchstabengott!“, denken und dann ebenso stumm wie intensiv fortfahren: „Steh mir bei! Wie konnte das bloß passieren? Hätte ich nur nicht so voreilig JENA festgelegt!“ Weil ich aber ein Reader’s Digest Kreuzworträtsellexikon (Band 2) mein eigen nenne, wuchte ich das geschätzte zweieinhalb Kilo schwere Wunderwerk auf den Schreibtisch, blättere bis zur Seite 581 und habe prompt die Qual der Wahl: Von ARTJOMA (Insel im Kasp. Meer) über HOTJAZZ (Jazzstil) bis WOTJAKE (Ostfinne d. Udmurten) reicht die Palette, und da habe ich noch KATJANG (ostind. Bohnenbaum) und OSTJAKE (Westsibirier, Chante) unterschlagen, weil sie viel zu schwer für meine Rätselrater sind.

Erzählen wollte ich aber etwas ganz anderes. Nämlich … Ah. Ich blätterte also mein Reader’s Digest Kreuzworträtsellexikon (Band 2) durch und merkte, dass ich noch nie auf der letzten Seite war. Ein Versäumnis, denn hier tummeln sich deutsche Wörter mit 20 Buchstaben: die Zwanziger! Ihr könnt euch nicht vorstellen, was es da von ANTIQUITAETENSAMMLER (Liebhaber antiker Stücke) bis WINTERSCHLUSSVERKAUF (Warenräumungsaktion) alles gibt. Besonders schön finde ich ja BEWUSSTSEINSSPALTUNG (dt. für: Schizophrenie) und GEHIRNERSCHUETTERUNG (Folge von Gewalteinwirkung auf d. Kopf), wobei auch HAUSMACHERLEBERWURST (Brotaufstrich, Fleischprodukt) und REISESCHREIBMASCHINE (transportables Bürogerät) ihren eigenen Charme haben.

Besonders auffällig aber ist die Häufung von Amtssprache. Und da drängt sich einem die Vorstellung auf, wie ein Polizeibeamter von seinem mit Hausmacherleberwurst belegten Vesperbrot abbeißt, sich über seine Reiseschreibmaschine beugt und folgendes zu Protokoll gibt:

„Nach Ablauf seiner AUFENTHALTSERLAUBNIS (behördl. Genehmigung für Ausländer) wurde er in einem BEHERBERGUNGSBETRIEB (Hotel, Pension) durch die BEREITSCHAFTSPOLIZEI (einsatzfähige Sicherheitstruppe) in Haft genommen, was auch ein Eingreifen der BERUFSGENOSSENSCHAFT (Körperschaft d. öffentl. Rechts) erforderlich machte, weil dies eine vorliegende EINFUHRBESCHRAENKUNG (teilweises Importverbot) verletzte, wodurch auch das EINWOHNERVERZEICHNIS (amtl. Liste d. Bewohner e. Orts) Gegenstand von einem ERMITTLUNGSVERFAHREN (Aktion d. Staatsanwaltschaft) wurde, weil ein namentlich nicht näher bezeichneter LANDTAGSABGEORDNETER (Volksvertreter (Bundesland)), der gleichzeitig auch REGIERUNGSPRAESIDENT (hoher Verwaltungsbeamter) ohne STAATSANGEHOERIGKEIT (Nationalität e. Menschen) war, dem UNTERSUCHUNGSRICHTER (Jurist) unter Berufung auf die VERSAMMLUNGSFREIHEIT (demokrat. Grundrecht) unterstellt hatte, ihn habe die WELTWIRTSCHAFTSKRISE (globale Ökonomieprobleme) in die ZAHLUNGSUNFAEHIGKEIT (Insolvenz, Illiquidität) getrieben.“

Was ich damit sagen wollt? Äh … habe ich vergessen.

Ein Gedanke zu „Zwanziger

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