Am Abend

Wenn ich vom Abendlärm der Städte
getrieben in die Schenke trete
um erst mit innigstem Behagen
so ein, zwei Klare einzujagen
um dann mit freudigstem Begreifen
diverse Bierchen einzupfeifen
um drauf mit holdestem Entzücken
rasch drei, vier Obstler zu verdrücken
um noch mit dankbarstem Verstehen
verschiedne Weine einzudrehen –
dann pfleg ich mit gespieltem Klagen
„Ach, ach“ und auch „Doch, doch“ zu sagen.

Robert Gernhardt
13.12.1937-30.6.2006

2 Gedanken zu „Am Abend

  1. Vernichtet war ich am Freitag mittag, als Freunde (einer promoviert über Gernhardt und einer gehörte zum engen Freundeskreis) die Nachricht überbrachten. Nachrufe gibt es zur Genüge. Der von der „taz“ ist sehr persönlich, der vom „Spiegel“ sehr kumpelig und rührselig, der in der „Berliner Zeitung“ äußerst nüchtern und sachlich. Den vom „Tagesspiegel“ habe ich noch nicht gelesen. Und was die „Süddeutsche“ sagt, weiß ich nicht. Am Mittwoch ist Beerdigung. Er war ein ganz Großer.

  2. Am Freitagabend nach dem Fußballspiel kam die Wiederholung eines „Wortwechsels“ (Gabriele von Arnim im Gespräch …) mit Robert Gernhardt. Worin es auch um den Tod ging. Und danach eine Lesung von ihm. Ich konnte nicht ins Bett gehen. Und war bei aller Traurigkeit sehr heiter. Man musste ihn mögen.

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