Der ganz normale Dietl-Wahnsinn

30. März 2015

Alles haben wir gekuckt von ihm. Und uns mit zunehmendem Gewinn in seinem Werk nach hinten durchgearbeitet. Klar, zuerst und immer wieder “Kir Royal”. Dann den “Monaco Franze” und danach die “Münchner Geschichten”. Und dann erst vergangene Woche und unglaublicherweise zum ersten Mal “Der ganz normale Wahnsinn”, eine Serie, die nichts weniger ist, als es der Titel verspricht. Zwölf Folgen aus dem Jahr 1979 über den (natürlich) scheiternden Journalisten und Autor Maximilian Glanz auf der Suche nach dem Glück, einer bezahlbaren Wohnung in München und einer funktionierenden Beziehung.

“Woran es liegt, dass der Einzelne sich nicht wohl fühlt, obwohl es uns allen doch so gut geht” heißt das Buch, das dieser Maximilian Glanz schreiben will (und es tut, aber kurz nach Druck und Verlagskonkurs umgehend wieder eingestampft wird). Und alle, aber auch alle Probleme (nur ohne Handys) die diesen neurotischen Glanz 1979 umtreiben, die gibt es heute noch genau so. Derart frech und kompromisslos ist das inszeniert (mitsamt einer völlig wahnsinnigen Abschluss-Folge), dass man da heute nur noch staunen kann. 36 Jahre später! Wie nennt man das noch mal? Ach ja. Visionär. Das war Helmut Dietl. Heute Mittag ist er gestorben. Er hat das deutsche Fernsehen um so vieles sehenswerter gemacht.

[Autor: wog]

Volle Kanne

27. März 2015

Volle Kanne“? Bis gestern wusste ich nicht einmal, dass es eine solch benamste ZDF-Sendung überhaupt gibt. Danke Bastian Melnyk, einst Gast bei “Das Letz niest”, färbt nun etwas Weltruhm auf uns ab, denn der war gestern dort zu Gast. Den Beitrag findet man noch in der ZDF-Mediathek und Bastian schreibt über sein ZDF-Abenteuer in seinem Blog: Volle Kanne Weltruhm.

[Autor: uli]

elektromobil (1)

19. März 2015

Ich drehe den Zündschlüssel um, ein Signal ertönt, das Display sagt “READY”. Der Lüfter der Klimaanlage läuft leise auf Stufe eins. Mehr ist nicht zu hören. Ich stelle den Wählhebel auf “D” und tippe vorsichtig aufs Gaspedal. Das Auto bewegt sich geräuschlos und rollt vom Hof des Autohauses. Ein irritiert dreinschauender Fußgänger lässt mich grinsen. Ich habe soeben ein Elektroauto gekauft. Es ist Donnerstag, der 30. Januar 2014. Eine neue Zeit beginnt.


Nachbau des ersten Elektromobils von A. Flocken. (Foto: Franz Haag, Quelle: Wikipedia)

Neu? Meine Großmutter wurde 1889 geboren. Damals gab es bereits Elektroautos. 1839 baute der Schotte Robert Anderson das erste Elektrofahrzeug, seit 1888 stellte die Coburger Maschinenfabrik A. Flocken den weltweit ersten elektrisch angetriebenen Personenkraftwagen her. Zwei Jahre zuvor hatte Carl Benz seinen mit Verbrennungsmotor angetriebenen Motorwagen zum Patent angemeldet. Zusammen mit der schon länger bewährten Dampfmaschinentechnologie gab es also drei konkurrierende Antriebskonzepte für Motorwagen.

Ende des 19. Jahrhunderts schien klar, wie diese drei Gattungen den wachsenden Markt von Motorfahrzeugen unter sich aufteilen würden. Der Präsident des “Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins”, Oberbaurat a.D. Klose, beschrieb dies 1897 so:

“Als Motorfahrzeuge, welche ihre Energie zur Fortbewegung mit sich führen, machen sich zur Zeit drei Gattungen bemerkenswert, nämlich: durch Dampf bewegte Fahrzeuge, durch Oelmotoren bewegte Fahrzeuge und durch Elektrizität bewegte Fahrzeuge. Die erste Gattung dürfte voraussichtlich in Zukunft hauptsächlich für Wagen auf Schienen und schwere Straßen-Fahrzeuge in Betracht kommen, während das große Gebiet des weiten Landes von Oelmotorfahrzeugen durcheilt werden und die glatte Asphaltfläche der großen Städte wie auch die Straßenschiene von mit Sammlerelektrizität getriebenen Wagen belebt sein wird.” (Quelle: Wikipedia)

Tatsächlich wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die überwiegende Mehrheit der für den Personen- und Gütertransport eingesetzten Fahrzeuge sowohl in den USA als auch in Europa elektrisch betrieben. Selbst Kaiser Wilhelm II. hatte drei Elektroautos in seinem Fuhrpark. “Um 1900 waren in den USA 40% der Automobile Dampfwagen, 38% Elektrowagen und 22% Benzinwagen. Der Höhepunkt der Elektroautowelle wurde 1912 erreicht: 20 Hersteller bauten 33.842 Elektroautos.” (Wikipedia) Auch die symbolträchtige Geschwindigkeitsmarke von 100 Stundenkilometern wurde 1899 erstmals von einem Elektrofahrzeug überschritten.

Antriebe der Automobile in den USA um 1900 in %

Warum setzte sich ab 1910 dann trotzdem das Automobil mit Verbrennungsmotor durch? Dazu gibt es verschiedene Theorien. Sicherlich spielte die Erfindung des Anlassers eine Rolle, denn bis dahin mussten Benzinautos mühsam angekurbelt werden. Zudem hatten sie eine größere Reichweite. In den USA baute Standard Oil das Vertriebsnetz für Benzin aus und Henry Ford stellte sein T-Modell von Äthanol auf Benzin um. Möglicherweise – so die Theorie des niederländischen Technikhistorikers Gijs Mom – verhinderten auch kulturelle Faktoren die Verbreitung des Elektro-Autos.

Erst 80 Jahre später – im Zeichen wachsenden Umweltbewusstseins, angesichts der zweiten Ölkrise und mit der Entwicklung besserer Batterien – begannen Ingenieure in den 1990er Jahren, das alte Konzept E-Mobil wieder auf die Agenda zu setzen. Aber es dauerte fast weitere 20 Jahre, bis die großen Automobil-Hersteller ernsthaft daran dachten, Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb zu bauen.

Eins ist jetzt meins.

(Fortsetzung folgt)

[Autor: uli]

Wir staunen.

18. März 2015

Eine Firma überweist versehentlich im Abstand von drei Tagen eine Rechnung zweimal. Am Tag, an dem die zweite Rechnung auf unserem Konto gutgeschrieben wird, erreicht mich ein Brief (!), in dem die Firma auf ihr Missgeschick hinweist. Hätte sie nicht müssen, denn natürlich wird der doppelte Betrag zurücküberwiesen. Das geht ja ganz fix: Im Bankprogramm die Fehlüberweisung rechts anklicken und “Rücküberweisung” auswählen – fertig.

Tags darauf kommt ein zweiter Brief (!):

Ich weiß gar nicht, worüber ich am meisten staunen soll: Dass jemand im Internetzeitalter noch solche Briefe schreibt, dass jemand erstaunt darüber ist, dass er sein Geld gleich wieder zurück kriegt oder dass jemand in einer Geschäftskorrespondenz die Worte “Wir staunen” verwendet.

Made my day.

[Autor: uli]

Fehler gefunden

2. März 2015

Hier liegt der Fehler wohl auf der anderen Seite.

Oder ich habe in der Grundschule nicht richtig aufgepasst. Womöglich hat die Lehrerin uns beigebracht, dass die M. der A4 Seite 210×297 Millimeter seien, dass man Blumen in eine V. stellt, dass Kaffee in eine T. gehört, dass das kleine Hoppeltier H. und die Kusine B. heißt. Und dass man nach links und rechts gucken sollen, wenn man über die Str. läuft. Sollte das so sein, f. ich mir an die eigene N. und l. was in die Abkürzungsk. fallen

[Autor: uli]

Ich schäme mich.

25. Februar 2015

Vielleicht ist es ein Fehler, nicht wenigstens gelegentlich die BILD zu lesen, denn so entgeht mir, aus welchem “Leitmedium” der Hass und die Lügen stammen, mit denen die Griechen seit Jahren überzogen werden. Und die in abgeschwächter Form auch von anderen Medien übernommen werden und in Griechen-Witzchen und Nebensätzen von Bekannten und Freunden bei mir ankommen.

Bei Stefan Niggemeier lese ich nun, wie ein ehemaliger deutscher Regierungssprecher in der BILD gegen die Griechen hetzt, sie als Raffke-Griechen diffamiert und ihre Regierung mit Rockern vergleicht:

“Wie lederbejackte Rüpel-Rocker röhren Griechenlands Neo-Premier und sein Posterboy-Finanzminister seit ihrem mit platten Parolen erzielten Wahlsieg durch Brüssel. Ihr Gesetz ist die Straße. Hier sind sie (politisch) groß geworden. Hier ist ihre Hood. Deren Unterstützung wollen die Kawa-Naked-Biker (zumindest Varoufakis hat eine) nicht verlieren.”

Da wird’s mir nicht nur als Motorradfahrer schlecht. Das ist Volksverhetzung.

Wir haben Freunde in Griechenland. Das sind keine Raffkes. Auch ihre Freunde und Verwandte sind keine Raffkes. Auch deren Freunde und Verwandte sind keine Raffkes. In Griechenland gibt es grad so viele Raffkes und Zeitungsarschlöcher wie überall, wie auch in Deutschland. Die kotzen mich in Griechenland genauso an wie in Deutschland.

Unsere Freunde sind keine Raffkes, sondern Menschen, die versuchen mit dem Schlamassel klarzukommen, den die Vorgängerregierungen von Syriza in jahrzehntelanger Vetternwirtschaft verursacht haben. Ich weiß nicht, ob sie Syriza gewählt haben, aber ich würde es verstehen. Ich an ihrer Stelle hätte es wahrscheinlich getan.

Unsere Freunde sind keine Raffkes. Die versuchen, ihren Kindern mit selbstfinanziertem Privatunterricht eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Die ins Ausland gehen, um Geld zu verdienen. Die Zweitjobs annehmen, um über die Runden zu kommen. Die Tag für Tag um ihre Existenz kämpfen. Und die uns trotzdem immer wieder zu sich einladen, ihr Haus, ihr Essen mit uns teilen.

Was sagen wir denen zu solchen Zeitungsartikeln, zu den Witzchen und Beschimpfungen?

Ich schäme mich.

[Autor: uli]

Kid-Cuts (63) – Medienkompetenz

4. Februar 2015

Die Eltern haben Ausgang, packen sich ins Busle und fahren nach Sindelfingen, um dem Oralapostel Willy Astor zu huldigen. Kurz vor dem Ziel wollen wir nochmal auf die Eintrittskarten schauen, wo genau der Auftritt denn stattfindet (“War doch Stadthalle, oder?”), aber die Karten sind nicht da, nur die Hülle, in der sie mal gesteckt hatten.

Alles Suchen hilft nix, die Karten sind weg. Zum Umdrehen ist es zu spät. Ein Anruf zu Hause schickt die Babysitterin auf die Suche und tatsächlich liegen die Karten einsam in der Nacht auf dem Parkplatz vor dem Haus. Nun liegt die Lösung auf der Hand – zumindest sollte man den Versuch wagen.

“Kannst du die Karten fotografieren und uns durchschicken?”
“Ich versuch’s.”

Doch alle Mühe vergeblich. Das Bild der Eintrittskarten lässt sich nicht durchsimsen.
Zum Glück ist das Kind (7) soweit medienkompetent, dass es weiß, wie man das iPad aktiviert, ein Foto macht und eine Mail verschickt.
Zwei Minuten später haben wir die Karten auf dem Smartphone.

Unglaublicherweise genügt dem Mann am Schalter das Handyfoto, um uns Ersatzkarten auszustellen. Wir sind drin!

Bleibt nur noch die Frage, was das für ein Kraut ist, was die Babysitterin da raucht.

[Autor: uli]

Kid-Cuts (62) – Drohungen

23. Januar 2015

 

Das schöne an kindlichen Drohungen ist ja, dass sie mit einer kategorischen Entschiedenheit ausgesprochen werden, wie sie im späteren Leben nie wieder erreicht werden kann. Ein hingerotztes “Bösa Papa, Mori schbilt ni mer mit dir”, natürlich in Versalien, weil die Erstklässler Kleinbuchstaben zwar kennen, aber sich weigern, diese anzuwenden, ein solches Schreckensszenario also ist im kindlichen begrenzten Zeithorizont noch genau so gemeint, sprich fünf Minuten lang.

Der Kleine hat nämlich bei der Playmobil-Burgbelagerung verloren. Grundregel ist: Wenn der gegnerische König umfällt, hat man gewonnen. Mit meinem Katapult habe ich seinen König (samt dessen halbwüchsigem Sohn) mit einem so genialen wie vernichtenden Schlag aus seinem eigentlich narrensicheren Turmversteck rausgeblasen. Das hätte der Kleine nicht erwartet – entsprechend groß war erst das Entsetzen und dann das Geschrei. Wenige Minuten später kam glasklar formuliert die Absage an künftige Spieltermine.

Als Botin schleppte die größere Schwester das Drohdokument heran.

Ich versuchte zu beschwichtigen.

Die Antwort kam prompt und eindeutig.

Ich machte mich zum Narren.

Die Antwort war kryptisch. “Ja ne nur zufort”. Vermutlich eine Art Einknicken unter klaren Konditionen.

Danach erniedrigte ich mich noch weiter.

Einknicken komplett. Forderung “Westan nur jetzt” nur für Insider verständlich. “Westan” heißt vermutlich Western-Stadt-Spielen.

Trottelwerdung am Ende vollendet. Und um dem die Krone aufzusetzen, fügte die Große noch den Namen des Trottels hinzu. Papa.

[Autor: wog]

Pappkicker-News

4. Dezember 2014

Es braucht einen wirklich guten Grund, will man seinen halbwüchsigen Söhnen erklären, warum die Spielzeugeisenbahn weichen muss. Nico Nebel hatte einen: Den nagelneuen Pappkicker von Kartoni, den er hier im Blog per Los gewann.

Hätte ich nicht schon einen gehabt, würde ich nach seinem wundervoll bebilderten Test sofort losziehen, um mir einen zu kaufen. Ein Grund mehr: Wie mir Nico versicherte, sind die Kinderkrankheiten des Pappkickers dank extra verstärkten Seitenteilen nun beseitigt.

Auch die Software – sprich: Das Spielermaterial – scheint aufgemotzt worden zu sein. Offenbar sind sogar Frauenteams im Angebot.

[Autor: uli]

Liebe Bundesagentur für Arbeit!

2. Dezember 2014

Wir haben in unserem Unternehmen einen Job anzubieten und dachten, es wäre vielleicht schlau, dies auch in eurer Online-Jobbörse zu tun. Das habe ich vergangenen Donnerstag dann auch gemacht und fand’s eigentlich recht einfach: Man meldet sich an, legt ein Arbeitgeberprofil an und erstellt ein Stellenangebot, fertig.

Fast.

Denn dann sagtest du mir: “Damit Sie alle Funktionen uneingeschränkt nutzen können, ist es erforderlich, dass Sie Ihr Benutzerkonto noch mit einer PIN (Persönliche Identifikationsnummer), die Ihnen in den nächsten Tagen per Post zugestellt wird, freischalten.”

Na gut, denke ich, das ist ja alles automatisiert, dann müsste die PIN ja morgen, spätestens übermorgen da sein, und dann kann die Bewerbersuche losgehen.

Pustekuchen.

Heute, Dienstag, liegt das Schreiben im Briefkasten. Aber da ist keine PIN drin, sondern ein weiterer Schnitzeljagd-Zettel:

klick!

Diesen Registerauszug soll ich dir “aus Gründen des Datenschutzes bitte im verschlossenen Briefumschlag” zurücksenden. Einen Registerauszug, den sich jeder hochoffiziell selbst besorgen kann (zum Beispiel auch du!), den darf ich nicht per Mail verschicken oder Fax?

Jetzt frage ich dich: Wie wird das weitergehen? Schickst du mir als nächstes ein Holzkästchen, in dem die PIN drinliegt, und wenn ich dann schriftlich und mit einem Stempel des zuständigen Notars nachgewiesen habe, dass sich das Kästchen in meinem Besitz befindet, dann erhalte ich, falls ich ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis vorlegen kann, den dazu passenden Schlüssel – per Post, versteht sich? Wird sich dann herausstellen, dass diese PIN nur eine verschlüsselte ist und man zur Lösung der Aufgabe noch einen speziellen Hashcode benötigt, den ich selbstverständlich kostenfrei bei meinem zuständigen Arbeitsamt erhalten, wobei die Öffnungszeiten etwas skurill sein können und ich mich gegebenenfalls in die Schlange derer stellen muss, denen ich gerade einen Job anbieten möchte?

Oder anders gefragt, liebe Bundesagentur: Geht’s noch?

Nachtrag:
Heute, 9.12. ist die PIN in der Post.

[Autor: uli]