Archiv für die Kategorie „Diaspora“

Mörderisch

Montag, 27. April 2015

Ein römisches Täfelchen, …

… eine männliche Leiche …

… süße Indizien …

… sowie viele, viele Hinweise …

… sind die Zutaten für das toll inszenierte Krimispektakel „Mord im Museum“. Dabei betritt man auch Räume des württembergischen Landesmuseums im Stuttgarter Alten Schloss, die normalen Zuschauern verborgen bleiben.


Wer war’s – die Museumsdirektorin, die Gräfin, der Assistent, die Restauratorin, der Aufseher?

Zwar schaffte es unsere Ermittlergruppe vergangenen Donnerstag nicht, den Fall zu lösen. Großen Spaß gemacht hat es dennoch.

Die nächste Gelegenheit, den Mörder (oder die Mörderin?) zu jagen, bietet sich im September.

Gnadenlos

Montag, 27. April 2015

Immer immer wieder wieder hörenswert: Hannes Bauer (links) samt Orchester Gnadenlos (rechts). Mir pfeifen noch die Ohren vom Freitagabend-Konzert im Glemser „Hirsch“.

Immer wieder hörenswert: Hannes Bauer & Orchester Gnadenlos

Der Mann spielt seit 30 Jahren die gleichen pubertären Songs …

Marleen, die wohnt gleich neben mir,
an der Haltestelle steh ich jeden Morgen neben ihr,
ich würd sie gern viel öfter sehn,
Marleen, Marleen, Marleen

… für Biker …

Draußen isses dunkel, nur im Schuppen brennt noch Licht
Jo fummelt am Ofen, Öl und Dreck im Gesicht,
Er flucht und derh tnoch eben die letzte Schranube rein,
da tritt jemand von außen die Werkstatttüre ein:
„Hallo Jo, schön dich zu sehn,
ich krieg noch n Riesen von dir.“

… und Bluesrocker („Ich hau ab“, die eingedeutschte Gibgas-Variante von Alvin Lees „Goin home“) und hat dabei auch noch vor dreißig Leuten in der Dorfkneipe einen solchen Spaß, dass man immer immer wieder wieder hingehen muss. Deutscheren Rock’n’Roll gibt’s auch von seinem Chef nicht. Schon gar nicht als Trio.

Stefan Beck ist tot.

Dienstag, 21. April 2015

Den Tag vergesse ich nie. Du kamst ins TVV-Zimmer, warst richtig euphorisch und sagtest, da ist etwas, das wird die Welt verändern. Es nenne sich Hypertext. „Wozu soll das gut sein?“, fragte ich. „Alles wird vernetzt“, sagtest du, „mit Hyperlinks“. Ich verstand kein Wort. Später, als wir zusammen vor dem Bildschirm saßen und uns per Mosaic durchs ruckelnde Internet klickten, kapierte ich. Aber erst Jahre danach wurde mir klar, dass du schon damals wusstest, dass ein neues Zeitalter begonnen hatte.

Auch wenn wir uns schon lange aus den Augen verloren haben, gibt es täglich Gelegenheiten, bei denen ich an dich denken muss. Und das hat sicher den Grund, dass du der gleichzeitig scharfsinnigste wie warmherzigste Mensch warst, mit dem ich zusammenarbeiten und von dem ich lernen durfte. In meiner Erinnerung sehe ich dich stets lachen. Das macht mich leider nicht weniger traurig. Es ist nicht fair, dass du gehen musstest.

elektromobil (1)

Donnerstag, 19. März 2015

Ich drehe den Zündschlüssel um, ein Signal ertönt, das Display sagt „READY“. Der Lüfter der Klimaanlage läuft leise auf Stufe eins. Mehr ist nicht zu hören. Ich stelle den Wählhebel auf „D“ und tippe vorsichtig aufs Gaspedal. Das Auto bewegt sich geräuschlos und rollt vom Hof des Autohauses. Ein irritiert dreinschauender Fußgänger lässt mich grinsen. Ich habe soeben ein Elektroauto gekauft. Es ist Donnerstag, der 30. Januar 2014. Eine neue Zeit beginnt.


Nachbau des ersten Elektromobils von A. Flocken. (Foto: Franz Haag, Quelle: Wikipedia)

Neu? Meine Großmutter wurde 1889 geboren. Damals gab es bereits Elektroautos. 1839 baute der Schotte Robert Anderson das erste Elektrofahrzeug, seit 1888 stellte die Coburger Maschinenfabrik A. Flocken den weltweit ersten elektrisch angetriebenen Personenkraftwagen her. Zwei Jahre zuvor hatte Carl Benz seinen mit Verbrennungsmotor angetriebenen Motorwagen zum Patent angemeldet. Zusammen mit der schon länger bewährten Dampfmaschinentechnologie gab es also drei konkurrierende Antriebskonzepte für Motorwagen.

Ende des 19. Jahrhunderts schien klar, wie diese drei Gattungen den wachsenden Markt von Motorfahrzeugen unter sich aufteilen würden. Der Präsident des „Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins“, Oberbaurat a.D. Klose, beschrieb dies 1897 so:

„Als Motorfahrzeuge, welche ihre Energie zur Fortbewegung mit sich führen, machen sich zur Zeit drei Gattungen bemerkenswert, nämlich: durch Dampf bewegte Fahrzeuge, durch Oelmotoren bewegte Fahrzeuge und durch Elektrizität bewegte Fahrzeuge. Die erste Gattung dürfte voraussichtlich in Zukunft hauptsächlich für Wagen auf Schienen und schwere Straßen-Fahrzeuge in Betracht kommen, während das große Gebiet des weiten Landes von Oelmotorfahrzeugen durcheilt werden und die glatte Asphaltfläche der großen Städte wie auch die Straßenschiene von mit Sammlerelektrizität getriebenen Wagen belebt sein wird.“ (Quelle: Wikipedia)

Tatsächlich wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die überwiegende Mehrheit der für den Personen- und Gütertransport eingesetzten Fahrzeuge sowohl in den USA als auch in Europa elektrisch betrieben. Selbst Kaiser Wilhelm II. hatte drei Elektroautos in seinem Fuhrpark. „Um 1900 waren in den USA 40% der Automobile Dampfwagen, 38% Elektrowagen und 22% Benzinwagen. Der Höhepunkt der Elektroautowelle wurde 1912 erreicht: 20 Hersteller bauten 33.842 Elektroautos.“ (Wikipedia) Auch die symbolträchtige Geschwindigkeitsmarke von 100 Stundenkilometern wurde 1899 erstmals von einem Elektrofahrzeug überschritten.

Antriebe der Automobile in den USA um 1900 in %

Warum setzte sich ab 1910 dann trotzdem das Automobil mit Verbrennungsmotor durch? Dazu gibt es verschiedene Theorien. Sicherlich spielte die Erfindung des Anlassers eine Rolle, denn bis dahin mussten Benzinautos mühsam angekurbelt werden. Zudem hatten sie eine größere Reichweite. In den USA baute Standard Oil das Vertriebsnetz für Benzin aus und Henry Ford stellte sein T-Modell von Äthanol auf Benzin um. Möglicherweise – so die Theorie des niederländischen Technikhistorikers Gijs Mom – verhinderten auch kulturelle Faktoren die Verbreitung des Elektro-Autos.

Erst 80 Jahre später – im Zeichen wachsenden Umweltbewusstseins, angesichts der zweiten Ölkrise und mit der Entwicklung besserer Batterien – begannen Ingenieure in den 1990er Jahren, das alte Konzept E-Mobil wieder auf die Agenda zu setzen. Aber es dauerte fast weitere 20 Jahre, bis die großen Automobil-Hersteller ernsthaft daran dachten, Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb zu bauen.

Eins ist jetzt meins.

(Fortsetzung folgt)

Kid-Cuts (63) – Medienkompetenz

Mittwoch, 4. Februar 2015

Die Eltern haben Ausgang, packen sich ins Busle und fahren nach Sindelfingen, um dem Oralapostel Willy Astor zu huldigen. Kurz vor dem Ziel wollen wir nochmal auf die Eintrittskarten schauen, wo genau der Auftritt denn stattfindet („War doch Stadthalle, oder?“), aber die Karten sind nicht da, nur die Hülle, in der sie mal gesteckt hatten.

Alles Suchen hilft nix, die Karten sind weg. Zum Umdrehen ist es zu spät. Ein Anruf zu Hause schickt die Babysitterin auf die Suche und tatsächlich liegen die Karten einsam in der Nacht auf dem Parkplatz vor dem Haus. Nun liegt die Lösung auf der Hand – zumindest sollte man den Versuch wagen.

„Kannst du die Karten fotografieren und uns durchschicken?“
„Ich versuch’s.“

Doch alle Mühe vergeblich. Das Bild der Eintrittskarten lässt sich nicht durchsimsen.
Zum Glück ist das Kind (7) soweit medienkompetent, dass es weiß, wie man das iPad aktiviert, ein Foto macht und eine Mail verschickt.
Zwei Minuten später haben wir die Karten auf dem Smartphone.

Unglaublicherweise genügt dem Mann am Schalter das Handyfoto, um uns Ersatzkarten auszustellen. Wir sind drin!

Bleibt nur noch die Frage, was das für ein Kraut ist, was die Babysitterin da raucht.

Pappkicker-News

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Es braucht einen wirklich guten Grund, will man seinen halbwüchsigen Söhnen erklären, warum die Spielzeugeisenbahn weichen muss. Nico Nebel hatte einen: Den nagelneuen Pappkicker von Kartoni, den er hier im Blog per Los gewann.

Hätte ich nicht schon einen gehabt, würde ich nach seinem wundervoll bebilderten Test sofort losziehen, um mir einen zu kaufen. Ein Grund mehr: Wie mir Nico versicherte, sind die Kinderkrankheiten des Pappkickers dank extra verstärkten Seitenteilen nun beseitigt.

Auch die Software – sprich: Das Spielermaterial – scheint aufgemotzt worden zu sein. Offenbar sind sogar Frauenteams im Angebot.

Kid-Cuts (61) – Geruch

Mittwoch, 19. November 2014

Beim Abendessen.
Kind steht auf und holte Tube Tomatenmark aus dem Kühlschrank.
Kind setzt sich wieder hin.
Kind riecht an verschlossener Tube.
Kind steht auf und geht zu Mama.
Kind riecht an Mama.
Kind setzt sich wieder hin.
Kind: „Mama, du riechst besser.“
Keine Pointe.

Los, Fee!

Dienstag, 18. November 2014

Natürlich hätten es alle drei Interessenten verdient, den Pappkicker 2.0 testen (und behalten) zu dürfen, wir haben aber leider nur einen zu vergeben.

Darum musste die Losfee Kathrin einschreiten.

Die Spannung steigt …

Treffer!

… und hier ist der glückliche Gewinner!

Wir anderen freuen uns auf einen tollen Testbericht und spannende Turniere im Hause Nebel.

Novemberhimmel

Donnerstag, 13. November 2014

Pia on Tour

Freitag, 7. November 2014

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Buch, ein Mikrofon, ein Glas Wasser. Alles deutete auf eine Lesung hin, gestern abend im Vortragsraum der Mössinger Pausa. Und dann kam Pia Ziefle.

„Ein Tisch, ein Stuhl, ein Buch, ein Mikrofon, ein Glas Wasser – und jemand liest eineinhalb Stunden aus einem Buch vor. Mit diesem Konzept kann ich nichts anfangen“, so begann sie und in der Tat wurde diese Lesung sehr, sehr anders. Wie schreibt man ein Buch in einem dreikindrigen Haus? Man setzt sich Kopfhörer auf und hört Rio Reiser. Was beschäftigte die Menschen 1976? Simca, der schwedische König und die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Wer ist verantwortlich für die Benjamin-Blümchen-Drehbücher? Pia Ziefle. Wie ähnlich sind sich Berliner Friedrichstraße und Salmendinger Kornbühlstraße? Sehr nicht.

70 gebannte Zuhörerinnen und ein paar Zuhörer lernten, wie sich der IKEA-Katalog 1968 präsentierte, wieviel ein politisch inhaftierter DDR-Bürger wert war und wo die Pädophiliedebatte ihren Ausgang nahm. Hintergründe, die man nicht kennen muss, um Pia Ziefles neuen Roman „Länger als sonst ist nicht für immer“ zu verstehen. Aber schaden tut es auch nicht.

Und als Pia Ziefle am Ende doch noch aus ihrem Buch gelesen hatte, verließ das Publikum gemeinsam ein indisches Dorf und stieg aus einem mostgeschwängerten schwäbischen Keller mit Eingemachtem wieder ans Tageslicht und vergaß vor lauter Erinnerung ganz das Fragen.

Machte nichts, denn das konnte bei einem Gläschen Trollinger mit Lemberger nachgeholt werden. Und später noch ein Fläschchen.

Prädikat: Hingehen! Die nächsten Termine stehen auf Pias Tourplan.