Neu im Regal (29)

12. Juni 2013

Jörg Beirer: ApfellandJörg Dieter Beirer: Apfelland. Aphorismen / Gedichte / Sprüche. Münsingen-Rietheim (Wiedemann Verlag) 2013. 102 Seiten, 10 Euro. ISBN 978-3-941453-13-5

Der Kabarettist, Musiker und Dialektiker Jörg Beirer ist nicht nur waschechter Schwabe, sondern auch Meister der “kloine Sprich”. Ebensolche hat er jetzt in seinem Büchlein “Apfelland” versammelt. Äpfel gibt es dort zuhauf. Nicht nur prall und bunt auf dem Titel, sondern auch hintergrundbildend blass und grau auf jeder einzelen Seite. Meint man nun, hier fänden sich Sprüche à la “Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm” und dergleichen, fehlt man jedoch weit.

Denn Äpfel sinnen hier nur übertragen vor sich hin: Die vom Autor gepflanzten Apfelwortkernchen reifen im Kopf des Lesers zu baumartigen Erkenntnissen. Wer sich jeden Tag die Zeit nimmt, eine Seite in Ruhe durchzulesen, verfügt schon nach kurzer Zeit über eine veritable Streuobstwiese an Einfällen, Sprüchen und Unerhörtem. Eine Kostprobe?

“Blauäugigkeit bewahrt nicht vor Schwarzseherei.”
“Viel Arbeit entsteht durch Vergänglichkeit.”
“Fundstück: Ein herrenloses Damenfahrrad”
“Lasst Worte sprechen.”

Socialmediaerprobte erkennen sofort: Hier twittert einer auf hohem Niveau. Auf Papier. Wir kennen das eher andersrum.
Aber Beirer ist nicht nur Aphoristiker, sondern auch Lyriker. Und hier kommen auch Schwaben auf ihre Kosten.

Lau

Dr Fernsäh auslau
Zeidong liega lau
En dr Keller gau
Moscht ens Kriagle lau
En da Garta gau
Sonn’ scheina lau

[Da ich die offizielle Buchvorstellung in Pfullingen leider verpasste, erhoffe ich mir einen Nachholtermin bei der Mössinger Apfelwoche im Herbst. Jörg Beirer klang am Telefon hoffnungsfroh. Ich freue mich schon im voraus besonders auf die "Ode an die Arschbombe".]

[Autor: uli]

Neu im Regal (28)

11. Juni 2013

Jan-Uwe Fitz: Wenn ich was kann, dann nichts dafürJan-Uwe Fitz: Wenn ich was kann, dann nichts dafür. Berlin (Ullstein Taschenbuch) 2013. 252 Seiten, 8 Euro 99.

Jan-Uwe Fitz hier vorzustellen, hieße Tauben nach Venedig zu tragen.

Sein neues Buch hier nicht zu besprechen, wäre aber dennoch unverantwortlich. Denn es ist ein alter Fitz auf neuem Niveau. Sätze, die auf dem Absatz umdrehen, Psychodefekte, wo man hinschaut, absurde Gedankengänge und eine grandiose Misanthropie – all das kennen wir vom bekanntesten Twitterer Deutschlands, vom eher unterschätzten Blogger, vom genialen Dialogvorlesereisenden.

So trifft der alte Fitzleser zwar viele alte, liebgewordene Bekannte wieder: die vielgestaltigen Menkes, die kaum vorstellbaren Eltern, das seltsame Bergdorf Juf, der in einer Taube wiedergekehrte Johannes Paul I. und all die Anrufer, Psychologen und Taxifahrer, die dem verzweifelten Protagonisten eine Projektionsfläche für seine Obsessionen bieten. Und Dialoge, die es so bei Kafka nicht gibt.

Aber er entdeckt auch etwas neues: Wer die Welt mehr und mehr aus den Augen des Taubenvergrämer zu sehen beginnt, merkt schließlich, dass nicht er der Kranke ist. All seine Gesprächspartner (Der Überwacher! Der Spediteur! Die Meisers!) haben eins an der Klatsche, ja die ganze Welt ist ein absurdes Tableau, auf dem man sich irgendwie bewegen muss, ob man will oder nicht. Dass wir dies tränenlachenderweise tun dürfen, dafür unser Dank an Jan-Uwe Fitz.

Zu toppen ist dieses Buch nur durch den Besuch einer Lesung mit Jan-Uwe Fitz, was hiermit wärmstens empfohlen sei. Nächste Gelegenheiten sind
20. Juni Berlin
21./22. Juni Basel
23. Juni München
24. Juni Berlin
25. Juni Köln
26. Juni Nürnberg
27. Juni Wuppertal
… und hoffentlich im Herbst in Tübingen

[Autor: uli]

Walter und ich

10. Juni 2013

Walter Jens habe ich nur einmal besucht. Damals, Anfang der Nuller Jahre, als Reporter für den Südwestrundfunk in Tübingen sollte eine vom Meister selbst gelesene Seite einer neuen Buchveröffentlichung akustisch eingefangen werden. Statt einen Übertragungswagen schickte man mich. Die Terminfindung war schwierig, weil Jens dauernd unterwegs. Mit einem klobigen DAT-Recorder im Rucksack quälte ich mich den Berg hoch, wo Jens in schönster Hanglage weniger wohnte denn residierte. Die zauberhafte Inge Jens hieß mich herzlich willkommen, im Obergeschoss empfing mich Walter Jens. Nach einer sehr freundlichen Fragerunde (Was machen Sie so? Ah ja, sehr interessant) wurde von Jens der Aufnahmezeitpunkt bestimmt. Hektisch kramte ich den DAT-Recorder heraus, stöpselte ihn zusammen und pegelte die Aufnahme aus. Walter Jens begann nach meinem OK zu lesen, doch nach wenigen Sekunden dämmerte mir: Da ist was falsch, der Recorder recordete nicht, Jens las weiter (fehlerlos natürlich), ich schwitzte und unterbrach ihn ungerne nach 30 Sekunden mit devotem Geräusper und einem:
“Ehm, Herr Jens, ich glaube wir haben ein Problem.”
Jens: “Das schätze ich gar nicht, Herr Brenner.”
Ich: “Wir müssen noch einmal anfangen, denke ich.”
Die Stimmung im Raum verschlechterte sich rapide. Mein folgendes:
“So, jetzt können wir!” konterte er mit einem scharfen:

“Sind Sie sich sicher, Herr Brenner?”

und dem stechenden Blick eines Mannes, der keine 30 Sekunden seines Lebens zu verschwenden hatte.
Ich war mir sicher. Die Aufnahme klappte. Jens las (natürlich fehlerfrei) seinen Text runter und komplimentierte mich nicht unfreundlich aber doch sehr bestimmt aus seinen Hallen hinaus. Die Fahrradfahrt den Berg hinab trocknete meinen üppig fließenden Schweiß.

Den Tonfetzen “Sind Sie sich sicher, Herr Brenner?” installierte ich daraufhin bei meinem PC als Start-up-Sound, so dass die Stimme von Walter Jens fortan beim Hochfahren des Geräts nicht nur mein Tun, sondern fast das halbe Leben hinterfragte.
Es hat mir, glaube ich, nicht geschadet.

[Autor: wog]

Verhältnisse (23)

16. April 2013

Hilfe, Hunger! Abnehmen - aber richtig

In einer alten Fernsehzeitung gefunden.
Könnte aber auch eine neue sein.

[Autor: uli]

Der rote Mössinger

11. April 2013

Etikett: Der rote MössingerÜber das “rote Mössingen” muss ich hier nichts mehr erzählen. Aber darüber, wie gut manchmal Geschichte, Kultur und Natur zusammenpassen.

Die oft hundertjährigen Birnbäume, die auch heute noch rund um Mössingen stehen, sind dem kollektiven Ortsgedächtnis weitgehend entfallen. Während früher Birne um Birne eingesammelt und vermostet oder verschnapst (Mössingen hatte einst die höchste Brennereidichte Deutschlands) wurde, bleiben die Früchte heute meist liegen und vergammeln in den Streuobstwiesen.

Seit einigen Jahren kümmert sich das örtliche “Netzwerk Streuobst” (bei dem ich ebenfalls mitmischen darf) darum, den Streuobstwiesen rund um Mössingen wieder einen Wert zu geben, und vor allem junge Familien dazu zu bringen, “Stückle” zu pachten und zu pflegen. Das gelingt zunehmend besser, dennoch gibt es noch viele Probleme zu lösen. Eines davon sind die Verwertungsmöglichkeiten für die Birne. Da heute oft nur noch die alten Leute Most trinken, das Verschnapsen in großen Lagerbeständen in Mössinger Kellern endet und der Preis, der für Birnen zu erzielen ist, eher kläglich genannt werden muss, kamen wir auf die Idee, dieses Obst einer ganz anderen Verwertung zuzuführen.

Gemeinsam mit Stefan Holweger, dem sehr aufgeschlossenen, ideenreichen und probierfreudigen Juniorchef der gleichnamigen Mosterei in Täbingen entwickelten wir den roten Birnensecco, der so gut zu dieser Stadt passt. “Der rote Mössinger” ist ein sortenreiner Birnensecco aus der Oberösterreicher Weinbirne, gefärbt mit Johannisbeerkonzentrat.

Da am geplanten Erntetermin – Samstag, dem 27. Oktober – der erste Schnee des Winters 2012/13 fiel, mussten wir jede einzelne Birne mit klammen Händen unter dem Schnee hervorgrubeln. So blieb die Menge an Birnensecco, die am Ende produziert werden konnte, eher überschaubar. Nicht zuletzt deshalb wird – dieses Jahr – nicht viel „roter Mössinger“ im freien Verkauf erhältlich sein.

Wir hoffen jedoch, dass das Produkt so gut ankommt, dass wir nächstes Jahr nicht nur selbst die Menge erhöhen können, sondern auch andere Birnbaumbesitzer dafür gewinnen, ihr Obst zu “rotem Mössinger” verarbeiten zu lassen. Der Geschmack übrigens ist “eindrucksvoll, den angenehmen und unaufdringlichen Birnengeschmack im Mund, leicht, durch den moussierenden Johannisbeergeschmack trocken im Abgang. An dieses Getränk kann man sich gewöhnen”, so ein Kenner, der vorab probieren durfte.

Wer ebenfalls kosten möchte, kann dies während des Mössinger Kultursommers beim Lindenhof-Theaterstück “Ein Dorf im Widerstand” tun. Auch das Café Chamäleon in der Kulturscheune bietet den “Roten Mössinger” an – zum ersten Mal im Rahmen des Mostseminars am Freitag 19. April, danach regelmäßig zu den Öffnungszeiten. Am besten zu verbinden mit einem Besuch der Ausstellung “Mössingen, 31. Januar 1933“. Dort gibt es auch einzelne Flaschen zu kaufen.

Bereits gekostet haben:
Der Reutlinger General-Anzeiger
Das Schwäbische Tagblatt (Der Artikel selbst liegt hinter der Tagblatt-Paywall, sorry)
Der Link zum Bericht, der gestern in SWR4 lief, wird nachgeliefert.

[Autor: uli]

Kid-Cuts (51) – Botschaften, mysteriöse

9. April 2013

Man hat das ja lange und hart studiert: Sinn und Bedeutung aus noch so aberwitzigen Kombinationen von Wörtern zu konstruieren. Etwas reinzulesen, was da vielleicht gar nicht steht. Solange die Kinder nur gesprochen haben, war das anfangs anfangs immer noch recht drollig. Später kam der Fremdeinfluss , etwa hier nachzulesen, dazu. Schön und gut, da wurde es dann etwas zotiger. Jetzt aber, mit der wachsenden Fähigkeit zur Verschriftlichung finden merkwürdige Dinge statt. Bedeutungen verschieben und gabeln sich, Wort-Paare geben Rätsel auf: Was will uns das Kind sagen? Und vor allem: Was hat es mit dieser – ja nicht völlig unpassenden – Wahl des Materials, auf dem geschrieben wird, auf sich? Oh Schleiermacher hilf! Oder vielleicht auch Freud. Egal. Irgendjemand.

[Autor: wog]

Kid-Cuts (50) – Papa-Tag

2. April 2013

Der Plan: Kuscheltier Nr. 1 (Hund “Huhu”, 5 Jahre) soll zu Ostern ein RENAUTO kriegen. Natürlich ist alles streng geheim. Zuerst wird ein Plan gemacht. Draufsicht, Huhu liegend.

Dann wird Huhu vermessen. Biometrische Daten sind das A und O bei der RENAUTO-Konzeption. Das Tier muss schließlich reinpassen.

Die nächsten Schritte wurden sträflicherweise nicht dokumentiert. Wichtige Rollen spielen dabei 1 Stückliste mit Farbangaben (Chassis=grün, Seitenteile=blau, Sitz=rot, Flügel=weiß, Räder=schwarz), 1 Werkstatt mit Ofen, den man erstmal mit Holz füllen und anzünden muss, viele laute Maschinen, die aus Holzresten die passenden Einzelteile machen, 1 Schleifmaschine, die von Tochter bedient wird und aus spreißeligem Holz zuerst (60er Papier) glattes und dann (240er Papier) sauglattes machen, mehrere Farbtöpfe und Pinsel, 1 Schrauber und mehrere Schrauben sowie 1 Papa mit viiel Zeit. Noch am Ostersamstag wird gewerkelt und endlich beginnt die Montage.

Zum Schluss noch die Räder dran, schon wird Huhu mit verbundenen Augen in sein neues Gefährt gesetzt. Er ahnt noch nichts.

Dann wird die Augenbinde entfernt und Huhu ist zum ersten Mal in seinem Leben sprachlos.

Schließlich wird Huhu – was man von ihm wahrlich nicht gewöhnt ist – auch noch generös: Schäfle darf mitfahren!

[Autor: uli]

Kern-Fusion

15. März 2013

[Autor: uli]

Bildunterschrift gesucht (Nr. 27)

7. Februar 2013

[Autor: uli]

Stoiber on drums – making of

5. Februar 2013

Das geniale Stoiber-on-drums-Solo von Jonny König habt ihr sicher alle schon gesehen.


[Direkt stoibern]

Hintergrundinfos dazu liefert nun der ebenso geniale Jamclub – die Tübinger Musikschule, in der Jonny sieben Jahre lang Schlagzeug-, Gitarren-, Piano- und Gesangsunterricht hatte, bevor er an Popakademie studierte.

Das Stoiber-Solo entstand in Vorbereitung auf die Schlagzeugprüfung an der Popakademie. Johnny: “Ich wollte auf jeden Fall etwas machen, was sich vom klassischen Schlagzeugsolo abgrenzt und neue Wege beschreitet.” Das ganze Interview samt Jonnys Vita gibt’s drüben beim Jamclub-Blog.

[Autor: uli]