Die Traufgängerinnen

Ja, genau, Thaddäus Troll wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. Eine gute Gelegenheit, abseits von Berliner Schwabenhass oder beschaulichem Kehrwochengetue auf die schwäbische Seele hinzuweisen, genauer gesagt: die älblerische. Denn die Schwäbische Alb, also der Ort, wo der Stuttgarter „sai Feriaheisle“ stehen hat und wohin der Unterländer mit seiner Trupps vom Schwäbischen Albverein die Wochenenden abzulaufen pflegt, diese Alb ist womöglich die Essenz des Schwäbischen. Die Äcker sind steiniger, der Dialekt härter und die Menschen starrköpfiger.

Niemand fängt diese Essenz in Wort, Bild und Ton perfekter ein als die „Traufgängerinnen“ Susanne Wahl und Mona Weiblen. Unter der Regie von Uta Krause schaffen es Mutter und Tochter samt „Saidkick“ und Musiker Til Eder in ihrer Albrevue, die Weite der Alblandschaft mit einem ebenso breiten künstlerischen Instrumentarium zu bearbeiten.

Das beginnt bei den Alb-Bildern von Susanne Wahl, die die passende Kulisse für wortkarge Dialoge, maultaschenvolle Münder oder kittelbeschürzte Kehrwisch-Derwische bilden. Es geht über die Texte, die entweder passgenau dem schwäbischen Dichterkanon entnommen wurden oder der eigenen, mal leichtfüßig, mal schwäbisch-phlegmatisch geführten Feder entstammen, und die dem Älblersein hülentief auf den Grund gehen. Und es endet nicht mit der kongenialen Musik, die von „Muaders Stübele“ bis zur schwäbischen Variante des Sinatra-Heulers „Somethin‘ stupid“ reicht – „I mog di“.

Dabei ist diese Albrevue nur bedingt für Unterländer geeignet, für Nichtschwaben möglicherweise sogar unverständlich. Der Älbler selbst aber fühlt sich hier endlich einmal auch auf der Bühne verstanden, ein Kunststück, das sonst allenfalls den Melchinger Lindenhöflern gelingt. Kein Wunder war bislang jede der sechs Aufführungen in Windeseile ausverkauft. Für Älbler also ein Muss, für Schwaben ein Soll und für alle anderen einen faszinierenden Reigen aus Bild, Text und Ton, der viel tiefer reicht, als es mancher Schenkelklopfer vermuten lässt.

Multikünstlerin Susanne Wahl, Musicalstudentin Mona Weiblen und Musikarchitekt Til Eder haben eine Albcollage geschaffen, die sprachlich, musikalisch und optisch mitreißt. Sie schaut dem Älbler durchs Hirn ins Herz und geht dem Älbler durch Herz ins Hirn.

Weitere Kritiken lassen sich dem Reutlinger General-Anzeiger sowie der Südwest Presse entnehmen. Eindrückliche Bilder hat das Alb-Magazin beim Auftritt in Würtingen geschossen. Auch die Karten für die nächsten Termine dürften wieder schnell ausverkauft sein:

  • Sonntag, 27. April, 18.30 Uhr, Kelter Grafenberg
  • Freitag, 16. Mai, 20 Uhr, Bürgerhaus am Anger, Dettingen/Erms
  • Sonntag, 18. Mai, 18 Uhr, Bürgerhaus am Anger, Dettingen/Erms

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.