Hausaufgabe

20. Juli 2015

Liebe nervende Politiker, liebe uninformierte Medien,

seid so gut und macht endlich eure Hausaufgaben. Ihr glaubt, ihr wisst, wo diese griechische Malaise eigentlich herkommt?

Der Grieche ist raffgierig.
Hm. Das mittlere Einkommen in Griechenland sank während der Krise von 997 Euro auf 640 Euro.

Griechenland hat eine zu hohe Staatsquote.
Hm. Die liegt in Griechenland 2014 bei 46,36%, in Deutschland bei 44,1%.

Der Grieche ist faul.
Hm. Nach OECD-Berechnungen arbeitet der durchschnittliche Grieche 2.042 Stunden im Jahr, der durchschnittliche Deutsche 1.371.

Eine Krise fordert eben harte Einschnitte. Da hilft nur sparen.
Hm. In der Krise 2008 verlängerte die deutsche Regierung das Kurzarbeitergeld und unterstützte die Automobilindustrie mit einer milliardenschweren Abwrackprämie.

Die Griechen sollen endlich mal was umsetzen, nicht nur versprechen.
Hm. Zwischen 2010 und 2014 haben die verschiedenen griechischen Regierungen 179 Reformgesetze erlassen.

Liebe nervende Politiker, liebe uninformierte Medien,

lest Michalis Pantelouris auf Zeit online und denkt nochmal darüber nach, ob er vielleicht Recht haben könnte mit seinen Worten:

“Ich sage es noch einmal: Die griechische Verwaltung ist ineffizient. Das Steuersystem ist unproduktiv. Das Rentensystem ist chaotisch. Das Gesundheitssystem ist erbärmlich. Das alles war schon vor der Krise so. Ich verstehe nur nicht, wie man auf die Idee kommen kann, eine Regierung, die kein Geld mehr ausgeben darf, werde es schaffen, dies alles zu ändern.”

[Autor: uli]

Alblauf

16. Juli 2015

Letzten Sonntag hat es endlich mal wieder geklappt. Die Restfamilie war beim Reiten und die Alb lag vor mir wie ein Bilderbuch.

Laufschuhe an und los ging’s in Willmandingen im Rücken der drei Windräder “Eos”, “Aiolos” und “Helios”, die just vor 20 Jahren hier in Betrieb gingen und mit einem Schlag die Windkraftleistung in Baden-Württemberg verdoppelten.

Zur Zeit spielt hier das Theater Lindenhof sein Sommertheaterstück “Arche Konrad“. Ich aber laufe weiter, grüße Kühe, …

… einen für die Schwäbische Alb so typischen Solitärbaum …

… und den Erpfinger Campingplatz. Die Zugmaschinen sehen auf der Alb anders aus als am Lago Maggiore.

Seltsame Flurnamen huschen vorbei (im Hintergrund die verspargelte Landschaft) …

.. auf dem Weg in den kühlen Wald.

Die gute alte Schnitzeljagd scheint auch im Zeitalter der Geocaches noch nicht ausgestorben.

Das nächste Dorf ist Erpfingen, …

… unter anderem bekannt für die nahegelegene Bärenhöhle und sein besuchenswertes Ostereimuseum.

Dabei ist Erpfingen ganz Dorf geblieben, mit Dunglegen (ein Wort, das wohl bald mit Dornicht, dünken und dunnemals in den Wortfriedhof wandern wird), die noch in Betrieb sind …

… und Kapuzinerkresse, die man gerne esse.

Dann geht es wieder bergauf auf dem Promillesträßle Richtung Dreherhöfe, wo ich dunnemals zum ersten Mal am Steuer eines Kraftfahrzeugs saß, noch Jahre vom Führerschein entfernt, die Nase mühsam übers Lenkrad des Audi 80 erhoben. Trotzdem: An diesem Vogeltod traf mich keine Schuld:

Bei diesem Wetter wird auf der Alb “g’haibet”, Sonntag hin, Sonntag her. Nur wird hier nicht wie früher das Öhmd geerntet, sondern die Biogasanlage mit gehäckseltem Grüngut gefüttert.

Dennoch möchte auch der moderne Agrarwirt keine abgefahrenen Pneus in seinem Silo sammeln.

Dann verfranse ich mich trotz Wanderkarte und Smartphone erheblich und finde erst dank des Weißdorns

… wieder auf die richtige Spur. Und dann durchs Grafental, das von Trochtelfingen, vorbei an den für die Alb so typischen Wacholderheiden …

… nach Mägerkingen führt, wo alte Heimatgefühle wach werden.

Seltsam, den alten Zwiebelturm wiederzusehen, den ich zu Grundschul- und Konfirmationszeiten stets vor Augen hatte. Ich erinnere mich undeutlich aus dem Religionsunterricht bei Pfarrer Knoch, dass hier – in der evangelischen Exklave, umgeben von katholischen Dörfern – ein Reformator (Name? Auf meinem persönlichen Wortfriedhof) Zuflucht gefunden haben soll. Aus der Heimatkundestunde bei Fräulein Löffelhart (“Gabelweich” pflegte mein Opa zu frotzeln), dass sich einst ein ortsansässiger “Märte” (Martin) im Wald verlief, dank der Kirchenglocken der Blasiuskirche wieder in die Zivilisation zurückfand und daraufhin ein eigenes Glöckchen stiftete, das seit dieser Zeit jeden Abend (Um dreiviertel zehn? Zeitfriedhof.) den Verlorengegangenen heimläutet. Aus den eigenen Erinnerungen, dass ich hier, bei einer der Seckachbrücken meinen ersten Unfall hatte (mit dem Fahrrad einem Käfer die Vorfahrt genommen).

Dann kommt auch schon das Abholbusle und nimmt meine Erinnerungen mit. Auf dem nächsten Promillesträßle geht’s am Neuban vorbei ins katholische Harthausen, wo wir einer Freundin dabei helfen, einen ihrer Schuppen umzuschmeißen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ach, man müsste viel öfter über die Alb laufen.

[Autor: uli]

Griechenland

14. Juli 2015

Mir fehlen langsam die Worte. Gabriel hängt sein Fähnchen nach den Winden, die vom Stammtisch her blasen, Schäuble hat die Sympathiewerte eines Außenministers und deutsche Medien verbreiten Dreck, den man nicht anders als Volksverhetzung nennen kann.

Vielleicht helfen da Worte aus dem Ausland.

Der Schweizerische Tagesanzeiger fasst die letzten sechs Monate der Tsipras-Regierung in einer atemlos machenden Geschichte zusammen.

Der Volkswirtschaftskommentator der New York Times hält die EU-Sparliste für Wahnsinn, der einem Staatsstreich gleichkomme.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz beschreibt in der TIME Deutschlands Rolle als geschichtsvergessen und fordert US-Hilfe für Griechenland.

Und Yanis Varoufakis erzählt im New Statesman seine Version der Verhandlungen, bei denen an Schlaf nicht zu denken war.

Man sieht: Es gibt auch eine andere Sicht der Dinge. Welche die richtige ist, mag jeder selbst entscheiden.

[Autor: uli]

Bildunterschrift gesucht (Nr. 34)

29. Juni 2015

[Autor: uli]

Ponyhof

11. Juni 2015

Auf dieses Versicherungsformular freue ich mich jedes Jahr.

Das schicke ich doch gerne zurück.

[Autor: uli]

wtf?

8. Mai 2015

Hat man Probleme mit seiner Banking-Software und möchte daher das Forum der Community dazu befragen, muss man erst selbst Auskunft geben – nämlich ob man jünger oder älter als 13 Jahre ist. Das soll vermutlich das Vertrauen in die Software erhöhen.

Allerdings ist es egal, was man anklickt, der nachfolgende Bildschirm ist identisch.

[Autor: uli]

Rechenschieber

30. April 2015

Wer weiß noch, was ein Rechenschieber ist? Wir hatten damals eine Klassenbestellung bei Schreibwaren Mey aufgegeben und dann monatelang – wenn nicht jahrelang – im Unterricht damit gekämpft. Aber genial waren die Dinger schon. Doch eines schönen Tages gab es eine Klassenbestellung Texas-Instruments TI-30 und der Rechenschieber wanderte zuerst in die Schublade und dann in den Müll.

Für alle, die keine Ahnung haben, worum es hier geht, die mögen bitte mein Lieblingsblog konsultieren, da wird heute nicht nur alles über Rechenschieber erklärt, sondern auch, wie sie funktionieren, wo man einen virtuellen im Netz findet und: Wo man heute noch fabrikneue Rechenschieber kaufen kann, von denen damals anscheinend zuviele produziert wurden.

[Autor: uli]

Mörderisch

27. April 2015

Ein römisches Täfelchen, …

… eine männliche Leiche …

… süße Indizien …

… sowie viele, viele Hinweise …

… sind die Zutaten für das toll inszenierte Krimispektakel “Mord im Museum”. Dabei betritt man auch Räume des württembergischen Landesmuseums im Stuttgarter Alten Schloss, die normalen Zuschauern verborgen bleiben.


Wer war’s – die Museumsdirektorin, die Gräfin, der Assistent, die Restauratorin, der Aufseher?

Zwar schaffte es unsere Ermittlergruppe vergangenen Donnerstag nicht, den Fall zu lösen. Großen Spaß gemacht hat es dennoch.

Die nächste Gelegenheit, den Mörder (oder die Mörderin?) zu jagen, bietet sich im September.

[Autor: uli]

Gnadenlos

27. April 2015

Immer immer wieder wieder hörenswert: Hannes Bauer (links) samt Orchester Gnadenlos (rechts). Mir pfeifen noch die Ohren vom Freitagabend-Konzert im Glemser “Hirsch”.

Immer wieder hörenswert: Hannes Bauer & Orchester Gnadenlos

Der Mann spielt seit 30 Jahren die gleichen pubertären Songs …

Marleen, die wohnt gleich neben mir,
an der Haltestelle steh ich jeden Morgen neben ihr,
ich würd sie gern viel öfter sehn,
Marleen, Marleen, Marleen

… für Biker …

Draußen isses dunkel, nur im Schuppen brennt noch Licht
Jo fummelt am Ofen, Öl und Dreck im Gesicht,
Er flucht und derh tnoch eben die letzte Schranube rein,
da tritt jemand von außen die Werkstatttüre ein:
“Hallo Jo, schön dich zu sehn,
ich krieg noch n Riesen von dir.”

… und Bluesrocker (“Ich hau ab”, die eingedeutschte Gibgas-Variante von Alvin Lees “Goin home”) und hat dabei auch noch vor dreißig Leuten in der Dorfkneipe einen solchen Spaß, dass man immer immer wieder wieder hingehen muss. Deutscheren Rock’n'Roll gibt’s auch von seinem Chef nicht. Schon gar nicht als Trio.

[Autor: uli]

Stefan Beck ist tot.

21. April 2015

Den Tag vergesse ich nie. Du kamst ins TVV-Zimmer, warst richtig euphorisch und sagtest, da ist etwas, das wird die Welt verändern. Es nenne sich Hypertext. “Wozu soll das gut sein?”, fragte ich. “Alles wird vernetzt”, sagtest du, “mit Hyperlinks”. Ich verstand kein Wort. Später, als wir zusammen vor dem Bildschirm saßen und uns per Mosaic durchs ruckelnde Internet klickten, kapierte ich. Aber erst Jahre danach wurde mir klar, dass du schon damals wusstest, dass ein neues Zeitalter begonnen hatte.

Auch wenn wir uns schon lange aus den Augen verloren haben, gibt es täglich Gelegenheiten, bei denen ich an dich denken muss. Und das hat sicher den Grund, dass du der gleichzeitig scharfsinnigste wie warmherzigste Mensch warst, mit dem ich zusammenarbeiten und von dem ich lernen durfte. In meiner Erinnerung sehe ich dich stets lachen. Das macht mich leider nicht weniger traurig. Es ist nicht fair, dass du gehen musstest.

[Autor: uli]