Durch kürzere Arbeitszeiten den Planeten retten?

Hä?

Michael Kopatz hat in einem Gastbeitrag für die Klimareporter eine Idee: „Wenn die Menschen weniger Zeit mit der Erwerbsarbeit verbringen und damit auch weniger verdienen, kaufen sie auch weniger entbehrliche Produkte. Das verringert zugleich den Energie- und Ressourcenverbrauch.“

Als ich das las, fielen mir einige ABER ein.

Aaaber nach nochmaligem Lesen denke ich jetzt: Kopatz hat recht. Leider ist die Zeit vorbei, in der man noch Zeit hatte, mit konventionellen, mit dem jetzigen System konformen Methoden irgend etwas zu retten. Es hätte zwar auch nicht funktioniert, man hätte aber mehr Zeit gehabt. Jetzt muss das ganze System sehr schnell gewechselt werden. Die Klimafrage muss mit der sozialen Frage verknüpft werden. Und die Ökonomie mit der Ökologie. Eigentlich ganz einfach.

Lest diesen Beitrag.

Qujanarsuaq!

Als wir vor 15 Jahren in Grönland waren, gab es dort zwei große Themen: Das erste war der Rückgang der Gletscher und das konnte jeder und jede sehen. Das zweite war die Bestrebung der größten Insel der Welt, mithilfe der inseleigenen Rohstoffe unabhängig zu werden. Grönland hat zwar seit 1979 ein eigenes Parlament und ist „nur“ noch autonomer Bestandteil Dänemarks. Aber erst mit der Einführung der Selvstyre („Selbstverwaltung“) 2009 verfügt Grönland über das Recht an den eigenen Rohstoffen. Das – und die geopolitisch interessante Lage Grönlands – brachte zum Beispiel Donald Trump 2019 auf die Idee, die ganze Insel einfach zu kaufen.

Flagge Grönlands

Grönland ist aber nicht nur unverkäuflich, sondern geht auch mit seinen Rohstoffen besser um als der Rest der Welt. Die Regierung gab kürzlich bekannt, dass Grönland darauf verzichtet, die Erdölvorkommen in seinen Küstengewässern zu erschließen und stattdessen auf Erneuerbare Energien setzt. Kalistat Lund, Minister* für Landwirtschaft, Selbstversorgung, Energie und Umwelt: „Naalakkersuisut [die Regierung] takes climate change seriously. We can see the consequences in our country every day, and we are ready to contribute to global solutions to counter climate change.“

Grönland heult nicht rum, man verursache doch nur x% des Klimawandels und könne ja sowieso nichts machen. Sondern handelt verantwortungsvoll.

Dankeschön, Grönland. Qujanarsuaq!

[Entdeckt in energiezukunft]

* In der ersten Fassung dieses Beitrags hatte ich geschrieben, Kalistat Lund sei Ministerin, er ist aber Minister. Das kommt vom Abschreiben.

Nagelfluhkettengratwanderung

Diablogbetriebsausflug! Noch bis zum Abreisetag wurde täglich die Nebelhornwebcam bemüht, aber es half alles nichts: Der Hochvogelbesteigungsplan scheiterte am Wanderwegschneebedeckungsgrad von 80%. Also nahmen wir eine tiefergelegte Route ins Visier und machten uns an die Nagelfluhkettengratwanderung. Klitzekleine Planungsunachtsamkeit: Auf Gratwanderungen stößt man so oft auf Quellen wie in der Wüste, nämlich nie. Man tut also gut daran, mehr als einen Liter Wasser pro Person mitzunehmen, insbesondere, wenn man 32 Kilometer über 17 Gipfel erwandert und gleichzeitig in die erste große Hitzewelle des Sommers hineinläuft.

Trollblumen am Imberg

Trollblumen am Imberg

seilversicherter Abstieg vom Hochhädrich

seilversicherter Abstieg vom Hochhädrich

sportlicher Klettersteigaufstieg zum Falken

sportlicher Klettersteigaufstieg zum Falken

Dunstverhangener Blick nach Süden in die Allgäuer Alpen. Rechts der Ifen, schräg rechts dahinter der Widderstein

Dunstverhangener Blick nach Süden in die Allgäuer Alpen. Rechts der Ifen, schräg rechts dahinter der Widderstein

Erste und einzige Wasserstelle: Kuhtrog samt Zeltplatz vor dem Seelekopf

Erste und einzige Wasserstelle: Kuhtrog samt Zeltplatz vor dem Seelekopf

Abendstimmung mit Hochvogelblick. Das Zelt ruft.

Abendstimmung mit Hochvogelblick. Das Zelt ruft.

Um nicht am nächsten Morgen mitten in einer Kuhherde aufzuwachen, sind wir um 7 schon wieder auf der Piste. Und eine Stunde später auf dem höchsten Gipfel der Kette, dem Hochgrat. Als Kind stand ich hier schon oben. Damals gab es noch keine Seilbahn hier hinauf. Das änderte sich Anfang der 70er. Interessant dazu die ersten zwei Sätze auf Wikipedia: „Am 4. Oktober 1963 wurde die Hochgratkette mit 5600 Hektar als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. 1971 begann [man] mit dem Bau der Gondelbahn zum Hochgrat, die 1972 eröffnet wurde.“ Wie das zusammenpasst, versteht man, wenn man weiß, wem die Hochgratbahn gehört: Maria Erich Wunibald Aloysius Georg Graf von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, in Oberschwaben sagt man: „Der Fürst“. Die Familie ist einer der größten privaten Grundbesitzer Deutschlands, hält Anteile an Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern , eine Kette von Rehabilitationskliniken und vieles mehr. Das Privatvermögen der Familie wird auf etwa 650 Millionen Euro geschätzt. Will man wissen, woher es stammt, lohnt ein Blick in die Geschichtsbücher und auf einen prominenten Vertreter des Hauses Waldburg-Zeil: Den Bauernjörg, der seinen Namen im Bauernkrieg (1524-26) wegen seines grausamen und erbarmungslosen Durchgreifens gegen die aufständischen Bauern erhielt.

Blick vom Hochgrat ins Allgäu.

Blick vom Hochgrat ins Allgäu.

Neugierige Alpendohle auf dem Buralpkopf

Neugierige Alpendohle auf dem Buralpkopf

Blick zurück zum Gündleskopf und  Rindalphorn (hinten)

Blick zurück zum Gündleskopf und Rindalphorn (hinten)

Blick nach vorn zum Stuiben

Blick nach vorn zum Stuiben

Auf und ab - typische Passage am Sedererstuiben

Auf und ab – typische Passage am Sedererstuiben

17 Meter lange Leiter am Steineberg. This is the way.

17 Meter lange Leiter am Steineberg. This is the way.

Der Rest war Trinken.

Bambus

Was Bambus macht, wenn man mal zwei Wochen nicht hinschaut:

kleiner Bambuswald in unserem Garten

Sechs Meter wachsen.

Was wir aus Bambus machen, wenn er uns über den Kopf wächst:

Bambusgerüst vor Nachbars Haus

Klettergerüst für Himbeeren und Kiwis in Nachbars Vorgarten.

Schilda (4) – Märchenhaft

Steintafel mit der Inschrift "Dem Steigenden werden Gärten der Schönheit zu Wüsten der Unbedeutenheit."

Ich hätte ja geschworen, Hölderlin hätte dies verfasst, es war aber Christian Morgenstern, wenn man dem Internet glauben mag. Zu finden ist das Zitat in einer Mauer am Pfaffenberg bei Wendelsheim, bekannt und berühmt für seinen Märchensee. Dieser entstand praktisch über Nacht in einem Steinbruch. Die Betreiber versuchten noch, das Wasser über einen Graben abfließen zu lassen. Das gelang aber nicht – zum Glück, denn heute ist der Märchensee ein wunderschönes Wanderziel. Man erreicht ihn am besten von Wendelsheim aus. Vom Parkplatz an der Grundschule steigt man durch die Weinberge nach oben, kommt dabei an dem Morgensternzitat vorbei und spürt sogleich die eigene Unbedeutenheit (die zu Zeiten der Brüder Grimm auch noch so geschrieben wurde).

Steintafel in Mauer mit der Inschrift "Dem Steigenden werden Gärten der Schönheit zu Wüsten der Unbedeutenheit."

Schilda (3) – Zusatzinfo

Schild mit der Aufschrift "Burgruine Greifenstein - Achtung! Absturzgefahr! Betreten auf eigene Gefahr!"

Wer weiß, dass nicht weit davon entfernt eine hübsche, blau-rot angemalte Bude situiert ist, kann sich mit ein klein wenig Vorstellungskraft ein Bild davon machen, wessen Hand hier eine wichtige zusätzliche Information hinterlassen hat.

Hinter "Absturzgefahr!" handschriftlich hinzugefügt: "Bei mir eh zu 120%!"

Beim Aufschreiben fällt mir ein, dass der nahegelegene Ort schon einmal in diesem Blog erwähnt wurde. Im allerersten Beitrag vor 15 Jahren.

Schilda (1)

Schilder sind überall. Sie weisen uns die Richtung, schaffen Ordnung, vermitteln Regeln, erklären die Welt und machen sie idealerweise besser. Die meisten Schilder verstehen wir, weil wir für die Führerscheinprüfung gebüffelt haben, weil wir uns gerne helfen lassen und weil sich schlaue Designer überlegt haben, welche Zeichen und Schriften sich am besten für die Informationsübermittlung eignen. Gelegentlich gibt es unklare Schilder oder einfach zu viele. In diesem Blog werden ab sofort ebenfalls Schilder gesammelt, die aus irgendwelchen Gründen bemerkenswert sind.

Schild mit Aufschrift "Riese beklettern verboten! ELtern haften für Ihre Kinder."

Dieses hier zum Beispiel wirft erst auf den zweiten Blick Fragen auf. Dass Kinder besser nicht auf Riesen klettern sollten, ist insbesondere aus Sicht des Riesen nachvollziehbar, selbst wenn man nur einige wenige von Ihnen kennt. Irritierend hingegen ist das große „I“ in „Ihre“. Wer sollen denn diese „Eltern“ sein, die für meine Kinder haften? Wie weit geht die Haftung? Betrifft das nur die Beschädigung des Riesen oder auch die meiner Kinder? Wie erreiche ich diese Eltern? Hier handelt es sich um ein Schild, das nicht wirklich weiterhilft.

Das Osterei

Bunte OstereierNeulich, es war kurz vor Ostern, fragte mich meine Nichte, warum ich eigentlich so wenig rede. Zwei anwesende weibliche Familienmitglieder antworteten für mich. Aber bevor ich das auch nur kommentieren konnte, hatte die Unterhaltung bereits eine andere Wendung genommen. Es ging um Ostereier und dass die weißen Eier derzeit rar seien und man sie von Hand im Eierregal zusammensuchen müsse, es sei ja voll von braunen Eiern und die bio seien sowieso meist braun und was eigentlich das beste Färbemittel sei, achja, Zwiebelschalen natürlich am besten, aber mehr Farbvielfalt wäre ja auch nicht schlecht, ja schon, aber dann auch bio, und wie lang man die Eier mindestens kochen sollte, damit sie wirklich hart seien, da hat man ja schon die tollsten Dinge erlebt, auf jeden Fall nicht unter 10 Minuten. Ich nickte.

Zum Ostersonntagsfrühstück gab es dann die lang ersehnten, bunten Hasenerzeugnisse. Ich nahm mir ein grünes, klopfte es ordnungsgemäß am Hinterkopf auf, pellte die Schale und schnitt das Ei in der Mitte durch. Dann noch einmal. Vier schöne Viertel. Innen drin vielleicht ein bisschen weich. Sechs Frauenaugen folgten meinen Bewegungen.

Ich: „Hm.“
Frau: „Was ist? O Gott, ist es nicht durch?“
Tochter 1 (13): „Das ist ja ganz weich.“
Tochter 2 (5): „Was ist weich?“
F: „Ist es nicht durch? Wir haben alle so lange gekocht, das kann doch gar nicht sein.“
T1: „Es ist eines von den grünen. Ich habe mir das schon gedacht.“
F: „Wer hat denn die grünen gemacht?“
T2: „Ich nicht!“
T1: „Kunststück. Du hast ja gar keines gekocht.“
T2: „Sag ich ja.“
F: „Ist es durch?“
T1: „Es ist weich, siehst du doch. Ist das jetzt schlecht?“
F: „Nach so kurzer Zeit kann das nicht sein.“
T1: „Die grünen haben wir als zweite gemacht. Davor die orangenen. Und dann die blauen.“
T2: „Ich mag die pinken am liebsten.“

Ich nahm den Salzsteuer und bestreute die Eierviertel. Der Salzstreuer arbeitete unpräzise. Ich schaute mir sein Lochmuster an. Sechs Löcher weniger wäre besser.

F: „Wir hätten sie länger drinlassen sollen.“
T1: „Aber die waren doch mindestens 10 Minuten drin.“
F: „Das reicht normalerweise ewig. Wenn weiche Eier viereinhalb brauchen, dann müssten die nach zehn Minuten bockelhart sein.“
T1: „Mindestens zehn.“
T2: „Ich kann schon bis zehn zählen. Eins, zwei, drei, vier …“
T1: „Jaja.“
T2: … fünf, sechs, sieben, …“
T1: „Das will jetzt grad keiner wissen.“
T2: „… wohl … acht, neun, zehn. Siehst du!“

Ich nahm eines der Viertel und schob es mir in den Mund.

Ich: „Hm.“
F: „O Gott, ist es doch schon schlecht geworden?“
T1: „Da kann man Salmonellen kriegen.“
T2: „Ich will auch Solomellen.“
T1: „Das willst du nicht. Und es heißt Salmonellen.“
T2: „Weiß ich selber. Weißt du gar nicht. Was ich will.“ (heult) „Mama! Ich will auch Solomellen!“
F: „Lieber nicht. Von Salmonellen wirst du krank.“
T2: „Warum isst Papa dann die Solomellen?“
T1: „Salmonellen!“
T2: „Weiß ich selber, du grünes Ei!“
F: „Was ist jetzt? Warum verziehst du das Gesicht?“
T1: „Spuck’s aus! Das ist doch gefährlich!“
T2: „Muss Papa sterben?“
F: „Quatsch. Aber ich würd’s jetzt auch nicht mehr essen. Was ist denn jetzt?“
T1: „Papa, nicht essen!“
T2: „Warum guckst du so?“

Ich: „Versalzen.“