Lies mal wieder. Zum Beispiel Dürrenmatt.

100 Jahre wäre Friedrich Dürrenmatt heute geworden. Seine Welterfolge „Der Besuch der alten Dame“ und „Die Physiker“ sind nicht nur in schulischen Theateraufführungen Dauerbrenner. Auch seine Dramentheorie, die die Tragikomödie und die Groteske nutzt, um den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, wirkt sich bis heute auf die Theaterpraxis aus und lässt sich auch in modernen Fernsehserien als „Dramedy“ wiederentdecken. Was mir aber schon früh in die Hände fiel und nachhaltig beeindruckte, waren die Romane und Erzählungen Dürrenmatts. Heute also eine gute Gelegenheit, ein paar alte Bücher dringend zu empfehlen und wieder zu lesen.
Phantastisch dicht und unter die Haut gehend ist zum Beispiel Dürrenmatts Roman „Das Versprechen“. Der Plot ist auch Grundlage für den Film „Es geschah am hellichten Tag“ mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe. Der Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“ verdreht auf raffinierte Weise die Idee des Genres. Auch hier kommt der Held richtig ermittelnd zum falschen und falsch ermittelnd zum richtigen Ergebnis. Ebenfalls weit über den Krimi hinaus reicht „Der Verdacht“, in dem es auch um die sehr persönlich geführten Ermittlungen des Kommissars geht, aber noch viel mehr um die Person des Verbrechers und das Böse an sich.
Auf Wiederlesen!

Reporterpreis 2020

Jonas Schaible schreibt unter anderem für den SPIEGEL, für T-Online und auch sonst noch hier und vor allem da. Sein Blog „Beim Wort genommen“ hat er leider eingestellt. Bei mir steht er schon länger auf der Liste für „Das Letz niest“. Glück gehabt, Jonas, dass wir seit 2012 keine Fortsetzung mehr geschafft haben! Sein für T-Online geschriebener Essay „Wer von Ökodiktatur spricht, hat das Problem nicht verstanden“ erhielt jetzt den renommierten Deutschen Reporterpreis 2020. Darum:
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Alles neu macht der November

Über zweieinhalb Jahre her ist der letzte Beitrag in diesem Blog. Das ist entrüstend und wird hiermit geändert. Zu Zeiten von Social Media an jeder Ecke tut es not, unser gutes altes Blog wieder zu reaktivieren. Our Blog is our Castle und dazu brauchen wir kein Facebook und kein Instagram. Punkt.
Wir haben uns auch vom alten Design verabschiedet, dem Ur-Theme von WordPress (ich kenne nur noch ein Blog, auf dem das läuft. Hallo Helmut!). Das lief absichtlich so lange, aber genauso absichtlich gibt es hier jetzt Neues. Naja.
Und wir freuen uns ab sofort wieder über Lurker genauso wie über Kommentare.

Wir staunen.

Eine Firma überweist versehentlich im Abstand von drei Tagen eine Rechnung zweimal. Am Tag, an dem die zweite Rechnung auf unserem Konto gutgeschrieben wird, erreicht mich ein Brief (!), in dem die Firma auf ihr Missgeschick hinweist. Hätte sie nicht müssen, denn natürlich wird der doppelte Betrag zurücküberwiesen. Das geht ja ganz fix: Im Bankprogramm die Fehlüberweisung rechts anklicken und „Rücküberweisung“ auswählen – fertig.

Tags darauf kommt ein zweiter Brief (!):

Ich weiß gar nicht, worüber ich am meisten staunen soll: Dass jemand im Internetzeitalter noch solche Briefe schreibt, dass jemand erstaunt darüber ist, dass er sein Geld gleich wieder zurück kriegt oder dass jemand in einer Geschäftskorrespondenz die Worte „Wir staunen“ verwendet.

Made my day.

3.7.2014

(Ich wähle den Titel Techniktagebuch-konform. Denn da darf der Text gerne hin)

Eben beim Notar: Es geht um eine kleine Änderung beim Registergericht, zwei Seiten, eine Unterschrift. Alles ist schon lange vorbesprochen, alle notwendigen Unterlagen liegen auf dem Tisch.

Der Notar liest das zu unterschreibende Dokument nochmal vor, wie das Notare so tun: leiernd, schnell, unverständlich. Er macht das mutmaßlich sowieso nur für sich, um beim Lautlesen über die eigenen Fehler zu stolpern. Ups! Da ist schon einer.

„Dabei habe ich doch gerade das Rechtschreibprogramm drüberlaufen lassen.“

Er korrigiert in dem Dokument mit Bleistift, dreht sich in seinem Drehstuhl zum Computer und ändert das eben von Hand Korrigierte nun auch im Computer. Dann druckt er die Seite aus, nimmt sie aus dem Drucker, legt das korrigierte Blatt in ein Fach unter dem Schreibtisch und das neue vor sich hin.

„So, jetzt kann’s weitergehen.“

Beim nächsten Fehler das gleiche Prozedere.

„Huch, da hat sich ein Absatz verschoben.“

Bleistiftkorrektur, Drehstuhl, Computerkorrektur, Neuausdruck, Weiterlesen. Nächste Seite.

„Da muss doch ein Komma hin!“

Bleistiftkorrektur, Drehstuhl, Computerkorrektur, Neuausdruck, Weiterlesen. Diesmal legt er das korrigierte Blatt aber auf einen anderen Stapel unter dem andern Tisch. Ich würde gerne fragen, nach welchem System er Altpapier ablegt, traue mich aber nicht.

Nach drei Fehlern auf zwei Seiten sind wir fertig, das Dokument wird unterschrieben.

PS: Beim Rausgehen sehe ich den WM-Spielplan an der Wand hängen. Der Notar hat nicht nur alle bisherigen Ergebnisse eingetragen, sondern auch die zukünftigen. Die aber mit Bleistift. Holland wird Weltmeister, sagt der Bleistift.

30 Jahre

Mein allererstes Computerspiel. Kam auf einer 5 1/4-Zoll-Diskette und faszinierte nächtelang.

Natürlich waren die Computermonitore damals nicht so dunkel, das gehört zum Spiel.

Aber die Schrift war grün und der Bildschirmfont … anders.

Zum 30. Geburtstag bringt die BBC das Meisterwerk von Douglas Adams wieder auf die Monitore.

[Johnny hat’s zuerst entdeckt.]

Alfred Leobold

Der aus gutem Grund tot geglaubte Alfred Leobold liegt nicht etwa auf dem Frankfurter Hauptfriedhof und spielt dort, beziehungsweise an jenem anderen Ort, den sich der durchschnittlich religiös sozialisierte Mitteleuropäer, also auch der Hesse, als „Himmel“ vorstellt, also weder hier noch dort spielt er erfolglos Schach, wie mancher vermutet, der ihn damals in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Seelburg noch gekannt hatte als Geschäftsführer des durchaus auch im ländlichen Umfeld bekannten ANO-Teppichladens, nein, er, der von seinem Angestellten Hans Duschke zu vorgerückter Stunde nach dem Genuss unzähliger Sechsämtertropfen – richtigerweise müsste man von Sechsämterbächen, an etlichen Tagen auch Sechsämterströmen reden – gut und gerne „Herr Läääwool“ gerufen wurde, nein, jener Alfred Leobold also ist keineswegs dort, wo ihn sein Erschreiber hingedichtet haben wollte, nein, er residiert an einem damals ganz und gar undenkbaren Ort, und hätte man Herrn Läääwool seinerzeit auch nur angedeutet, er könne einstens dort Zuflucht gesucht haben können, er hätte den fulminanten Greis Hans Duschke gleich um Nachschub losgeschickt in den kleinen Laden am Eck.

Alfred Leobold bei Xing

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