Archiv für die Kategorie „Diaspora“

Desinformationsmaschine

Montag, 19. April 2010

Wie Politik und Medien es gemeinsam schaffen, uns nicht zu informieren, zeigt der stets lesenswerte Stefan Niggemeier heute am Beispiel der “hysterischen Berichterstattung” über die geplante iPhone-Anwendung von tagesschau.de. Alle schreiben die Empörung voneinander ab, wenn irgendwo ein Skandal dräut. Keiner berichtet über die Fakten, wenn sich herausstellt, dass es keinen gab.

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten. So einfach ist das.

Krasse Woche

Mittwoch, 7. April 2010

Airens autobiographischer Roman “Strobo” erschien im August 2009. Bekannt wurde er aber erst dadurch, dass die vom Feuilleton gefeierte Nachwuchsautorin Helene Hegemann in ihrem Debutroman “Axolotl Roadkill” etliche Passagen aus “Strobo” verarbeitete, ohne die Quelle zu nennen. Jedenfalls nicht direkt.

Die Plagiatsvorwürfe verschafften sowohl Hegemann als auch Airen eine “krasse Woche”. Hegemann trat bei Harald Schmidt auf, Airen kotzte. Und führte Tagebuch. Ich schreibe daraus ab:

Sonntag, 7.2.

An den Wochenenden gehen Nancy, meine Frau, und ich immer spazieren. Vor den Gemäuern der Nikolaikirche setzen wir uns eine Weile. Auf dem Rückweg mache ich noch einen Abstecher ins Internetcafé, mal die Mails checken. Es sind 28. Wenn ich heute darüber nachdenke, war das, dieser Moment, als ich da 28 neue Mails sah und eine nach der anderen aufklickte, der Augenblick, an dem ich Schritt für Schritt in ein neues Leben trat.

Montag, 8.2.

Du bist in der Zeitung, Alter, denk ich. Im Posteingang sind diesmal 42 Emails. Die Zeit, Der Spiegel, ARTE und WDR bitten um ein Statement, oder am liebsten gleich ein Interview. Ich checke auch seit langem wieder einmal meine Blogstatistiken. Nachdem ich seit beinahe einem halben Jahr keine Texte mehr geschrieben habe, dümpelten die Besucherzahlen irgendwo zwischen zehn und zwanzig pro Tag. Heute sind es achtundvierzigtausend.

Dienstag, 9.2.

So unglaublich das ist – langsam kann ich mich nicht mehr darüber freuen. Die Erfahrung beginnt allmählich, krass zu werden. In der letzten Nacht konnte ich nicht eine Sekunde schlafen. Ich zermartere mir pausenlos das Hirn. Ich denke nur noch an dieses eine Thema. Ich schwitze. “Strobo” ist seit dem frühen Morgen ausverkauft, nicht lieferbar. Morgen Interview mit der FAZ.

Mittwoch, 10.2.

Ich kann noch immer nicht schlafen. Mehr als 48 Wachstunden habe ich selbst mit Drogen selten durchgestanden.

Donnerstag, 11.2.

Ich stehe auf und kotze. Zeitungen kaufe ich heute nicht. Ich will nur noch, dass es aufhört. Helene Hegemann tritt auf. Sie scheint oben auf zu sein. Falsch gemacht habe sie gar nichts. Sie erwähnt weder mich noch mein Buch mit einem Wort. Ob ich Helene einmal treffen wollte, hatten mich viele in den letzten Tagen gefragt. Nach dieser Sendung nicht mehr.

Freitag, 12.2.

Die erste Nacht mit Schlaf. Der Pyjama war am Morgen trotzdem durchgeschwitzt. Die FAZ bringt das Interview. Endlich Worte in meinem Sinn, endlich meine Sicht der Dinge.

Samstag, 13.2.

Auf der Straße ziehe ich mir die Kapuze etwas tiefer ins Gesicht. Dabei ist die Gefahr, hier in Berlin-Moabit auf einen Spiegel-Leser zu treffen, ziemlich gering. Deef Pirmasens hat spontan eine Lesereise durch Deutschland organisiert und wird “Strobo” in verschiedenen Großstädten multimedial vorstellen.

Sonntag, 14.2.

Die beiden letzten Nächte konnte ich schlafen, auch wenn ich den Pyjama jedesmal am frühen Morgen gegen einen trockenen tauschen musste. An diesem Sonntag Vormittag will ich nur raus aus Berlin, Abstand gewinnen.

Montag, 15.2.

Schon wieder ist mein Posteingang voll. Doch diesmal mit Angeboten. Und eine Mail ist vom Rolling Stone. Ob ich nicht Lust hätte, ein Tagebuch über die letzte Woche zu schreiben. Ich nehme an.

Liebe Tagblatt-Leserinnen und -Leser!

Mittwoch, 7. April 2010

Ich vermute mal, dass der eine oder die andere unter euch bisher einen Bogen um Weblogs, Twitter und dergleichen gemacht hat, aber nun doch aus Neugier vorbeistöbert. Da wünsche ich viel Spaß und weise fürsorglich mal darauf hin, dass auch hier nicht erklärt wird, wozu das eigentlich gut sein soll. Das müsst ihr schon selber herausfinden.

Dennoch darf ich verraten, dass ein Wesenszug von Blogs die Vernetzung mit anderen Internetseiten ist, und dass Blogger oft auf mehreren Seiten “ins Internet schreiben”.

Ich selber tue dies hier als “uli” gemeinsam mit “wog” – der Name des Blogs weist ja schon auf den diabolischen dialogischen Charakter hin. Gemeinsam haben wir beide auch schon zwei Bücher geschrieben, von denen das eine – “Fast nichts über das Nichts” – ebenfalls zum Blog wurde, dem Nichtsblog. Gemeinsam mit anderen Autoren schreiben wir dort über … naja … Nichts.

Außerdem tummeln wir uns in dem interaktiven Projekt “Wer ist dir lieber?“, bei dem die Besucher über prominente Pärchen abstimmen dürfen, twittern als @uliuli und (eher sporadisch) @wofl und bemühen gelegentlich darum, virtuelle und reale Welt zusammenzubringen.

Darum und weil sich die Gelegenheit durch den Artikel im Tagblatt gerade ergibt: Blogger und Twitterer aus der Region oder Menschen, die sich fürs Bloggen interessieren, dürfen sich gerne bei mir melden. Oder direkt zum nächsten Bloggertreffen kommen.

Eine weitere Möglichkeit, mehr übers Bloggen zu erfahren, gibt es bei der zweiten Tübinger Bloglesung, die am 5. Juni im Club Voltaire in Tübingen stattfinden wird. Eine ausführliche Ankündigung dazu folgt noch. Und nun viel Spaß beim Stöbern!

3. Tübinger Bloggertreffen

Freitag, 2. April 2010
  • Blogger-/Twittertreffen
  • Mittwoch, 21. April 2010, ab 19 Uhr
  • im “Herzog Ulrich” in der Tübinger Südstadt
  • Erkennungszeichen: Weihnachtsmütze
  • mitzubringen: selbstgemachtes Essen oder Trinken zum Tauschen
  • Anmeldung: Bei Facebook oder bei Ecki in den Kommentaren

Ich halte das hier mal ganz kurz, denn drüben bei Ecki steht schon alles Wesentliche. Ich darf einstweilen an die Tradition erinnern und habe eine kleine Geschichte der Tübinger Bloggertreffen anzubieten:

Alles begann mit einem Glas Himbeermarmelade, das zu einem Treffen führte, über das es zwei Berichte gibt.

Dann geschah lange Zeit nichts. Bis der Drang zu groß wurde und ein zweites Treffen, das nun plötzlich “Webmontag” hieß, nicht mehr zu verhindern war. Diesmal waren auch mehr Personen anwesend, und die Berichte über die Veranstaltung bebildert.

Hier ist die Geschichte aus.

Bisher haben zugesagt:
Alex (@alexschnapper)
Bettina (@Bettina_Rohrer)
Daniela (@Elyia)
DrNI
Ecki (@lanka_vasa )
Jo (@___jo)
Lars (@eldersign)
Matthias
Lucia (@lucilu18)
Ralf (@allrutz)
Sabine (@FrauSchmecker)
Sibylle (@Sblaumann)
Stefan (@warper99)
Syd (@SydDelz)
Uli (@uliuli)

#immf 241

Mittwoch, 24. März 2010

Man schrieb Montag, den 16. November 2009, als ich Punkt 9 Uhr folgenden Tweet absetzte:

http://twitter.com/uliuli/status/5769750573

Alle Welt wollte der fünftausendste Follower von @frauenfuss aka Michaela von Aichberger werden, die in Twitter mit dem Projekt “#immf” bekannt wurde: “Ich male meine Follower“. Ich resignierte vorzeitig, reihte mich brav als viertausendneunhundertneunundneunzigster ein und zwitscherte obiges Statement.

Zwei Wochen später hatte die Schweinegrippe die ganze Familie fest im Griff. Ehefrau und Kind lagen mitsamt mir fierberglühend und wild verstreut in der Wohnung herum. Feiertagshalber raffte ich mich gerade noch dazu auf, Twitter einzuschalten – und was sah ich?

Und wie ich mich freute! Die ganze Familie versammelte sich um den Computer, wischte sich gegenseitig den Fieberschweiß von der Stirn, nahm einen tiefen Schluck Fencheltee, hielt den röchelnden Atem an und inhalierte folgendes Video:

Wir oinkten uns glücklich an und sanken zurück in die Kissen.

Danach dauerte es nur noch mehrere immf-Ausstellungen in Nürnberg, Köln, Hamburg, München, Tokio, New York und Twitterhude, einige wenige Familienfeiern zu Weihnachten, Neujahr, Fasnacht und mehreren Geburtstagen, weitere 5 Milliarden Tweets und drei lange Wintermonate, bis es jetzt endlich, endlich! eintrudelte – das Büchlein:

micha-uliuli-430

Micha, du hast was gut!

Zeitverschiebung bei Twitter

Dienstag, 23. März 2010

tw_punkrockie

tw_st4rbucks

Dachhund revisited

Montag, 22. März 2010

Als ich vor einiger Zeit davon berichtete, wie uns ein Hund auf dem nachbarlichen Garagendach in Atem hielt, dachte ich, es handele sich um eine außergewöhnliche Geschichte. Ich Dummkopf. Alle Hunde auf der ganzen Welt wollen aufs Dach. Und tun dies auch.

[via The Presurfer]

Schur Fitz (Nachschlag)

Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Bilder von @lana74 sind jetzt online. Toll.

Wer unsere Texte, die für die Lesung gestrafft wurden, im Original (und gelegentlich auch bebildert) nachlesen möchte, kann dies hier tun:

[Dieser Beitrag geht auf eine Initiative des Herrn Fitz zurück.]

Schur Fitz

Mittwoch, 24. Februar 2010

Wenn das Konzept irgendwann nicht mehr funktioniert, kann man mit diesem Namen immerhin noch einen Friseurladen eröffnen. Bisher sind die Prenzelberger aber noch sicher vor der Fitzschen Schere, denn auch der fünfte Jour Fitz war pratzelvoll und das Publikum vergnügt und trinkfest. Wir durften dies am Montag von der Lesebühne aus beobachten:

jf1

Das Aufkommen an Twitterern war so hoch, dass ich fürchte, mein Hausarzt wird berühmt, weil er an mir das erste Auftreten des bis dato unbekannten iPhone-Krebses nachweisen wird. Eine Aufzählung der anwesenden Hashtag-Legenden würde unser Blog sprengen. Daher hier nur ein kleiner Nachklapp in Gestalt einiger Tweets, die unser Herz erwärmten:

jftweet4

jftweet3

jftweet2

jftweet1

Sehr viel bessere Bilder als wir machte übrigens @thomasmaier_, der die Vortragenden dankenswerterweise porträtierte. Wir warten außerdem noch gespannt auf die angekündigten Bilder von @lana74.

PS: Das Instrument heißt Mandoline, nicht Ukulele, wie der Herr Fitz zu betonen nicht müde wurde.

Nachschlag:
Die stimmungsvollen Bilder von @lana74 sind jetzt online. Toll.

Das Letz nas

Montag, 15. Februar 2010

An dieser Stelle erstmal nur ein kurzer Dank an alle, die mitgewirkt haben, an alle, die gekommen sind und an alle, die berichteten. Letztere werden nach und nach auf der zugehörigen Webseite unter “Rückblicke” versammelt.

Da ich vergaß, eine Kamera mitzunehmen, hoffe ich auf Input von anderer Seite. Der Blitzfrequenz im Saal nach zu urteilen, müssten etwa Trölfzillionen Pics im Web rumwabern.

Voll war’s. Schön war’s. Danke.

Update:

Die ersten Bilder tröpfeln ein. Von Jo.

Lars Hilscher aka eldersign

Lars Hilscher aka eldersign

uli und wog vom Dia-Blog

uli und wog vom Dia-Blog

Niels Ott aka DrNI

Niels Ott aka DrNI

Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer

Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer

Und dann passierte anderntags noch etwas:

valentinstag