Himbeermarmelade

gab’s zu gewinnen. Beim Ecki. „Da kann ich ja beruhigt teilnehmen“, sagte ich mir, „denn ich gewinne ja sowieso nie auch nur irgend etwas“.

Was aber nicht stimmt. Denn im zarten Alter von neun Jahren sah ich in der Fußgängerzone ein Auto vor einer Bude aufgebaut und darauf stand „Hauptgewinn“. Das Los kostete eine Mark und die hatte ich. „Das ist ein guter Handel“, sprach ich zu mir, erstand ein Los und frug den Verkäufer, was ich nun machen solle, um das Auto zu bekommen. „Öffnen“, empfahl dieser. Ich erbrach das Los, las den Text, konnte aber nirgends das Wort „Auto“ finden. Hingegen stand da „ein Stück Seife“. Ich machte den Verkäufer auf den Irrtum aufmerksam, der aber gratulierte mir überschwänglich und händigte mir ein ekelhaft riechendes Päckchen aus. Ich schmiss es um die Ecke in den nächsten Abfalleimer und schwor mir, nie wieder auf einen solchen Schwindel hereinzufallen.

Und nun – ihr ahnt es schon – habe ich exakt das Glas Himbeermarmelade gewonnen, das ich mir gewünscht hatte! Womöglich gibt es also doch einen Gerechtigkeitsgott. Wenn auch mit einer langen Leitung.

5 Gedanken zu „Himbeermarmelade

  1. Oh, an diese Art von Bude erinnere ich mich auch noch. Meine stand in Reutlingen vor dem damaligen Kaufhaus Horten und ich habe nie auch nur etwas gewonnen. Naja, ich habe mir allerdings auch nie ein Los gekauft.
    Trotzdem, irgendwie eine schöne Erinnerung an eine schöne neue Warenwelt. ;)

  2. Pingback: Dia-Blog » Blog Archive » Himbeermarmeladeagenten gesucht

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