Schilda (1)

Schilder sind überall. Sie weisen uns die Richtung, schaffen Ordnung, vermitteln Regeln, erklären die Welt und machen sie idealerweise besser. Die meisten Schilder verstehen wir, weil wir für die Führerscheinprüfung gebüffelt haben, weil wir uns gerne helfen lassen und weil sich schlaue Designer überlegt haben, welche Zeichen und Schriften sich am besten für die Informationsübermittlung eignen. Gelegentlich gibt es unklare Schilder oder einfach zu viele. In diesem Blog werden ab sofort ebenfalls Schilder gesammelt, die aus irgendwelchen Gründen bemerkenswert sind.

Schild mit Aufschrift "Riese beklettern verboten! ELtern haften für Ihre Kinder."

Dieses hier zum Beispiel wirft erst auf den zweiten Blick Fragen auf. Dass Kinder besser nicht auf Riesen klettern sollten, ist insbesondere aus Sicht des Riesen nachvollziehbar, selbst wenn man nur einige wenige von Ihnen kennt. Irritierend hingegen ist das große „I“ in „Ihre“. Wer sollen denn diese „Eltern“ sein, die für meine Kinder haften? Wie weit geht die Haftung? Betrifft das nur die Beschädigung des Riesen oder auch die meiner Kinder? Wie erreiche ich diese Eltern? Hier handelt es sich um ein Schild, das nicht wirklich weiterhilft.

Das Osterei

Bunte OstereierNeulich, es war kurz vor Ostern, fragte mich meine Nichte, warum ich eigentlich so wenig rede. Zwei anwesende weibliche Familienmitglieder antworteten für mich. Aber bevor ich das auch nur kommentieren konnte, hatte die Unterhaltung bereits eine andere Wendung genommen. Es ging um Ostereier und dass die weißen Eier derzeit rar seien und man sie von Hand im Eierregal zusammensuchen müsse, es sei ja voll von braunen Eiern und die bio seien sowieso meist braun und was eigentlich das beste Färbemittel sei, achja, Zwiebelschalen natürlich am besten, aber mehr Farbvielfalt wäre ja auch nicht schlecht, ja schon, aber dann auch bio, und wie lang man die Eier mindestens kochen sollte, damit sie wirklich hart seien, da hat man ja schon die tollsten Dinge erlebt, auf jeden Fall nicht unter 10 Minuten. Ich nickte.

Zum Ostersonntagsfrühstück gab es dann die lang ersehnten, bunten Hasenerzeugnisse. Ich nahm mir ein grünes, klopfte es ordnungsgemäß am Hinterkopf auf, pellte die Schale und schnitt das Ei in der Mitte durch. Dann noch einmal. Vier schöne Viertel. Innen drin vielleicht ein bisschen weich. Sechs Frauenaugen folgten meinen Bewegungen.

Ich: „Hm.“
Frau: „Was ist? O Gott, ist es nicht durch?“
Tochter 1 (13): „Das ist ja ganz weich.“
Tochter 2 (5): „Was ist weich?“
F: „Ist es nicht durch? Wir haben alle so lange gekocht, das kann doch gar nicht sein.“
T1: „Es ist eines von den grünen. Ich habe mir das schon gedacht.“
F: „Wer hat denn die grünen gemacht?“
T2: „Ich nicht!“
T1: „Kunststück. Du hast ja gar keines gekocht.“
T2: „Sag ich ja.“
F: „Ist es durch?“
T1: „Es ist weich, siehst du doch. Ist das jetzt schlecht?“
F: „Nach so kurzer Zeit kann das nicht sein.“
T1: „Die grünen haben wir als zweite gemacht. Davor die orangenen. Und dann die blauen.“
T2: „Ich mag die pinken am liebsten.“

Ich nahm den Salzsteuer und bestreute die Eierviertel. Der Salzstreuer arbeitete unpräzise. Ich schaute mir sein Lochmuster an. Sechs Löcher weniger wäre besser.

F: „Wir hätten sie länger drinlassen sollen.“
T1: „Aber die waren doch mindestens 10 Minuten drin.“
F: „Das reicht normalerweise ewig. Wenn weiche Eier viereinhalb brauchen, dann müssten die nach zehn Minuten bockelhart sein.“
T1: „Mindestens zehn.“
T2: „Ich kann schon bis zehn zählen. Eins, zwei, drei, vier …“
T1: „Jaja.“
T2: … fünf, sechs, sieben, …“
T1: „Das will jetzt grad keiner wissen.“
T2: „… wohl … acht, neun, zehn. Siehst du!“

Ich nahm eines der Viertel und schob es mir in den Mund.

Ich: „Hm.“
F: „O Gott, ist es doch schon schlecht geworden?“
T1: „Da kann man Salmonellen kriegen.“
T2: „Ich will auch Solomellen.“
T1: „Das willst du nicht. Und es heißt Salmonellen.“
T2: „Weiß ich selber. Weißt du gar nicht. Was ich will.“ (heult) „Mama! Ich will auch Solomellen!“
F: „Lieber nicht. Von Salmonellen wirst du krank.“
T2: „Warum isst Papa dann die Solomellen?“
T1: „Salmonellen!“
T2: „Weiß ich selber, du grünes Ei!“
F: „Was ist jetzt? Warum verziehst du das Gesicht?“
T1: „Spuck’s aus! Das ist doch gefährlich!“
T2: „Muss Papa sterben?“
F: „Quatsch. Aber ich würd’s jetzt auch nicht mehr essen. Was ist denn jetzt?“
T1: „Papa, nicht essen!“
T2: „Warum guckst du so?“

Ich: „Versalzen.“

Bibi und Tina

Das Grauen auf langen Autostrecken hat einen immer wiederkehrenden Höhepunkt: Den Refrain der Titelmelodie von „Bibi und Tina“.

Das sind Bibi und Tina
auf Amadeus und Sabrina
sie jagen im Wind,
sie reiten geschwind,
weil sie Freunde sind,
weil sie Freunde sind.

Dieses Poem jagt mir als Germanisten abwechselnd heiße und kalte Schauer über den Rücken. Also Textanalyse. „Sie jagen im Wind.“ Wen oder was? Wozu? Egal, Reiten macht eben Spaß. „Sie reiten geschwind.“ Wohin? Und warum so eilig? Ebenfalls wurscht. Entscheidend ist Galopp.
Das alles verstehe ich. Wirklich. Bin selber mal geritten. Und vier Wochen lang war mein Leben sogar ein Ponyhof. Aber diese Logik hat kein Pferd verdient: Bibi und Tina jagen im Wind und reiten geschwind – weil sie Freunde sind? Ein Logikstrang wie „Bibi kotzt Meerschweinchen obwohl Tina“.

Was kann man dagegen tun? Olli Schulz macht’s vor (bei 1:14 genau gucken):

Ach ja, das „Hausboot“ könnt ihr gucken oder nicht. Ich fand’s lustig. (Zum Beispiel die unterdimensionierten Arbeitsgeräte bei 0:14.)
Aber Ponyhof war besser.

Katapult

Benni Fredrich hat ein Problem.
Er erfindet dauernd Projekte, die überhaupt nicht funktionieren können, ist rotzfrech und tritt Leuten, die mehr zu sagen haben als er, gnadenlos auf die Zehen.

Aber das ist nicht das Problem.
Das Problem ist, dass die Projekte super funktionieren, dass seine Rotzfrechheit wunderschön zu lesen ist und dass er einfach mehr zu sagen hat als andere Leute.

Warum ist das dann ein Problem?
Dazu muss ich erstmal ein bisschen ausholen. Und vier Jahre zurückgehen.

Laut Michalis Pantelouris, der seinerzeit in der Übermedien-Kolumne „Bahnhofskiosk“ Zeitschriften aller Art vorstellte, war am 8. März 2017 der Sieger für „die nach unten offene Skala der schlechtesten Zeitschriftentitelzeilen“ gefunden: „Katapult“, ein „Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft“. Chefredakteur: Benjamin Fredrich. Interessanterweise kam der Kritiker in seinem Beitrag abschließend zu dem Urteil, man mache mit einem Abonnement von Katapult „nichts grundlegend verkehrt und hat wahrscheinlich ziemlich viel Spaß damit“. Weil Pantelouris immer Recht hat, wenn es um Zeitschriften geht, abonnierte ich einen Tag später das Blatt. Seitdem ist jeder Tag, an dem „Katapult“ im Briefkasten liegt, ein Festtag. Und als erstes wird stets das Editorial von Benjamin Fredrich verschlungen.

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Mittlerweile sind 20 Ausgaben erschienen, die Abonnent:innenzahl stieg von damals 1.201 auf heute 79.107. Die „Geo der Sozialwissenschaft“ hat einen Ableger namens „Knicker“. Der Verlag verkauft Bücher, Spiele, Poster, Postkarten sowie einen Aufkleber zum Preis von 100.000 Euro (derzeit nicht erhältlich). Das Unternehmen wuchs von sechs Mitarbeiter:innen auf 34. Es hat einen Wald gepflanzt, ein altes Schulhaus gekauft und das Café Karsten eröffnet.

Aber was ist dann bitteschön das Problem?
Das Problem ist, dass Benni Fredrich diesmal scheitern will.

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Gestern lag die 21. Katapult-Ausgabe im Briefkasten. Auflage: 150.000. Und natürlich las ich sofort das Editorial, in dem Fredrich immer etwas Rotzfreches, Hammermäßiges oder komplett Bescheuertes raushaut. Unter der Überschrift „Lasst mich scheitern!“ erklärt Fredrich diesmal, dass sie sich vorgenommen haben, das journalistische Ödland Mecklenburg-Vorpommern mit Qualitätsjournalismus zu versorgen und die Monopolstellung des rechtslastigen Nordkuriers zu brechen. Wie? „Wir gründen heute und genau an dieser Textstelle die neue Lokalzeitung KATAPULT-MV!“ Dazu sammelt Katapult ab sofort Abonnent:innen, denn: „Ich weiß, der Lokaljournalismus ist am Ende. Ich weiß, wir haben keine Chance, aber das hatten wir mit KATAPULT auch nie. Also los. Mir ist alles egal! Lasst uns endlich scheitern!“

Wer auch immer hier aus MV kommt oder die Idee ebenfalls bescheuert findet: Benni Fredrich darf nicht rechtbehalten und scheitern. Wir können verhindern, dass er schon wieder Erfolg hat. Mit 5 Euro pro Monat seid ihr dabei. Und wer 100 Euro investiert, wird zur Superintendantin und darf an den Redaktionssitzungen teilnehmen.

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Trotz Corona!

Gönni 12 ist ein Künstlertreff, der früher Schmale 2 hieß, benannt nach der jeweiligen Adresse in Pfullingen. Hier treffen sich Monat für Monat Schriftsteller:innen, Schauspieler:innen, Musiker:innen, Maler:innen, Zaubernde und Bezaubernde, … Sie spielen oder lesen sich gegenseitig Neues aus ihrem Repertoire vor, vernetzen sich, tauschen sich aus und bilden so eine Gemeinschaft von Kunst- und Kulturschaffenden aller Art. Seit Beginn der Corona-Pandemie fanden keine physischen Treffen mehr statt. Dennoch gab und gibt es einen regen Austausch über Gerald Ettweins E-Mail-Verteiler. Am 7. November, die „zweite Welle“ nahm gerade Fahrt auf, schrieb Gerald:

Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir in der Gönni 12 haben uns in der letzten Zeit unterhalten, wozu dieser schöne Verteiler genutzt werden kann. Veranstaltungen gibt es ja keine mehr, die wir ankündigen können. Das Bedürfnis nach Austausch, Kontakt, Kommunikation besteht aber weiterhin bei vielen.

Jede*r von uns wurschtelt sich mehr oder weniger glücklich durch diese Zeit. Jede*r hat seine Strategien entwickelt, diese Zeit zu meistern. Oder auch nicht. Jetzt entstand die Idee, euch aufzufordern, der Schmale-2-jetzt-Gönni-12-Community zu berichten, wie es euch geht in dieser arbeitslosen Zeit.

Ich fände es super, Berichte von euch zu erhalten, wie ihr das macht: finanziell, psychisch … ob alle Kellerräume schon aufgeräumt, alle Wände schon gestrichen, alle Wanderungen schon gewandert sind, ob ihr Energie habt, weiterhin kreativ zu sein (oder erst recht, weil ihr nicht abgelenkt seid) oder ob da gar nichts kommt (wie z.B. bei mir), ob ihr todunglücklich oder wütend seid, oder der Zeit auch was abgewinnen könnt, ob ihr eure Eigentumswohnungen schon verkaufen, die Lebensversicherungen auflösen musstet …

Natürlich jede*r so viel wie er/sie das berichten mag, traurig, witzig, sarkastisch, wütend, entspannt … Uns würde das wirklich interessieren und bereichern. Vielleicht können wir dadurch den Kolleg*innen auch Anregungen geben, wie es auch sein kann. Schreibet – mir send g’spannt!

Noch am selben Tag kam die erste Rückmail, und dann immer mehr Berichte aus dem Lockdown. Diese Rückmeldungen berührten mich sehr. Aber noch mehr erstaunten sie mich. Kaum ein anderer Sektor wurde so allein gelassen wie die Kunst. Doch während allerorten gejammert wird zum Steinerweichen, fand ich in den Mails der Kolleg:innen trotz der deprimierenden Aussichten so viel Positives, dass ich fand, man müsste dieses Bild festhalten. Als Lichtblick in anderen dunklen Tagen, als Mahnung, die Kultur niemals zu vergessen, als Hoffnung auf bessere Zeiten und irgendwann auch als Erinnerung an eine Zeit, die wir alle so schnell nicht vergessen werden.

Deswegen fasste ich die Mails chronologisch zusammen und bebilderte sie mit im Netz verfügbarem Material. Daraus entstand ein kleines Büchlein, das ich im Februar fertigstellte. Es steht jetzt in der Gönni 12. Und kann hier als PDF angeschaut werden.

Büchlein "Trotz Corona"

Büchlein "Trotz Corona" - Seiten mit Gerald Ettwein

Büchlein "Trotz Corona" - Seiten mit Miriam Helfferich

10 Cent

Heute war ich auf der Bank. Meine Frau brauchte aus Gründen einhundert australische Dollars. Weil man so exotisches Geld nicht einfach bei der Filiale um die Ecke abholen kann, bestellte sie es bei der Kreissparkasse. Heute kam es dort an und ich wurde telefonisch angewiesen, es bei der Filialdirektion unserer Kreisstadt abholen. Dazu musste ich meinen Ausweis mitnehmen sowie eine von meiner Frau unterschriebene Vollmacht. Ich hätte ja auch ein Betrüger sein können, der auf die Kreissparkasse geht und dorthin bestellte Dollars abholt. Oder ein Bankräuber, der sich auf australisches Geld spezialisiert hat. Nein, zweiteres eher nicht. Es gibt ja keine Kassenschalter mehr, nur Servicepoints. Muss man auf den Service warten, wird Bankraub zum Zeitraub.

Aber zurück zu meinem anvisierten Devisengeschäft. Welcher der drei als offen deklarierten Tresen hatte nun die Dollars? Weil meine Frau versprochen hatte, es handele sich um eine junge, hübsche Dame, die mir das Geld geben werde (was gelogen war, aber – wie erhofft – meine Bereitschaft zu dem Stadtgang signifikant erhöhte), steuerte ich einen von zwei jungen Damen besetzten Servicepoint an. Mein Anliegen wurde angehört, dann schnappte sich eine der Damen meinen Ausweis und verschwand damit hinter einer panzerglasig anmutenden Sicherheitstür. Die Szene erinnerte mich an einen Vorfall auf dem Flughafen von Dhaka, als ein Sicherheitsoffizier, den wir in der von Hadschpilgern übervölkerten Flughafenhalle nach unserem Anschlussflug gefragt hatten, sich unserer Pässe bemächtigte und sagte, er würde sich darum kümmern. Was, wenn die Dame (bzw. der Offizier) nun nicht mehr zurückkäme? Was, wenn ein Banküberfall stattfände (bzw. wir aus Versehen nach Mekka flögen)? Man könnte sich nicht ausweisen und würde dann möglicherweise ausgewiesen. Aber wohin? Ich begann zu schwitzen. Aber all diese existenziellen Fragen zerstoben ins Nichts in dem Moment, als mein Blick auf den Boden fiel. Ebenfalls auf den Boden gefallen lag dort ein 10-Cent-Stück.

10-Cent-Stück, Vorderseite

Das Sprichwort „Das Geld liegt auf der Bank“ streifte eine meiner Hirnregionen. Ich blickte mich um. Ist es statthaft, Geld aufzuheben, das in der Bank auf dem Boden liegt? Auf dem Boden liegendes Geld hebe ich grundsätzlich auf, denn auch das Sprichwort „Wer den Pfennig nicht ehrt …“ ist mir geläufig. War ein Besitzer in der Nähe? Eine Besitzerin? Niemand schien Anspruch erheben zu wollen. Zwei im Wartebereich sitzende Männer streichelten ihre Händis. Ich hob das goldfunkelnde Geldstück auf. Da kam die Dollar-Dame zurück, einen dicken Umschlag in der Hand. Ob ich noch etwas dabei habe? Ihr Blick hing misstrauisch an der 10-Cent-Münze. Mein Blick hing misstrauisch an ihrem Umschlag. Hatten wir zu viele Nullen angegeben? War unser Konto jetzt leergeräumt?

Ich versicherte ihr, ich hätte tatsächlich und übergab ihr die auf einem kleinen Zettel handschriftlich vermerkte Vollmacht. Sie schien mit dieser Form nicht so recht einverstanden. Ich könnte ja ein Vollmachtbetrüger sein und mir das Dokument selbst vorschreiben können, las ich in ihren nach unten sich biegenden Mundwinkeln. Da eilte ein weiterer Mitarbeiter aus einer gänzlich neuen Richtung heran. Es habe alles seine Richtigkeit, sprang er mir deus-ex-machina-gleich bei, er habe mit meiner Frau diese Form vereinbart und alles sei bestens. Im Gegensatz zur misstrauischen Bankerin schien er an mir keinerlei Trickbetrügerhabitusanzeichen zu entdecken. Die hingegen vermerkte spitz, jetzt müsse aber noch jemand den Antrag unterschreiben und wies auf eines jener Schriftstücke, die – wir mir erst jetzt klar wurde – den Umschlag füllten, in dem ich Dollarnoten glaubte. Und dafür häbe ich („häbe“ ist kein Schreibfehler, sondern einer von mehreren anwendbaren schwäbischen Konjunktiven) ja wohl keine Vollmacht. Dies betrübte meinen Sparkassenfreund nur kurz, dann erhellten sich seine Gesichtszüge. Er könne dies telefonisch mit meiner Frau klären, ich sei dafür nicht mehr vonnöten. Zähneknirschend zählt mir meine Feindin zwei brandneue 50-Dollar-Noten mit dem Konterfei David Unaipons, Australiens Leonardos, wie man weiß, auf den Sparkassenservicepointtresen.

Jetzt müssten wir nur noch klären, konterte ich, proaktiv den nächsten Angriff antizipierend, was wir mit den 10 Cent machen sollten, die ich auf dem Bankboden vorgefunden häbe (in diesem Fall schwäbisches Präteritum). Auch zu diesem Thema hatte die Kreissparkassenangestellte eine dezidierte Meinung. Das fragliche Geldstück, so mein Gegenpart, könnte einer Bankkundin gehören, der heute ein Missgeschick passiert sei. Zwar behielt sie weitere Details für sich, nichtsdestotrotz bot ich sofort an, das Corpus Delicti zur Verfügung zu stellen und legte es tresennah ab. So könnten sie den Betrag nicht verbuchen, entgegnete meine Widersacherin und schob es wieder in meine Richtung zurück.

Da kam eine andere Kundin zu Hilfe, ein kleines Mädchen hinter sich herziehend. Wo ihr Kind ein kleines Geschäft verrichten könne? Ein kleines Geschäft könne ich gerne anbieten, erwiderte ich stellvertretend für die ganze Versammlung, drückte dem Mädchen den Groschen in die Hand und empfahl mich.