Weihnachtszahlen

Der Morgen beginnt bei mir meist mit der Morgenpost, dem äußerst liebenswerten News-Newsletter der Krautreporter. Christian Fahrenbach, der die Morgenpost seit elf Jahren tagtäglich aus New York liefert, hört nun leider auf. Zum Abschluss liefert er als „Fundstück des Tages“ einen weihnachtlichen Link zu destatis.de, der Website des Statistischen Bundesamtes – mit folgenden statistischen Köstlichkeiten (die abgebildete ist eine selbst produzierte Bärentatze):

  • 1,8 Millionen Weihnachtsbäume werden nach Deutschland importiert, 83% davon aus Dänemark.*
  • Jede fünfte produzierte Zimmerpflanze ist ein Weihnachtsstern.*
  • 90% der importierten Feuerwerkskörper kommen aus China.***
  • 54% der importierten Kerzen kommen aus Polen.*
  • 71% der importierten Haselnüsse kommen aus der Türkei.*
  • 78% der Karpfen stammen aus Bayern oder Sachsen.
  • Die wenigsten Babys werden an den Weihnachtstagen geboren. Die meisten am 24. September.****
  • Die durchschnittlich größte Familie (3,51 Personen) lebt in Baden-Württemberg, die kleinste (3,24 Personen) in Mecklenburg-Vorpommern.*
  • 85,8 % der Tarifbeschäftigten erhalten Weihnachtsgeld, im Schnitt 2.987 Euro.*

* 2024
** 2024/25
*** 2025
**** 2020-2024

Die Zerstörung des hocheffizienten Verbrenners

Heiner M.s brillantes Lesestück über das Mysterium des „hocheffizienten Verbrenner“ zeigt kurz und schmerzhaft, warum der Verbrenner physikalisch und ökonomisch am Ende angelangt ist und soziologisch, warum in Deutschland dennoch breite Greise breite Kreise an ihm festhalten. Darüber hinaus ist der Beitrag reines Lesevergnügen in Sachen:

Physik: „Nicht, weil unsere Ingenieure schlecht sind. Sondern weil man im Bundestag zwar Gesetze ändern kann, den 2. Hauptsatz der Thermodynamik aber nicht.“

Ökonomie: „Wer heute noch neue Verbrenner-Plattformen fordert, wettet gegen die harte Mathematik der globalen Industrie.“

Soziologie: „Es ist, als würde der Kapitän der Titanic den Eisberg sehen, aber nicht beidrehen, weil eine scharfe Kurve die Gäste beim Abendessen stören könnte. Man hält Kurs, damit die Stimmung an Bord bis zum Einschlag gut bleibt.“

Lesebefehl.

[Entdeckt bei Thomas Gigold]

Bad UX

Täglich sehen wir im weltweiten Netz, wie schlecht man Webseiten bauen und wie userunfreundlich man sie gestalten kann. Ganz vorne stehen oft Banken und Versicherungen; vermutlich müssen die ihr Geld im Interesse ihrer Kunden zusammenhalten und setzen daher auf bewährte Technik aus dem letzten Jahrtausend.

Aber man kann auch mit neuester Technik die allereinfachsten Web-Aufgaben versauen. Der „Bad UX World Cup 2025“ ist quasi der amtlichen State-of-the-Art-Contest der Verunmöglichung von User-Eingaben. UX-Genies aus der ganzen Welt haben sich hier zusammengefunden, um am Beispiel eines einfachen Date-Pickers die User daran zu hindern, ein Datum einzugeben.

Mein Lieblingskandidat ist der Date Slop, bei der man dem KI-Chatbot Tipps gibt, um zum richtigen Datum zu gelangen.

Sehr schön auch der Sieger Perfect Date, bei dem man das richtige Datum mit dem tinderigen Wegwischen aller falschen erreicht.

Sowie die Idee, das gewünschte Datum in der Zahl PI zu finden.

Was ist euer Lieblings-Date-Picker?

[Jason Kottke hat’s entdeckt.]

10 belanglose Fakten über mich

Bloggersdorf lebt ja doch noch! Christian verlinkt Thomas verlinkt David und es fühlt sich so 2006 an. Schön.

Benutzt du Zahnseide?
Zu selten.

Tee, Kaffee oder Wasser?
Zu wenig Wasser, täglich Tee und manchmal Kaffee. Früher täglich Kaffee, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das Zeug eigentlich gar nicht schmeckt.

Welche Schuhe trägst du am liebsten?
Wanderstiefel, weil das bedeutet, eine längere Strecke in der Natur unterwegs zu sein. Im Idealfall in den Bergen. Oder Grönland.

Dein Lieblingsdessert?
Viele Leute haben ja den Drang, sich nach dem Essen noch was Süßes reinhauen zu müssen, das geht mir nicht so. Aber ab und zu verschlinge ich dann doch die Crème brûlée, das Tiramisu, das Zwetschgenkompott mit Eis oder was auch immer einem aufgedrängt wird, mit Genuss.

Was machst du als Erstes, wenn du aufwachst?
Wecker aus, aufstehen. Es liegt kein Handy neben dem Bett.

In welchem Alter würdest du gerne bleiben?
Da das Konzept „Unsterblichkeit“ weder funktioniert noch der menschlichen Seele gut täte: in keinem Alter. Wozu immer 25 sein? Schau dir irgendeine Black-Mirror-Folge an, um rauszufinden, dass das keine gute Idee ist. Hingegen würde ich auf die Frage, ob ich mein Leben nochmal genauso leben würde, immer antworten: Auf gar keinen Fall. Ich würde möglichst alles anders machen, rein aus Neugier.

Wie viele Hüte besitzt du?
Null. Als Kopfbedeckung ist allenfalls im strengsten Winter eine Mütze zugelassen.

Beschreibe das letzte Foto, das du gemacht hast.
Ein Panoramabild der Schwäbischen Alb, aufgenommen vom Schönbuchturm bei Herrenberg. Auf dem Bild sieht man sehr schön, warum Eduard Mörike die Alb „wundersame blaue Mauer“ genannt hat.

Die schlechteste Fernsehsendung?
Praktisch jede Talkshow. Ich halte es keine fünf Minuten aus, Sahra Wagenknecht, Ralf Stegner, Jens Spahn oder Markus Söder dabei zuzuschauen, wie sie keine Argumente austauschen, nicht an der Meinung von anderen interessiert sind und dazu von der Moderation auch nicht aufgefordert zu werden.

Was war als Kind dein Berufswunsch für das Erwachsenenalter?
Pilot.

Etwas auf Deiner Wunschliste, das du nicht rechtfertigen kannst zu kaufen?
Nein.

Welcher Jahreszeit fühlst du dich am meisten verbunden?
Vielleicht weil es gerade Herbst ist: Herbst. Frag mich im Frühling nochmal. Ich liebe die Jahreszeiten und mag mir nicht vorstellen, wie es ohne sie sein mag.

Wer mitgezählt hat: Das waren zwölf. Kann ich nichts dafür. Thomas hatte noch zwei Zusatzfakten angefügt. Wer das Stöckchen haben will – bittesehr.

Zum Krieg in Palästina

Mo Husseini hat 50 hilfreiche Fakten zum Krieg in Palästina. Alle, die mit diesem Konflikt zu tun haben oder zu diesem Konflikt eine Meinung haben, möchten sie sich bitte durchlesen. Es hülfe.

FACT No. 39.
Stop with the fucking history lessons about what the Israelites did, or what the Ottomans did, or what the British did, or whatever. IT IS FUCKING IMMATERIAL. There is a pile of dog shit in the living room. Instead of arguing about whose dog took the bigger shit in the living room, maybe focus on how we clean up the dog shit, and maybe we keep the dogs outside.

[bei Jason Kottke gefunden]

Die Erde ist kaputt.

Diese Statistik ist mir in den letzten Tagen ein paarmal über den Weg gelaufen:

Sie zeigt die Meerestemperaturen der letzten 43 Jahre. Die vielen grauen Linien stellen die Jahre 1981 bis 2022 dar. Sie alle bewegen sich in einem Bereich, der Schwankungen beinhaltet – allerdings mit der Tendenz zur Erwärmung. Die orange Linie zeigt das vergangene Jahr 2023 und liegt mit Ausnahme des Jahresanfangs (bis Mitte März) komplett und deutlich über allen anderen Linien. Die dicke schwarze Linie steht für das Jahr 2024 und man kann sich in etwa ausmalen, wie sie weiterführt.

Ich weiß nicht, was wir noch brauchen. Wir haben die Daten. Wir wissen, was passieren wird. Wir wissen, was geändert werden muss. Und wir haben die Mittel dazu.

Aber wir regen uns über ein paar junge Leute auf, die sich auf die Straße legen, weil sie nicht mehr ertragen können, dass die Regierungen nicht einmal die ohnehin nicht ausreichenden Minimalziele umsetzen, die sie sich selbst vorgenommen haben.

Übrigens: Das hier ist die Grafik für den Nordatlantik:

Letzte Worte?

Es wurde schon viel zur „Letzten Generation“ geschrieben – kurz auch mal hier. Dabei sollte der erste Gang immer erst zur Website der Betroffenen sein. Was hier zu lesen ist, ist so überaus vernünftig, dass man sich wünscht, auch unsere Bundesregierung würde derart faktenbasiert, sich selbst hintanstellend und zukunftsorientiert handeln. Da sie es leider nicht tut, ist die Arbeit der „Letzten Generation“ offenbar dringend nötig. Warum, fasst Gregor Gross in seinem Newsletter „Allererste quantenschäumende Weblese-Sahne“ so allerbestens zusammen, dass ich nur noch darauf verlinken kann.

Tröten statt Zwitschern

Mastodon-Logo (Elefant mit "m")Noch bin ich bei Twitter und schaue mir das Chaos dort an. Aber wie viele andere habe ich mich nun auch ins Fediverse begeben und einen Account bei Mastodon angelegt. Der erste Eindruck ist sehr gut und es fühlt sich ein bisschen an wie früher(TM), als das Web 2.0 noch jung war. Kein lautes Geschrei in Großbuchstaben, sondern Menschen, die mit der Netiquette aufgewachsen sind. In einem System, das dem am nächsten kommt, woran Tim Berners-Lee vielleicht am 6. August 1991 gedacht hat. Es gibt Hoffnung.